Noch Anfang Jahr schien es Cablecom-Chef Eric Tveter nicht schnell genug gehen zu können. Er suchte lautstark einen neuen Partner fürs Mobilfunkgeschäft. Bisher arbeitet Cablecom mit Sunrise zusammen, doch das Mobile-Angebot brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Das sollte sich ändern. Im Frühling, als in der Branche eine Fusion zwischen Sunrise und Orange erwartet wurde, machte Swisscom-Chef Carsten Schloter der Cablecom öffentliche Avancen und erklärte, dass man die Kabelnetzbetreiberin gerne als Partnerin hätte. Cablecom-Chef Tveter sprach davon, dass der Wettbewerb «massgeblich verstärkt» werden könnte, wenn die aktuellen Marktteilnehmer Kooperationen für Mobile Virtual Network Operator (Wiederverkäufer) «zu wirtschaftlich interessanten und technisch überzeugenden Bedingungen anbieten würden».

Noch im Juni gingen Swisscom-Leute davon aus, dass der Vertrag mit Cablecom kurz vor der Unterzeichnung stehe. Für die Swisscom wäre es ein cleverer Schachzug gewesen, hätte sie doch mit einem solchen Vertrag die neue Konkurrenz geschwächt und gleichzeitig gezeigt, dass es keine schärfere Regulierung im Markt braucht, weil sich die Akteure auch so in wichtigen Fragen einigen können. Doch dann untersagte die Wettbewerbskommission (Weko) die Fusion der Swisscom-Konkurrenten. Die Ausgangslage änderte sich - sowohl für die Swisscom wie auch für die Cablecom. Aus Verhandlungskreisen hiess es, die Cablecom habe das Thema Mobilfunkangebot zurückgestellt.

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Bewegung in die Sache dürfte nun aber im Oktober kommen, wenn die zuständige Kommission im Ständerat auf der Basis der Motion Forster entscheiden wird, ob eine Revision des Fernmeldegesetzes nötig ist. Alle Marktteilnehmer sind sich einig, dass dies verhindert werden soll. Ist dies dann erreicht, dürfte es auch bezüglich Mobilfunkangebot der Cablecom vorwärtsgehen.

Dringend gesucht: Neuer Partner

Die Kabelnetzbetreiberin jedenfalls betont, nach wie vor am Einstieg in das Mobilfunkgeschäft interessiert zu sein. Sprecher Michael Loss erklärt: «Wir suchen keinen kurzfristigen Deal, sondern einen langfristigen Partner auf mehrere Jahre. In einem solchen Prozess sind vorgängig viele Fragen zu klären, und das benötigt Zeit.» Cablecom hoffe aber, «die Verhandlungen in den nächsten Monaten abzuschliessen». Loss gibt zu, dass man nach dem negativen Weko-Nein «einem kommerziellen Entscheid optimistischer entgegensehe» als auch schon.

Doch erst soll offenbar das Re-Branding über die Bühne gehen. Das Unternehmen wird den Namen des Mutterhauses UPC bekommen. Das neue Mobilfunkangebot soll dann unter dem neuen Namen lanciert werden.

Knatsch um Fernsehangebot

Kommt dazu, dass das Einvernehmen zwischen der Swisscom und der Cablecom momentan getrübt ist, da Swisscom die Cablecom als Leaderin im digitalen Fernsehmarkt verdrängen will. Swisscom-Chef Carsten Schloter liess via «SonntagsZeitung» schon mal ausrichten, dass er «eine Riesenfete schmeissen» werde, «wenn wir die Kundenzahl von Cablecom beim Digitalfernsehen bis Ende Jahr knacken.»

Bei der Kabelnetzbetreiberin nimmt man die Kampfansage zumindest nach aussen hin betont gelassen: «Schweizweit konnten die Kabelnetze insgesamt mehr als 125 000 Neukunden im digitalen TV-Markt gewinnen, das sind 50% mehr als Swisscom im selben Zeitraum.»