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E-Commerce
Ein A besser: Migros startet Amazon-Partnerschaft

Tegut-Filiale in Wiesbaden: Die Migros-Tochter will mit Amazon online flügge werden. ZVG

Die Migros Zürich will ihre deutsche Tochter Tegut ins Online-Geschäft bringen. Zusammen mit Amazon, dem grössten Aggressor im deutschen Handelsgeschäft.

Von Andreas Güntert
am 22.02.2017

Erfurcht und Schockstarre, im Minimum aber maximaler Respekt: Wenn die US-amerikanische Online-Walze Amazon auffährt, lässt das keinen Händler kalt. Vor allem nicht in Deutschland. Dort hat der digitale Nimmersatt seine Umsätze 2016 auf umgerechnet über 14 Milliarden Franken hochgefahren. Auf hiesige Verhältnisse übertragen: Amazons deutsche Shopping-Wucht ist gleichzusetze mit dem 23-fachen Jahresumsatz des Zentrums Glatt, dem grössten Einkaufszentrum der Schweiz.

Jetzt plant die Migros über ihre deutsche Tochter Tegut eine erste grosse Zusammenarbeit mit dem US-Giganten. Die rund 280 Bio-Supermärkte von Tegut gehören seit 2013 der Genossenschaft Migros Zürich. Deren Chef Jörg Blunschi muss den Beweis antreten, dass sich die Ausland-Akquise lohnt.

Kein Feind - ein Partner

Um Schlagkraft und Reichweite von Tegut zu erhöhen, sucht man die Partnerschaft des grössten Online-Händlers der westlichen Hemisphäre, bestätigt Tegut-Sprecherin Stella Kircher: «Wir befinden uns gerade in einer Testphase mit Amazon, um Lebensmittel ausserhalb des Tegut-Stammgebietes und der Ladenöffnungszeiten anzubieten.» Dabei werde Tegut bei Amazon gleich für drei Dienste Waren einlisten, sagt Kircher: «Hierbei geht es um eine Erweiterung des Trockensortiments bei den Services Amazon.de, Amazon Prime Now und Amazon Prime Pantry.»

Die Prime-Dienste stehen bei Amazon für erhöhte Liefergeschwindigkeit in ausgesuchten Metropolregionen. Mit der «Pantry» - englisch für «Vorratskammer» - will der US-Riese seinen Kunden per formatierter Box schmackhaft machen, den stationären Wocheneinkauf auf den Online-Kanal umzuleiten.

Deal erspart Onlineshop-Investition

Zu konkreten Sortimenten und dem Startpunkt der Partnerschaft sagt Tegut nichts. Aus deutschen Branchenkreise verlautet, dass es sich beispielsweise um Artikel wie Teigwaren, Kaffee oder Konserven handeln werde; ein Beginn der Partnerschaft stehe aber demnächst an. In der Branche wird mit April oder dann spätestens mit Mai gerechnet.

«Statt selber für teures Geld einen Online-Vertrieb aufzubauen, nutzen wir lieber die Chance, die sich Tegut jetzt mit Amazon bietet», sagt Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi. Der US-Riese stehe zwar im Kommandostand und bestimme das Vorgehen; die deutsche Migros-Tochter habe aber auch etwas einzubringen in die Partnerschaft: «Amazon selber kann dabei von der Bio-Kompetenz von Tegut profitieren.» Beobachter gehen davon aus, dass über tausend Artikel von Tegut online gehen werden.

M-Industrie mit Amazon-Erfahrung

Wie es sich lebt mit Amazon, kann Blunschi auch intern in Erfahrung bringen. Die Betriebe der Migros-Industrie nutzen Amazon schon seit 2012 für die Marktbearbeitung in Deutschland. Auf einem eigens eingerichteten «Migros-Shop» bieten Duttis Erben über Amazon.de Eigenmarken aus Bereichen wie Schokolade, Biskuits oder Kaffee an. Aktuell sind dort um 500 Artikel erhältlich.

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