Nancy Schwarz ist eine Ausnahme. «Mein Mann und ich haben vielleicht acht Kreditkarten ? aber wir zahlen die Rechnungen und Schulden bei Monatsende zurück.» Viele andere Amerikaner machen das nicht. «Natürlich erzählt man sich im Bekanntenkreis nicht, wenn es da zu Problemen kommt, aber ich weiss von zwei Freunden, die jetzt in Schwierigkeiten sind, weil sie ihre Kreditkarten zum Schuldenmachen benutzt haben.»

Mehr und mehr Amerikaner können ihre Kreditkartenschulden nicht mehr begleichen. Das bekommen die Kreditkartenbanken wie American Express zu spüren. Der Konzern musste vergangene Woche einen Gewinneinbruch um 23% auf 861 Mio Dollar melden, weil die Rückstellungen um 51% auf 1,4 Mrd Dollar erhöht wurden. Damit sollen Pleiten bei Kreditkartenschuldnern verhindert werden.

Auswirkungen gibt es auch bei den Banken, die verbriefte Kreditkartenschulden gekauft haben und jetzt nicht mehr weiterverkaufen können, weil der Markt für diese «Asset backed Securitities» illiquide geworden ist.

Schweizer verhalten sich anders

«Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen dem US- und dem Schweizer Kreditkartenmarkt», sagt Christian Stolz, Länderchef von Mastercard für die Schweiz und Österreich. «In den USA benutzen rund 80% der Kunden ihre Karten, um ständig ?revolving?-Kredite zu beanspruchen und diese auch umzuschichten. In der Schweiz dagegen zahlen 97 bis 98% der Kunden jeweils bei Monatsende die aufgelaufenen Rechnungen der Kreditkarte zurück.» Laut Stolz würden die meisten Schweizer Kreditkartenbesitzer eher ihre Ausgaben reduzieren, wenn sich die wirtschaftliche Lage abschwächt. Dies im Unterschied zu den US-Amerikanern, die eine neue Karte beantragen und mit neuen Schulden die alten ablösen würden.

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«Schweizer leben einfach viel seltener über ihre Verhältnisse», beobachtet Stolz. Daraus ergibt sich ein ganz anderes Profil der Verschuldungssituation und der Zahlungsrückstände. Stolz: «Firmen wie wir sind deshalb nicht im eigentlichen Kreditgeschäft tätig, das machen unsere Partnerbanken, wir sind aber die Franchisegeber. Was wir über die letzten Jahre beobachten, ist, dass Verbraucher ihre Karten von Migros oder Coop öfter auch für alltägliche Ausgaben einsetzen.»

Aus den letzten Konjunkturzyklen lässt sich laut Stolz die mögliche Rate von Ausfällen nicht hochrechnen. «Das liegt daran, dass der eben erwähnte Einsatz von Karten von Migros oder Coop die Zyklen glättet. Und diese waren in der Schweiz schon früher durch sehr tiefe Ausfallraten gekennzeichnet.»

Bei der GE Money Bank, Partner von Migros für die M-Mastercard, liegen noch keine Vergleichszahlen aus dem letzten Konjunkturzyklus vor, da die Karte erst vor zwei Jahren eingeführt worden war. «Dank eines disziplinierten Risikomanagements und einer sorgfältigen Kreditprüfung sind die Ausfallquoten für die M-Mastercard sehr niedrig», heisst es bei der GE Money Bank, «der Verlauf der letzten sechs Monate ist stabil, und bis jetzt können keine erhöhten Ausfälle beobachtet werden.» GE Money Bank sei eine erfahrene kreditgebende Bank. Die Bank bemesse ihre Reserven regelmässig entsprechend den Ausfallrisiken.

Konkurrenten der GE Money Bank sind UBS, Credit Suisse und Cornèrbank, die Kreditkarten als Lizenznehmer ausgeben, sowie American Express, die direkt im Kreditgeschäft ist. «Generell sind in der Schweiz die Kreditkartenausfälle viel tiefer als in Europa», bestätigt auch UBS-Sprecherin Rebeca Garcia.

Neben Mentalitätsunterschieden führt Garcia das auch auf die regulatorischen Vorschriften zurück. «Kreditkarten-Limiten dürfen aufgrund des Konsumkreditgesetzes auch nur im Rahmen der finanziellen Situation der jeweiligen Person gewährt werden.» Auch bei den Hypotheken habe man aus der Immobilienkrise der 1980er und frühen 1990er Jahre gelernt und nehme Tragbarkeitsberechnungen vor. Bei der UBS erwartet man deshalb kaum signifikant steigende Kreditkartenausfälle, falls sich die Konjunktur verschlechtern sollte.

Konkrete Situation entscheidend

«Die individuellen wirtschaftlichen Fähigkeiten eines Antragstellers oder eines Kunden stehen nach wie vor im Vordergrund der Prüfungen, flankiert mit allgemeinen wirtschaftlichen Branchen- und Konjunkturdaten», sagt auch Swisscard-Sprecherin Sibylle Kappeler Schwarzl. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit oder des Zinsniveaus seien weniger relevant als die konkrete Situation der Antragsteller oder Kunden.

Bei Swisscard beobachte man die konjunkturelle Entwicklung generell sehr genau. «Die von Swisscard angewendeten Kreditbewertungsverfahren werden auch hinsichtlich konjunktureller Auswirkungen regelmässig überprüft und wenn notwendig angepasst», ergänzt Kappeler weiter. Da es sich hierbei um wichtige betriebsinterne Kenngrössen und Massnahmen handle, gebe Swisscard keine Details bekannt.

Nancy Schwarz hat übrigens eine einfache Erklärung für ihre Zahlungsweise. «Meine Mutter kam aus Wien ? und sie hat uns beigebracht, nicht mehr auszugeben, als wir verdienen.»

 

 


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Die Ratingagenturen Moody?s und Standard & Poor?s schätzen die Summe der verbrieften Kreditkartenschulden auf weltweit 450 Mrd Dollar. Davon liegt der Grossteil in den Büchern von Banken, Hedge Funds, einigen Pensionskassen und Versichererungen.

American Express ist im Kreditkartengeschäft viel exponierter als Mastercard und Visa, die lediglich als Prozessabwickler auftreten. American Express hatte (Stand Ende 2. Quartal) Kreditkartenschulden von 72 Mia. Dollar in den Büchern. Die höchsten Ausstände haben Citi (201 Mia. Dollar), Bank of America (163 Mia. Dollar) und JP Morgan (155 Mia. Dollar). Weitere US-Firmen mit direktem Kreditkartengeschäft sind Capital One und Discover Financial Services.

Die Höhe der kommenden Abschreiber lässt sich an den Rückstellungen von American Express auf die anderen Banken hochrechnen. Die wichtigste Kennziffer sind die Nettoabschreiber auf die Forderungen, diese haben sich auf 5,9% fast verdoppelt, obwohl American Express traditionell ein gehobenes Kundensegment anspricht. Laut Den Analysten von Standard & Poor?s ist eine Ausfallrate von 9,1% erwarten, wenn sich die Rezession in den USA bin in den nächsten Sommer hinein noch verschärft. Bei der letzten, milden Rezession lag die Ausfallquote bei 6%. Diese Schwelle wurde bei American Express laut den Analysten von Barclaya bereits jetzt erreicht.

Kreditkartenbanken wie American Express stehen aber nicht nur wegen der Ausfälle unter Druck. Im kommenden Jahr muss das Unternehmen 20 Mia. Dollar des Kreditportfolios neu verhandeln. Auf dem Hintergrund der gegenwärtigen Liquiditätsengpässe an den Märkten für kurzfristige Kreditpapiere könnte das zu einem Problem werden. American Express muss dann viel mehr Geld für die Zinsen aufwerfen ? und seinerseits die Zinskonditionen für die Kunden anpassen. Aber mit höheren Zinsen, welche die Ausfallrisiken abdecken und die auch nicht von der US-Notebank kontrolliert werden können, steigen auch wieder die Ausfälle. Die Analysten von Barclays stellten bei American Express denn jetzt schon die stärkste Verschlechterung der Belastungshöhe fest ? auch weil der Konzern besonders stark in Kalifornien und in Florida vertreten ist, wo die Immobilienpreise am stärksten unter Druck sind. (mn)