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Kunstaktion
Eigentor für Banksy

Banksys Mädchen mit Ballon
Das Banksy-Werk «Mädchen mit Ballon» (li.) wurde für 1,3 Millionen Franken versteigert – um sich umgehend selbst zu schreddern.Quelle: Keystone

Ein Banksy-Werk zerstört sich nach seiner Rekordversteigerung selbst. Auktionator Sotheby's reagiert dennoch ungerührt – aus gutem Grund.

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Kommentar  
Von Brigitte Ulmer
am 08.10.2018

Auktionsrekorde sind kaum mehr Schlagzeilen wert. Aber dass sich Banksys Spraybild «Girl with Balloon» vor den Augen der versammelten Kunstelite von einem versteckten, fernbedienten Schredder selbstzerstört, unmittelbar nachdem es einen Höchstpreis von umgerechnet 1,3 Millionen Schweizer Franken erzielt hat – das schafft es dann heute morgen doch in die BBC-Radio-Frühstückdiskussion. Ein Kunstskandal? Genialer Künstlerstreich? Gar Juristenfutter?
 
Streng gesagt erweist sich die Kunstware für den Käufer jetzt als eher mangelhaft, und er könnte vom Kauf zurücktreten. Doch die Kunstwelt nimmt es erstaunlich gelassen. Wir haben es hier mit einer Parallelwelt zu tun, in der andere Regeln gelten.

Das Schreddern ist Teil des Kunstwerks

Dass das Auktionshaus tatsächlich «gebanksyt» wurde, wie Alex Branczik, Direktor zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s, geradezu fröhlich ins Feld führte, ist schwer vorstellbar. Wie das Auktionshaus im Nachhinein zugab, fiel dem Experten bei der peniblen Erstellung des Zustandsreport der übergrosse, unpassende Rahmen (mit Auswurfsschlitz) durchaus auf.

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Die ungerührte Reaktion lässt somit eher vermuten, dass das Auktionshaus mit der Möglichkeit rechnete, dass das Werk eine Kunstaktion bereithält. Das Schreddern sei, so die Auktionslogik, nun integraler Bestandteil des Kunstwerks. «Man könnte argumentieren, dass das Werk jetzt wertvoller ist also vorher», frohlockte Alex Branczik, Direktor zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s.
 
Müssig zu fragen, ob der Käufer oder Künstler das auch so sehen. Banksy war einst mit subversiven Aktionen gegen die Kommerzialisierung der Kunst angetreten. Die A(u)ktion legt aber bloss offen, dass weder Kunsthistoriker noch Kritiker und schon gar nicht Künstler selbst die Deutungshoheit über ein Werk besitzen, sondern der Markt. Aus der «Selbstzerstörung» («Art Newspaper») wird im Handumdrehen eine exponentielle Wertsteigerung.
 
Laut Sotheby’s haben sich bereits Interessenten gemeldet, die das geschredderte Werk kaufen wollen. Mit anderen Worten: Der Markt hat immer recht.

Das Video zeigt, wie sich Banskys Werk selbst zerstört: