Was da unter der Motorhaube des Fiat Bravo sehr dezent «dieselt», ist ein kleiner Kraftprotz. Vom berüchtigten «Nageln», bekannt aus früheren Dieselzeiten, kann keine Rede mehr sein, denn während des Fahrens ist weder erkenn- noch hörbar, welche Motorenart den flotten Flitzer antreibt. Der neue 1.6-l-Multijet bringt eine Leistung von 120 PS auf die Strasse. Noch beeindruckender ist mit 300 Nm sein maximales Drehmoment, das bereits bei 1500 U/min zur Verfügung steht. Damit ist eine für einen kleinen Dieselmotor sehr beachtenswerte Beschleunigung – praktisch aus dem Stand heraus – gewährleistet. Derart motorisiert schafft der Bravo den Sprint von 0 auf 100 km/h in 10,5 Sekunden – ein weiterer Spitzenwert in dieser Klasse.

Kleiner Verbrauch, tiefe Steuern

Der neue Motor, der in zwei Leistungsstufen gebaut wird (120 PS wie beschrieben und 105 PS mit immer noch 290 Nm max. Drehmoment bei 1500/min), ist neben dem Bravo auch für andere Modelle und damit zum Beispiel für den neuen Fiat Croma vorgesehen. Dies entspricht der Strategie der Italiener, im Motorenbereich das sogenannte Downsizing konsequent fortzusetzen. Das bedeutet kleinere Hubräume, damit einhergehend reduzierte Verbräuche, aber auch geringere Steuerabgaben. Die Leistungen jedoch bleiben in etwa auf dem Niveau früherer Motorengenerationen mit grösseren Hubräumen.

Um das angestrebte Ziel zu erreichen, ist der neue Fiat-Dieselmotor mit modernster Technik im Verbrennungsbereich ausgerüstet. Die Bezeichnung Multijet steht für eine elektronisch gesteuerte Einspritzdüse mit mehreren haardünnen Öffnungen, durch die der Treibstoff gleichmässig in die Brennräume verteilt wird.

Anzeige

Die aufwendige Vierventiltechnik (zwei Einlass-, zwei Auslassventile) ist zwar seit Jahren Standard, neu hingegen ist die Erhöhung des Einspritzdrucks. Fiat hat jetzt auch für die kleinen Motoren 1600 bar erreicht. Vor nicht allzu langer Zeit waren Werte zwischen 1000 und 1200 bar Stand der Technik. Doch je höher der Druck, desto besser die Verbrennung und umso geringer der Verbrauch sowie die Emissionen. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Reduktion des Ausstosses von Russpartikeln.

Bereits heute Euro-5-tauglich

Der neue Multijet 1.6 erfüllt in beiden Leistungsstufen die Euro-5-Normen, die ab September nächsten Jahres gelten. Von Fiat-Seite heisst es offiziell, der Motor sei sowohl mit 105 wie mit 120 PS «Euro 5 ready»; was heissen soll, dass der Motor selbst dann die neuen, strengen Normen erfüllen kann, wenn die EU-Kommission noch kleinere, verschärfende Änderungen beschliessen sollte.

Beide Euro-5-Varianten weisen gegenüber der Euro-4-Norm deutlich tiefere Emissionen auf. Bei Stickoxiden (NOx), für Dieselmotoren ein besonderes Problem, sind es 20% weniger, bei den Russpartikeln, ebenfalls ein heisses Eisen, sinkt der Ausstoss sogar um 80% im Vergleich zur Euro-4-Norm. Die Verbräuche liegen, gemessen nach EU-Normen, unter 5 l, und zwar zwischen 4,5 und 4,9 l für 100 km/h. In diesem Punkt, so gibt Fiat an, liess sich eine Verbesserung um rund 8% im Vergleich zur letzten Motorengeneration erzielen.

Erfreulich tiefe CO2-Werte

Die beiden neuen Euro-5-Multijet-Dieselmotoren weisen einen sehr tiefen CO2-Wert auf, tiefer als viele Motoren der Konkurrenz. Beide Leistungsstufen stossen lediglich 129 g/km CO2 aus. Dieses Niveau liegt auf jeden Fall knapp unter demjenigen, das die EU-Kommission zuerst ins Auge gefasst hatte (130 g/km; jetzt 120 g/km ab 2012). Beide Dieselaggregate sind zudem serienmässig mit Partikelfilter ausgerüstet. Als Kraftübertragung kommt ein manuelles Sechsgang-Getriebe für alle Fahrzeuge mit dem neuen 1.6-Multijet-Motor zum Einsatz. Seine Markteinführung in der Schweiz ist für März 2008 vorgesehen. Dann werden auch die Preise bekannt gegeben.

Anzeige