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«Eigenmarke ist wichtig»

Philippe Gaydoul Der Denner-Chef dementiert die hartnäckigen Gerüchte, wonach Waro oder Franz Carl Weber kurz vor dem Verkauf steht. Trotzdem mag er keine Wetten über die Zukunft abschliessen.

Von Interview: Gret Heer
am 26.11.2002

Weshalb verzögert sich der Verkauf von Waro? Finden Sie keinen Käufer,oder ist Ihr Preis zu hoch?

Philippe Gaydoul: Ein solcher Entscheid steht im Moment gar nicht zur Diskussion. Die Familie führt zurzeit keine Verhandlungen.Der Waro-Verkauf ist in der Gerüchteküche wieder zum Thema geworden, seit Carrefour ihre Ziele definiert hat. Danach kann Carrefour diese nur erreichen, wenn sie einige Märkte von einer anderen Kette übernehmen kann.

Trotzdem lassen Sie Waro vor sich hin dümpeln. Letztes Jahr ist der Umsatz von Waro nur 1% gewachsen, dieses Jahr um 2%. Denner dagegen wuchs letztes Jahr um 9% und in diesem Jahr sogar um 12%. Doch Sie investieren in New Denner mehr als100 Mio Fr., obwohl eine Spritze für Waro viel dringender wäre.

Gaydoul: Jein. Waro ist jahrelang überhaupt nicht gewachsen, ist sogar rückläufig gewesen. Der negative Trend wurde nun gebrochen. Im Vergleich zu den generellen Detailhandelsumsätzen der letzten Monate, die nicht berauschend waren, entwickelt sich Waro recht positiv. Wir investieren in Waro. Letztes Jahr haben wir zwei neue Geschäfte eröffnet und eines renoviert.

Wie passt denn Waro mit nur 28 Läden in Ihre Unternehmensstrategie von New Denner, die 314 Filialen betreibt?

Gaydoul:Klar verfügt Waro über weniger Verkaufsstellen, besitzt grossflächigere Läden, ein grösseres Sortiment und hat teurere Preise. Waro ist aber auch wie Denner ein filialisierter Betrieb im Lebensmittelhandel. Da gibt es sehr wohl Synergien etwa bei der Beschaffung und Logistik, wo ich mich bei anderen Detailhändlern schon viel eher frage.

An wen denken Sie?

Gaydoul:Ich will keine Konkurrenten nennen. Aber im Vergleich zu Bon Appétit, Coop und Migros, die so viel Verschiedenes abdecken, liegen Waro und Denner doch recht nahe beieinander.

Heute heisst die Devise: Konzentration auf das Kerngeschäft ­ was Sie ja mit New Denner auch praktizieren. Da passt Franz Carl Weber nicht mehr dazu.

Gaydoul: Das stimmt. Das ist ganz etwas anderes. Da liegt auch nicht die Kern-Kompetenz des Konzerns, wie wir sie im Lebensmittelsektor besitzen. Mein Grossvater hat den Franz Carl Weber 1984 gekauft. Franz Carl Weber bewegt sich in einem schwierigen Umfeld. Hochpreisige Fachmärkte, insbesondere auch der Spielwarenmarkt, haben es in der heutigen Zeit schwer.

Sie wollen sich von FCW trennen?

Gaydoul:Auch hier führt die Familie zurzeit keine Verhandlungen. In den letzten Jahren haben wir sehr viel unternommen: Wir haben das Filialnetz halbiert, die kleinflächigen und weniger rentablen Läden abgegeben und zudem die Filiale in Genf für viel Geld renoviert. Auch in St. Moritz haben wir einen neuen Laden eröffnet. Das macht man ja nicht, wenn man einen Verkauf vorantreibt.

Ohne zu investieren, kann man das Geschäft ja auch nicht gut verkaufen.

Gaydoul:Heute ist nichts mehr für die nächsten zehn Jahre gültig. Ein Verwaltungsrat muss sich strategisch laufend Gedanken machen in jeder Hinsicht, was für sein Unternehmen oder für einen Unternehmensteil das Beste ist.

Sie besitzen über die Hälfte der Immobilien von FCW und Waro. Mit dem Verkauf von Waro oder FCW könnten Sie die Investitionen von über 100 Mio Fr. in New Dennerbestens berappen.

Gaydoul:Die nötigen Mittel besitzen wir auch ohne Verkauf.

Ich wette mit Ihnen, dass in ein bis zwei Jahren Waro oder FCW nicht mehr zu Ihrer Gruppe gehört. Steigen Sie ein?

Gaydoul:Im Sinne der Mitarbeiter und des Unternehmens möchte ich auf solche Wetten oder Spekulationen nicht eingehen. Das würde der Unternehmenskultur nur schaden.

Aber damit schüren Sie die Gerüchte noch mehr.

Gaydoul:Für die Zukunft kann man nie Ja oder Nein sagen. Wir könnten auch wetten, wer im Schweizer Detailhandel überleben und wer verschwinden wird. Doch das wäre falsch.

Bei New Denner haben Sie auf die Karte Markenartikel gesetzt und damit Erfolg gehabt. Andere Händler wie Migros fahren mit Erfolg auf Eigenmarken. Was haben Sie diesbezüglich vor?

Gaydoul:Die Eigenmarke ist uns sehr wichtig, damit machen wir auch Kundenbindung. Unser Denner-Bier beispielsweise ist eine Erfolgsstory, die wir jahrelang aufgebaut haben. Damit decken wir heute rund 15% des Biermarktes ab.

Für die Eigenmarken-Strategie genügt aber Bier wohl kaum.

Gaydoul:Wir haben heute noch keinen klaren Auftritt und keine klare Strategie im Bereich Eigenmarke. Genau daran aber arbeiten wir zurzeit.

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