Nach den Worten von Anouk Poelmann, der Präsidentin Volvo Automobile (Schweiz) AG, Glattbrugg, ist für die Schweden Wachstum allein nicht alles. Für den Erfolg ebenfalls wichtig sei das Image der Marke. Volvo vermag zwar stets mit Eigenschaften wie Sicherheit und Komfort zu glänzen. Aber wer mit Aussichten auf Erfolg gegen die Audi, BMW und Mercedes im sogenannten Premium-Segment antreten will, «muss», so Poelmann, «mehr bieten, beispielsweise ein zeitgemässes Design». Um die ambitionierten Pläne realisieren zu können, seien sehr hohe Investitionen nötig, was dank der chinesischen Muttergesellschaft Geely im Rücken heute kein Problem sei, «sind doch die Chinesen», gemäss Poelmann, «an einer imageträchtigen Oberklassemarke stark interessiert».

Im Auftritt runder geworden

Einen ersten Schritt Richtung zeitgemässes Erscheinungsbild hatten die Schweden bereits eingeleitet, als sie noch zum Ford-Konzern gehörten. Entwickelt wurde die Limousine S60; jetzt folgt mit dem Kombi V60 das für die Schweiz nicht unwichtige Schwestermodell. Beide Fahrzeuge haben die bisher Volvo-typische, etwas kantige Karosserie abgelegt, ihre Linien sind fliessender und runder geworden. Allerdings hat Volvo mit dem neuen Design leider zu grosse Konzessionen an den heute vorherrschenden Mainstream gemacht. Will heissen: Ein Auftritt, der den V60 noch stärker von der Konkurrenz abhebt, würde dem Modell gut anstehen.Dennoch:

Die Erwartungen sind sowohl für den Schweizer Markt wie auch für andere wichtige Absatzgebiete in der EU und in Nordamerika hochgesteckt. Hierzulande verkaufte Volvo 2010 in den ersten elf Monaten 6351 Autos, 3,5 Prozent weniger als 2009. 2011 wird ein deutlich verbessertes Verkaufsresultat angestrebt, vor allem auch, weil die Bestellungen für die Modelle S60/V60 voll zum Tragen kommen. Aufgrund des geplanten Modernisierungsprogramms, das in den nächsten Jahren für alle Modellreihen geplant ist, hegt Poelmann sogar die Hoffnung und Absicht, bis 2012 gegen 8000 Volvo in der Schweiz verkaufen zu können. Das wäre dann das beste Resultat seit 1975.

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Das V60-Topmodell treibt ein potenter V6-Benzinmotor (304 PS) an. Ferner ist es serienmässig mit Allradantrieb und einem elektronisch gesteuerten Sechsstufen-Automatikgetriebe ausgerüstet. Für den V60 sind weiter vier Vierzylinder-Benzinmotoren mit zwei Hubraumgrössen erhältlich (siehe Kasten). Ebenfalls verfügbar sind drei Dieselmotoren mit Hubraumgrössen von 2,4 Litern, 2 Litern sowie 1,6 Litern. Für das Topmodell, angetrieben vom Fünfzylinder-2,4-Liter-Motor (205 PS), ist ebenfalls ein Allradantrieb vorgesehen, allerdings nur gegen Aufpreis von hohen 6600 Franken.

Gefragt ist für den V60 aber nicht nur Potenz, sondern auch ein möglichst tiefer Verbrauch. Als Antrieb für das sparsamste Modell der neuen Reihe dient der 1,6-Liter-Diesel. Er soll gemäss Werk 4,3 Litern auf 100 Kilometer benötigen, der CO2-Ausstoss wird mit 115 Gramm/Kilometer angegeben, was für einen Wagen dieser Grösse einen Bestwert darstellt. Ausgeliefert wird das Sparmodell ab dem Genfer Automobilsalon im März unter der Bezeichnung V60 DRIVe, während die anderen Modelle jetzt schon lieferbar sind.

Fussgängererkennung als Weltneuheit

In Sachen Sicherheit ist der V60, wie die Limousine S60, serienmässig mit einem Antikollisions-System (City-Safety) ausgerüstet, das im städtischen Verkehr Auffahrunfälle verhindern hilft. Als Weltneuheit lässt sich im Kombi auf dem City-Safety ein Fussgänger-Erkennungssystem aufbauen. Es ist in der Lage, Gegenstände auf der Strasse zu registrieren, und stellt zudem fest, ob diese sich bewegen. Wenn eine Kollision unvermeidlich ist und der Fahrer nicht reagiert, leitet es automatische eine Vollbremsung ein. Sein Einbau, in Kombination mit City-Safety, kostet 2750 Franken.

Der neue Volvo V60 kann in fast allen Bereichen mit den Konkurrenzmodellen aus Deutschland mithalten. Ein kleiner Abstrich ist hingegen bei den Motoren zu machen. Sie weisen zwar durchwegs hohe Standards auf, doch die deutsche Konkurrenz hat in technischen Detailbereichen weiterhin die Nase vorne. Ob das jedoch wirklich kaufentscheidend ist, bleibt abzuwarten.