Herr Scholl, Sie sagen, dass ihre Bank im internationalen Vergleich mit den Universalbanken sehr solide kapitalisiert ist und dennoch fordern Sie den Kanton Zürich dazu auf, zusätzliches Kapital von zwei Milliarden Franken für die Zürcher Kantonalbank bereitzustellen. Können Sie diesen Widerspruch erläutern? 
Martin Scholl: Die Zürcher Kantonalbank hat dem Kantonsrat Anfangs Jahr nebst dem Antrag zur Erhöhung des Dotationskapitalrahmens ein umfassendes Paket an Anpassungsvorschlägen übermittelt. Damit sollen die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Bank in den nächsten Jahren geschaffen werden. Es geht somit um die Erhöhung des Dotationskapitalrahmens auf lange Sicht und nicht um eine kurzfristige Kapitalerhöhung. Eine solche benötigt die Bank derzeit tatsächlich nicht, da sie ausserordentlich gut kapitalisiert ist. 

Neben der Frage der Kapitaldecke beschäftigt die Zürcher Kantonalbank der Schweizer Immobilienmarkt. Sie bezeichnen die Lage als nach wie vor anspruchsvoll. Wie ist das zu verstehen? 
Die Überhitzungserscheinungen im hiesigen Immobilienmarkt wurden in den letzten zwei Jahren immer offensichtlicher. Deshalb haben wir das Wachstum im Hypothekargeschäft schon 2011 gedrosselt.

Rechnen Sie mit einem Crash?
Unser Hypothekarwachstum liegt mit 1,9 Prozent im ersten Halbjahr 2013 deutlich unter dem Gesamtmarkt. Es dauert immer länger, bis teure Immobilien verkauft werden. Die Nachfrage geht zurück, die Preise stagnieren und im Luxussegment korrigieren sie sogar nach unten. Hält diese Beruhigungstendenz an, lässt sich ein Crash auf dem Schweizer Immobilienmarkt vermeiden und es kommt zu einer sanften Landung. Die Risiken im Hypothekargeschäft sind für die Zürcher Kantonalbank auf jeden Fall weiterhin kalkulier- und tragbar.

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Das ändert aber nichts daran, dass der Zinsertrag trotz steigendem Volumen schrumpft.
Der rückläufige Zinsertrag ist primär darauf zurückzuführen, dass aufgrund des rekordtiefen Zinsniveaus die Erträge aus der Verzinsung des Eigenkapitals sinken und die umfangreiche Liquidität bei der Schweizerischen Nationalbank keine Zinsen abwirft.

Der Bestand an Kundengeldern ist leicht rückläufig. Zudem nehmen die Neugelder nur leicht zu. Worauf führen Sie das zurück? 

Die Zürcher Kantonalbank konnte in den letzten 5 1/2 Jahren einen Netto-Neugeldzufluss von rund 60 Milliarden Franken verzeichnen. Dieser Neugeldzufluss ist auch 2013 mit 790 Millionen Franken - in der Vorjahresperiode waren es 785 Millionen Franken - positiv. Damit kann nicht von einem unbefriedigenden Trend gesprochen werden. Im Übrigen hatten die Entwicklung der Anleihekurse sowie der Edelmetallpreise einen negativen Performanceeffekt auf die bei der Zürcher Kantonalbank liegenden Vermögen. 

Sie sprechen von Anleihekursen und Edelmetallpreisen. Die Zürcher Kantonalbank hat als Staatsbank doch die Aufgabe, der Bevölkerung Bankdienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Wie gerechtfertigt ist es da, dass ihre Bank im Investmentbanking und im Rohstoffgeschäft tätig ist?
Gemäss Gesetz über die Kantonalbank vom September 1997 ist der Auftrag der Zürcher Kantonalbank viel breiter gefasst. So tätigt die Bank die Geschäfte einer Universalbank und der Geschäftsbereich umfasst in erster Linie den Wirtschaftsraum Zürich und daneben die übrige Schweiz und das Ausland. Ferner hat der Gesetzgeber festgelegt, dass die Bank nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen ist und einen angemessenen Gewinn anzustreben hat. Damit sind eine sachliche Erweiterung der Produktpalette und eine Ausdehnung von Bankdienstleistungen über den Kern der Grundversorgung hinaus sowohl für den Weiterbestand des Leistungsauftrages wie auch der Bank unabdingbar. Im Übrigen basiert das Handelsgeschäft der Bank auf einem klaren Kundenfokus und gleiches gilt auch für Rohstoffe.

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Im Halbjahresbericht verlieren Sie über den Stand der Verhandlungen im US-Steuerstreit kein Wort. Droht der ZKB eine Anklage seitens der USA? 
Die Zürcher Kantonalbank kooperiert seit längerem auf individueller Ebene mit den US-Behörden im Rahmen des schweizerischen Rechts und ist zuversichtlich, bald eine Lösung vereinbaren zu können.