Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung und Forschung (SBF), lobt: «Ich finde es toll, sprechen die Universitäten nun europaweit dieselbe Sprache.»

Trotzdem kommt es nun zu Misstönen wegen der Bologna-Reform (siehe Seite 64): Zehn Jahre nach deren Lancierung wird die Frage nach der limitierten Zulassung von ausländischen Studierenden thematisiert, so etwa am ETH-Tag 2010 von Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach selbst. Die ETH Zürich überlegt, einen Numerus clausus für begehrte Studiengänge einzuführen.

Die Universität St. Gallen kennt einen solchen bereits, ebenso Aufnahmeprüfungen für Ausländer. Dazu passt die Kritik an der Bologna-Reform von Peter Gomez, ehemaliger Rektor der HSG und VR-Präsident der SIX: «Das System der Durchlässigkeit verführt Studierende dazu, schwierige Bachelor-Studien zu umgehen und so bequem in qualitativ hochstehende Master-Studien anderer Universitäten zu kommen. Diese sind heute völlig überlaufen und können die Qualität nicht mehr halten. Deshalb muss eine Selektion ermöglicht werden, und die soll beim Abnehmer liegen.»

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Die Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (CRUS) lässt zurzeit abklären, inwieweit aufgrund internationaler Abkommen die Regelungen betreffend schweizerische Bachelor auch für ausländische Bachelor gelten. Denn: Inhaber eines Bachelor einer schweizerischen Universität, die ihre Ausbildung mit einem Master in der entsprechenden Studienrichtung vertiefen wollen, werden bedingungslos zugelassen. Aber: Eine Mehrheit der Mitglieder der CRUS befürwortet, dass die Hochschulen bei ihrem Träger eine Einschränkung der Zulassung beantragen können, wenn Kapazitätsgründe es erfordern.

Die Einführung eines Numerus clausus auf der Bachelor-Stufe widerspräche dem Schweizer Bildungssystem, innerhalb dessen die Gymnasien die allgemeine Hochschulreife sicherstellen, so Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich, wo es - wie in der Schweiz üblich - nur eine Zugangsbeschränkung für das Studium der Medizin gibt. «Ein Numerus clausus für andere Fächer - oder als Beispiel für ausländische Studierende - müsste von den übergeordneten Instanzen beschlossen werden.» Die Zahl der ausländischen Studierenden habe zwar auch in Zürich zugenommen, doch seien sie zahlenmässig kein Problem.

Das hohe Niveau der hiesigen Universitäten ziehe viele Ausländer an, weiss Staatssekretär Mauro Dell’Ambrogio. «Deren Anzahl haben wir aber unter Kontrolle.» Seine Kernbotschaft lautet: «Massnahmen zur Zulassungsbegrenzung sind nötig. Jeder Träger soll selber entscheiden, wie viele ausländische Studierende insgesamt er zulassen will.»