Der Kurs der Bucher-Aktie hat einen steilen Anstieg hinter sich: Plus 84% seit Anfang Jahr. In jüngster Zeit entwickelt er sich leicht abwärts. Wie beurteilen Sie das?

Philip Mosimann: Gelassen. Die Börse ist hypernervös. Schwankungen in dieser Bandbreite bringen mich nicht aus der Ruhe. Unsere Perspektive ist langfristig, und die Voraussetzungen, dass wir uns operativ weiter steigern, sind völlig intakt.

Spürt Bucher keinen Nachfragerückgang als Folge der Finanzkrise?

Mosimann: Nein. Bis jetzt jedenfalls nicht. Das gilt sowohl für die Geschäftstätigkeit wie auch für die Projekte. In den ersten drei Monaten verzeichneten wir eine Umsatzzunahme von rund 20% gegenüber der Vorjahresperiode, und es sieht ganz so aus, dass am Ende des Geschäftsjahres ein deutliches Plus bleibt.

Wie wird sich Bucher im laufenden Geschäftsjahr entwickeln?

Mosimann: Gegenüber 2007 wird der Umsatz erneut höher liegen. Das Betriebs- und Konzernergebnis nach Steuern wird sich ebenfalls verbessern, wenn auch nicht im selben Ausmass wie im Jubiläumsjahr 2007 gegenüber 2006. Damals verzeichneten wir ein Rekordergebnis seit 200 Jahren.

Welche mittelfristigen Finanzziele verfolgen Sie?

Mosimann: Zunächst zum Return on Net Operating Assets, dem Ronoa: Die Rendite auf dem eingesetzten Kapital ist eine zentrale Messgrösse für uns und steuert den Cashflow. Das Ronoa-Ziel lag bis jetzt bei 14%. In den vergangenen Jahren haben wir diese Zielgrösse übertroffen. 2007 machte er 23,8% aus. Neu setzen wir das Ziel auf 16% hinauf ? immer auf mittelfristiger Basis betrachtet.

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Und wo soll die Ebit-Marge mittelfristig stehen?

Mosimann: Im vergangenen Jahr haben wir mit 9,3% erstmals das langjährige Ziel von 8% übertroffen. Trotzdem werden wir das bislang angestrebte Ziel von 8% jetzt nicht einfach wesentlich höher schrauben, sondern visieren ? im Schnitt ? einen mittelfristigen Wert von 9% an. Wir sind keine Ankündigungsminister und legen auch keinen Wert auf kurzfristige Reaktionen der Börsenentwicklung oder Schlagzeilen.

Ihre Kursentwicklung hat dazu geführt, dass sich die Analysten nach den guten Ergebnissen 2007 verblüfft die Augen gerieben haben. Wird sich dies 2008 wiederholen?

Mosimann: Die Ergebnisse sind 2007 tatsächlich besser ausgefallen als erwartet. Wir hatten aber auch konjunkturellen Rückenwind. Die jüngsten Erfolge sind die Früchte der Hausaufgaben, die wir in der Rezessionsphase gelöst haben. Wir geben uns Mühe, den Analysten sowohl die Chancen als auch die Risiken darzulegen. Zugegeben, nach aussen sind wir vorsichtig, intern wollen wir meistens mehr erreichen. Dies gelingt aber nicht immer.

Sie sagten einmal: «In guten Zeiten macht man die grössten Fehler.» Wieso?

Mosimann: Weil man dann Fett ansetzt und träge wird, die Zügel eher lockerer hält, nach dem Motto «Uns geht es ja gut». Wir haben im letzten Jahr mit rund 127 Mio Fr. massiv investiert ? in den Vorjahren lag dieser Wert bei 60 bis 80 Mio Fr. Und dieses Jahr wird das Investitionsvolumen etwa gleich hoch wie 2007 ausfallen.

Wo setzen Sie bei Ihren Investitionen die Schwerpunkte?

Mosimann: Das wichtigste Kriterium sind für uns Rationalisierungs- und Produktivitätssteigerungen ? diese Investitionen tätigen wir ungeachtet eines schlechten oder guten Konjunkturverlaufs. Einen weiteren Schwerpunkt legen wir bei unseren Überlegungen auf kundenspezifische Anlagen, die eine langfristige Kundenbindung ermöglichen. Schliesslich achten wir auf den rechtzeitigen Kapazitätsausbau.

Also Raum und Infrastrukturen «auf Halde»?

Mosimann: Man könnte es so nennen, aber es hat sich ? gerade angesichts des jüngsten Nachfragebooms ? bestens bewährt. Dabei prüfen wir diese Investitionen quartalsweise und passen sie den Konjunkturaussichten hoffentlich rechtzeitig an.

Erklären Sie das an einem konkreten Beispiel.

Mosimann: Für die Division Bucher Hydraulics, wo hydraulische Komponenten hergestellt werden, bauten wir 2001 in Frutigen eine grosse Halle, die eine Verdoppelung der Kapazität ermöglichte. Sie stand dann aber über ein Jahr praktisch leer. Dann kam der Aufschwung und wir waren gerüstet. Der Umsatz hat sich in der Zwischenzeit mehr als verdoppelt und 2007 erfolgte der gleiche Ausbau erneut.

Aber standen denn auch die Maschinen einfach so herum?

Mosimann: Die Infrastruktur stand bereit, die Ausrüstung mit Werkzeugmaschinen und Montageeinrichtungen wurde erst dann beschafft, als sich ihr Einsatzspektrum abzeichnete. Damit waren wir für den Aufschwung bestens vorbereitet. Wir sehen eine Wiederholung des Erfolgs in den kommenden Jahren.

Aufwärts gegangen ist es in allen Bucher-Divisionen. Besonders profitiert hat die Tochter Kuhn, die im boomenden Agrarbereich tätig ist. Hat diese positive Entwicklung Substanz?

Mosimann: Einstweilen ist kein Ende dieses Schubs abzusehen. Am Standort Saverne in den Elsässer Vogesen, dem Hauptproduktionsstandort für die Landtechnik der Bucher-Tochter Kuhn, werden derzeit hunderte von Maschinen pro Tag ausgeliefert. Die Landwirte profitieren von der gestiegenen Nachfrage und bekommen für ihre Produkte einen höheren Preis, aber sie bezahlen auch mehr für Diesel, Saatgut und Düngemittel. Aber netto betrachtet ist diese Bilanz immer noch deutlich positiv.

Stichwort Rohstoffe: Wie schwer fallen die Steigerungen in diesem Bereich für Bucher ins Gewicht?

Mosimann: Den Anstieg des Ölpreises spüren wir generell ? etwa bei unseren Transporten. Aber auch die Komponenten wie Pneus, die stark vom Ölpreis abhängen, werden immer teurer. Gleiches gilt für die in allen Sparten benötigte Energie sowie für Stahl. Neben dem hohen Stahlpreis ist die rechtzeitige Beschaffung eine zentrale Herausforderung. Was uns zusätzlich Sorge macht, ist, diesen Rohstoff zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität zu bekommen.

Insbesondere die letzten beiden Punkte hängen stark mit der Beziehungsqualität zu Ihren Zulieferern zusammen.

Mosimann: Wir achten strikt darauf, dass unsere Zulieferer in härteren Zeiten genau so gut gepflegt werden wie in Boomphasen. Das zahlt sich aus. Sie geben sich grosse Mühe, uns trotz Nachfrageüberhang nicht im Stich zu lassen. Von dieser Maxime werden wir nie abweichen.

Die Währungssituation ist im Vergleich zu früheren Jahren deutlich volatiler geworden. Ist dies auch ein Problem für Ihr Unternehmen?

Mosimann: Wir sind durch die Währungsrelationen gleich an einigen Fronten be-lastet ? im Dollarraum, im Euroland und in Grossbritannien.

Wie schätzen Sie den aktuellen Währungseffekt auf die Gesamtrechnung ein?

Mosimann: Letztes Jahr wirkte er sich beim Umsatz mit 4% positiv aus. Dieses Jahr dürften es insgesamt rund 5% sein, die negativ zu Buche schlagen. Bei Lieferungen aus der Schweiz und dem Euro- Raum in die USA oder nach England leiden aber die Margen stark. Aber angesichts des starken Umsatzwachstums können wir dies kompensieren.

Stehen wichtige Änderungen im Portfolio an?

Mosimann: Nein, wir haben keinen Verkauf einer Division vor, noch den Zukauf einer neuen Division. Unsere Strategie besteht darin, die bestehenden Divisionen zu stärken und die weltweite Technologie- und Marktführerschaft anzustreben.

Bucher ist ein Konglomerat, das gefällt manchen Investoren nicht.

Mosimann: Zunächst: Für mich ist und war das nie ein Schimpfwort. Der Erfolg unserer Strategie gibt uns Recht.

Nun könnte man ja einwenden, dass eine Konglomeratsstrategie vor allem dann erfolgreich ist, wenn die verschiedenen Divisionen Synergien nutzen können. Aber das lässt sich bei Bucher ? zumin- dest auf den ersten Blick ? nicht ausmachen.

Mosimann: Auf den ersten Blick, ja. Auf den zweiten aber bestehen sehr wohl Synergien. Die Divisionen sind miteinander industriell verwandt. Auch haben wir eine sehr gute Sicht auf unsere Märkte, sei es diejenige des Endherstellers oder diejenige des Lieferanten. Das ist ein entscheidender Vorteil.

Nennen Sie ein Beispiel.

Mosimann: Den Landmaschinen und Kehrmaschinenbereich sehen wir jeweils aus der Sicht des Endherstellers ? Kuhn Group und Bucher Municipal ? sowie des Zulieferers Bucher Hydraulics. Emhart Glass kennt die Getränkeverpackungsindustrie sehr gut, was uns hilft, die Marktdynamik bei Bucher Process für Wein- und Fruchtsaft besser zu beurteilen.