CHRONOSWISS. Das glaubt man in der Uhr-Schweiz kaum. Aber an diesem Faktum gibt es nichts zu rütteln: Bayern, der Freistaat im Süden der Bundesrepublik Deutschland, und dort insbesondere die Landeshauptstadt München besitzt eine respektable Tradition auf dem Gebiet mechanischer Zeitmessung. Genau genommen reicht sie bis ins Jahr 1394, als erstmals ein «Ormaister» urkundliche Erwähnung fand. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts machte Nikolaus Kratzer, Uhrmacher, Mathematiker und Astronom König Heinrichs VIII., mit unterschiedlichsten Uhren von sich reden.

Immer wieder Kaiserliches

Viel später dann, nämlich 1903, erlangte Heinrich Sattler ein kaiserliches Patent für die Konstruktion eines Uhrwerks mit ewigem Kalendarium. Daneben entwarf er Jahres- und Weltzeituhren, welche sein Vater Heinrich Sattler sen. realisierte. Diesen Enthusiasmus erbte Enkel Erwin Sattler, der 1958 die gleichnamige Grossuhrenmanufaktur begründete und wohl 2008 ein neues Fabrikationsgebäude in Gräfelfing bei München einweihen wird.

Mut zu Lücke und Perfektion

Als Gerd-Rüdiger Lang (64) den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit wagte, schrieb man das Jahr 1981. Die Liquidation der Heuer Time (Deutschland), deren Niederlassungsleiter er war, trieb den gelernten Uhrmacher in die Arbeitslosigkeit. Also startete Lang mit Ideen, Mut, Risikofreude, Entschlossenheit sowie einem riesigen Ersatzteillager neu durch. Klar war für Lang: Gesetzt wird auf Schweizer Qualität. Auch heute bezieht er sämtliche Bestandteile seiner mechanischen Werke aus der Schweiz. Und ebenso lag auf der Hand, dass der Begriff Schweiz – Suisse – Swiss Bestandteil des Markennamens sein sollte. Die Wahl fiel auf Chronoswiss. Trotz Quarzkrise ahnte Lang, dass die mechanische Uhrmacherei noch lange nicht am Ende sei. Seine Antwort waren verschiedene Armbanduhren im Retrolook. Ab 1984 entstand sukzessive eine eigene Kollektion, deren erste Krönung der Regulateur (1988) war.

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Unter den Top-Ten-Namen

Seitdem entwickelte sich Chronoswiss unter der besonnenen, auf Kontinuität bedachten Leitung von Gerd-Rüdiger Lang zu einer ernst zu nehmenden Grösse auf dem Markt für hochwertige Armbanduhren. Und in Ranking der deutschen Luxusmarken nimmt Chronoswiss inzwischen den bemerkenswerten 8. Platz ein. In diesem Sinne sollte es nicht verwundern, dass jener Meister Lang, der penibel auf jedes Detail seiner Uhren achtet, die begrenzten Möglichkeiten angemieteter und daher nur wenig gestaltbarer Räumlichkeiten schon seit Jahren störte. Kompromisse waren dem Wahl-Münchner schon immer zuwider. Daher sollte das Ambiente, in denen die Uhren entstehen, eines Tages ebenfalls die signifikante Handschrift des uhrmacherischen Selfmademan tragen. Realisiert wurde ein Firmengebäude nordöstlich von München in Karlsfeld bei Dachau. Das Gelingen des architektonischen Kraftakts bestätigt sich schon beim Betreten des neuen Gebäudes. Dort fällt der erste Blick beinahe zwangsläufig auf eine majestätisch tickende Riefler-Pendeluhr aus dem Jahr 1927. Auch der weitere Rundgang durch den sogenannten «Zeitpunkt» zeigt, dass hier nichts dem Zufall überlassen blieb. Irgendwie folgte die Architektur des Hauses, in dem Administration, Kreation, Marketing, Produktion, Verkauf und Versand der Chronoswiss-Uhren über die Bühne gehen, der zwingenden Logik eines mechanischen Uhrwerkes. Die Zeitlosigkeit der kostbaren Zeit demonstrieren langlebige und durchaus kostspielige Materialien wie Aluminium, Cotto, Eiche, Glas, Kupfer und viel Solnhofener Schiefer.

Gebäude mit Mittelpunkt

Im Zentrum des personellen Geschehens stehen Gerd-Rüdiger Lang und seine Tochter Natalie, die sich unmittelbar neben den gewerblichen Ateliers angesiedelt haben. Das bringt kurze Wege, direkte Kontakte und ein permanentes Miteinander mit sich. Demgegenüber besitzen die anderen Bereiche gewissermassen dienende Funktion. Im Dachgeschoss des dreistöckigen Bauwerks befinden sich zudem ein offenes Präsentationsforum, die Bibliothek, die Mitarbeiter-Cafeteria und zwei Gäste-Appartements.Als zentrales, prägendes Element kann die markante, dem Uhrenmuseum gewidmete Treppen-Rotunde gelten. Zu diesem Zweck sind in die Innen- und Aussenseite exakt 60 Schaukästen eingelassen. Alle befinden sich auf Augenhöhe, damit die Besucher die regelmässig wechselnden Exponate aus der umfangreichen Privatsammlung Gerd-Rüdiger Langs betrachten können. Dass der Uhrenfabrikant auch ein Faible für extravagante Oldtimer besitzt, zeigt ein Glasboden in Erdgeschoss. Er gestattet einen Blick ins Souterrain, wo diese motorisierten Preziosen ihren Platz gefunden haben. Bei den Proportionen des «Zeitpunkts» haben Lang und sein Architekt nach Griechenland geblickt. Mit einem Verhältnis von 3:5 entspricht die Massordnung derjenigen eines antiken Tempels. Diese Relation setzt sich selbst in der Grösse der äusserlich verwendeten Steine fort.Zur Zukunft, die Gerd-Rüdiger Lang und seiner Tochter so sehr am Herzen liegt, gehörte auch die gezielte Auseinandersetzung mit der Haustechnik. Mechanische Uhren sind die umweltfreundlichsten Zeitmesser. Dieses Bewusstsein unterstreicht Chronoswiss gleich in mehrfacher Hinsicht. Wenn immer möglich nützt Gerd-Rüdiger Lang auf dem Weg zur Arbeit sein Velo. Demgemäss verfügt auch das Gebäude über eine umweltschonende technische Ausstattung. Eine moderne Wärmepumpe nutzt die Energie des Grundwassers, um im Inneren zu jeder Jahreszeit eine angenehme Temperatur zu erzeugen. Fazit: Die bayerische «Uhrenfabrik» ist nicht nur typisch Chronoswiss, sondern auch typisch Lang.

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Bekannte Namen

Riefler-Uhren