Die Inhaber von eidgenössischen Fachausweisen und Diplomen sind wichtig für den Schweizer Arbeitsmarkt, da sie dank ihrer Weiterbildung über praktisches Können und theoretisches Wissen verfügen. Das befähigt die Absolventen der höheren Berufsbildung, selbstständig Fach- und Führungsverantwortung zu übernehmen.

Zwei Drittel aller Schulabgänger in der Schweiz entscheiden sich nach der obligatorischen Schulzeit für eine Lehre. Diese ist somit der wichtigste Weg in die Arbeitswelt und sorgt für eine solide Grundbildung. Neben einer soliden Grundbildung verlangt der Arbeitsmarkt aber nach Arbeitskräften, die sich kontinuierlich weiterbilden. Daher erstaunt es nicht, dass die Zahl der tertiären Abschlüsse stetig steigt. Die tertiäre Stufe umfasst neben Universitäts- und Fachhochschulabschlüssen auch jene der höheren Berufsbildung. Diese machen rund die Hälfte aller Tertiärabschlüsse aus und sind somit äusserst wichtig für eine gut funktionierende Wirtschaft.Die höhere Berufsbildung findet berufsbegleitend statt, verbindet Unterricht und Praxis. Deshalb spricht man auch vom dualen Modell. Wer sich in seinem Beruf spezialisieren will, kann nach bestandener Lehrabschlussprüfung und zwei bis drei Jahren Berufserfahrung die Berufsprüfung (eidg. Fachausweis) ablegen. Als höchste Stufe folgt danach die höhere Fachprüfung, auch «Meisterprüfung» genannt. Absolventen dieses eidgenössischen Diploms werden darauf vorbereitet, selbstständig ein Geschäft zu führen oder Kaderstellen einzunehmen. Deshalb sind neben Fachwissen vertiefte Kenntnisse in Personalführung, Projektmanagement, Betriebswirtschaft und Rechnungswesen wichtige Disziplinen.

Sofort einsetzbar

Für Martin Stalder, Ressortleiter höhere Berufsbildung beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), ist klar: «Für alle, die in der Praxis etwas bewegen wollen – und zwar nicht nur in ferner Zukunft, sondern fortlaufend –, eignet sich die höhere Berufsbildung.» Die Abgänger seien ausgewiesen in der praxisorientierten Umsetzung, hätten aber vielleicht weniger theoretisches Hintergrundwissen. Ihr grosser Vorteil ist aber, dass sie unmittelbar nach ihrem Abschluss dank parallel dazu gewachsener Praxiserfahrung sofort und ohne Praxiseinführung im Unternehmen eingesetzt werden können.Dieser Nutzen für die Arbeitgeber macht die Absolventen der höheren Berufsprüfungen zu gefragten Kräften auf dem Arbeitsmarkt. Mit dem zweistufigen Modell – Berufsprüfung und höhere Fachprüfung – kann zudem der momentan passende Abschluss gesucht werden, ohne dass ein mehrjähriges Studium absolviert werden muss. Und weil die eidgenössisch anerkannten Diplome auf einheitlichen staatlichen Vorgaben basieren, sind sie untereinander vergleichbar.

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Engagement der Wirtschaft

Die Berufsverbände definieren die Bildungsinhalte, organisieren die berufliche Grundbildung und stellen Angebote der höheren Berufsbildung bereit, die sich an den Anforderungen des Arbeitsmarktes orientieren.Weil der duale Bildungsweg berufsbegleitend ist, weist er in der Grund- wie auch in der Weiterbildung die höchste Bildungsrendite aus. Unternehmen, die aktiv Personalentwicklung betreiben, haben den Kosten-Nutzen-Vorteil erkannt und greifen ihren Mitarbeitenden oft finanziell unter die Arme. Die Unternehmen profitieren damit von motivierteren und höher qualifizierten Mitarbeitern.Heute geht der Ausbildungstrend Richtung Akademisierung und Internationalisierung. Trotzdem ist der bewährte, duale Bildungsweg keineswegs eine Sackgasse. Absolventen der höheren Berufsbildung können zum Beispiel «sur dossier», also nach Sichtung von Lebenslauf und vorangegangener Qualifikationen, an Fachhochschulen zugelassen werden. Bundesrätin Doris Leuthard hält fest: «Dank Passerellen zwischen den Ausbildungswegen kann jeder den für ihn passenden Bildungsweg verfolgen und seine beruflichen Chancen verbessern.»