Die Obligationen-Spreads waren noch vor einem Jahr auf historischen Tiefständen. Die Aktienmärkte boomten und der Risikohunger der Anleger schien dazumal schier unersättlich. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass es vor allem von den Aktienmärkten abhängt, ob die Anleger risikofreudig agieren und mehr auf Dividendenpapiere und Unternehmensanleihen setzen oder auf Eidgenossen und andere sichere Bonds. Steigt die allgemeine Risikobereitschaft der Investoren, dann verzeichnen auch Unternehmensanleihen Kursgewinne.

Deshalb waren die Kredit-spreads vor dem Ausbruch der Immobilienkrise bis auf historisch tiefe Werte gesunken. So betrug etwa der Unterschied zwischen Staatsanleihen und Unternehmensobligationen mit Qualität «Investment Grade» gerade mal 1,5 Prozentpunkte. Mittlerweile hat sich das allerdings dramatisch geändert. Der Spread beträgt jetzt 3,5 Prozentpunkte und liegt in der Nähe des Rekordes. «Für diese rekordhohen Spreads sind allerdings zum Grossteil die Obligationen der Banken verantwortlich», weiss Thomas Steinemann, Chefstratege der Vontobel-Gruppe.

Die Gruppe von Unternehmen, welche von der Kreditkrise am stärksten betroffen ist, muss den Anlegern also den grössten Risikozuschlag einräumen. Die Anleihen von Nichtbanken weisen dagegen einen deutlich geringeren Spread auf. So legt etwa der Computerkonzern IBM für 350 Mio Fr. eine bis ins Jahr 2011 laufende Obligation auf, welche mit einem Zins von 3,25% versehen ist. Demgegenüber muss die staatliche Industrial Bank of Korea (IBK) für ihre ebenfalls vier Jahre laufende Anleihe über 250 Mio Fr. mit 4,25% genau 1% mehr zahlen. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass die Spreads auch bei den Banken in nächster Zeit wieder etwas zurückgehen.

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Risikoprämien sinken

Das zeigt sich am Beispiel UBS. Die Grossbank will 200 Mio Fr. am Kapitalmarkt aufnehmen. Dafür wird sie eine Anleihe mit einem 3,5-%igen Coupon und einer Laufzeit bis 2011 emittieren. Der Zins liegt damit nur noch 45 Basispunkte über dem Swap, was eine deutlich geringere Risikoprämie bedeutet als bei der von der UBS jüngst begebenen Anleihe. Diese hatte noch einen Rendite-Aufschlag zum Swap von 110 Basispunkten.

«In den Turbulenzen nach der Kreditkrise wurden Unternehmensanleihen stark abgestraft», erklärt Sandro Bächli, Anlagestratege bei Clariden Leu. «Die eingepreisten Kreditausfälle haben sich bislang aber nicht im erwarteten Ausmass eingestellt.» Denn punkto Bonität und Liquidität stehen gerade Schweizer Unternehmen sehr gut da. Viele Firmen haben in den letzten Jahren gute Cashflows erzielt, die sie unter anderem dazu verwendet haben, ihre Schulden abzubauen. Dadurch konnten Schweizer Firmen in den vergangenen fünf Jahren ihren Eigenkapitalanteil um knapp einen Drittel auf etwa 45% der Bilanzsumme steigern.

Keine Finanzierungsprobleme

Die Sicherheit der Schweizer Obligationen ist also ausgezeichnet. Schweizer Unternehmen haben trotz Kreditkrise auch keinerlei Finanzierungsprobleme, wie es von einigen Beobachtern befürchtet wurde. Das gilt auch für die Eidgenössische Finanzverwaltung. Sie hatte mitgeteilt, dass eine für diese Woche vorgesehene Anleihen-Auktion wegen der ausgezeichneten Finanzlage ausfallen wird.

Daher scheint der Markt die hohen Risikoprämien bei Unternehmensanleihen nun wieder etwas zu korrigieren. Der Rückgang der Spreads und damit Zinsen ist gleichbedeutend mit einer Verteuerung der Obligationen. Vor allem die Unternehmensanleihen von in der Vergangenheit stark gebeutelten Firmen müssten jetzt wieder teurer werden.

Anleger könnten nun versucht sein einzusteigen, um von den Kurssteigerungen zu profitieren. Dennoch rät Thomas Steinemann von einem jetzigen Engagement ab. «Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich Unternehmensanleihen nicht wesentlich anders verhalten als Aktien», erklärt Steinemann. «Wenn Aktien schlecht laufen, dann gilt dies auch für Unternehmensanleihen.»

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Volatilität bleibt hoch

Und bislang zeigen sich die Aktienmärkte immer noch sehr nervös, auch wenn es in den vergangenen Monaten zu einer Bodenbildung gekommen zu sein scheint. Allerdings wird die Volatilität in den Märkten noch eine ganze Weile hoch bleiben. Erst im Sommer rechnen die meisten Experten mit einer Stabilisierung. Anleger sollten deshalb für den Zinsbereich ihres Portfolios weiterhin auf erstklassige, hochqualitative Obligationen mit einer eher kürzeren Laufzeiten setzen.