Auf den Kleinwagen A1 folgt jetzt in Audis Neuheitenprogramm 2010 das sportliche Schmuckstück A7, dies mit coupéhaftem Design und einem Heck, das nur im Ansatz erkennbar ist. Das Coupé ist nicht einfach die Weiterentwicklung eines bestehenden Modells, sondern öffnet in der Audi-Palette ein neues Segment. Die Marke folgt damit in erster Linie dem Erzrivalen Mercedes, der mit dem CLS schon vor Jahren ein viertüriges Luxusfahrzeug mit ähnlicher Designlinie geschaffen hat. Mercedes wird in Kürze die zweite Generation des CLS auflegen; und auch BMW hat bekannt gegeben, mit dem Grand Coupé der Sechser-Reihe in dieses Segment einsteigen zu wollen. Aus dem noblen deutschen Trio hat Jaguar inzwischen ein Quartett gemacht.

Hohe Erwartungen an den Markt

Trotz der sich abzeichnenden harten Konkurrenz gibt sich Audi ausgesprochen selbstbewusst. Entsprechend hoch sind die Erwartungen auch für den Schweizer Markt. Ernesto Larghi, Audi-Markenchef Schweiz beim Importeur Amag, rechnet mit einem Absatz von gegen 1000 Einheiten für ein volles Jahr. Das ist beachtlich und ambitiös für einen Vertreter der Oberklasse. Larghi gibt sich auch deshalb so zuversichtlich, «weil es sich beim A7 Sportback nicht nur um ein sehr elegantes, qualitativ hochwertiges Auto handelt, sondern weil auch die Designer neue Wege gegangen sind».

Der Auftritt des A7 gibt und gab zu reden. Allein der Ort der Premiere, die Pinakothek der Moderne in München, war Programm. Rupert Stadler, der als Vorstandschef der VW-Tochter hartnäckig das Ziel verfolgt, mit Audi die führende Marke im Oberklassesegment zu werden, wies mit Nachdruck auf das Engagement seines Unternehmens im Kulturbereich hin. Das verpflichte. Deshalb sei der A7 mit seiner «ästhetischen Form und seinem hochwertigen Interieur eine Fortsetzung des Engagements der Marke im Kulturbereich». Stadler weiter: «Wir haben für Audi eine Ikone geschaffen. Der A7 ist ein Diamant mit einem besonderen Schliff.»

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Gefahr der Kannibalisierung

Aber dass es keineswegs nur um schöne Künste geht, Automanager mitnichten in erster Linie Schöngeister sind, machte Stadler ebenfalls unverhohlen klar: «Wir eröffnen mit dem A7 ein neues Segment. Der Sportback ist ein Auto der Luxusklasse und ein schöner Meilenstein auf unserem Weg an die Spitze.» BMW und Mercedes werden diese Botschaft sicher verstanden haben.

Es wird interessant sein, ob und wie weit sich die Strategie von Audi realisieren lässt. Denn es liegen, trotz aller Zuversicht, einige Steine auf dem Weg zur Spitze. Beispielsweise besteht die Gefahr der Kannibalisierung im eigenen Haus, weil der im Vergleich zum Markenflaggschiff A8 etwas kompaktere, preisgünstigere und dank seines Designs moderner wirkende A7 dem grossen Bruder Anteile abspenstig machen könnte. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Volumen.

Die Gefahr der Kannibalisierung besteht auch deshalb, weil der A7 dem A8 in Sachen Ausrüstung keineswegs nachsteht. Wahlweise Front- und Allradantrieb sind sowieso Standard, ebenso die Alubauweise in Kombination mit hochfesten Stählen, was den Wagen deutlich leichter macht als vergleichbare Modelle. Und Platz ist auch mehr als genug vorhanden. Zur Serienausstattung gehört ferner eine Start-Stopp-Automatik, was sich positiv auf den Verbrauch auswirkt. Hinzu kommt eine Reihe von Optionen aus dem Hightech-Bereich (siehe Kasten).

Damit wächst dem Flaggschiff A8 im eigenen Haus ein ernst zu nehmender Konkurrent heran. Absehbar ist, dass der A8 dort nachgerüstet wird, wo es mit Blick auf den A7 nötig ist. Ob damit die Kannibalisierung verhindert werden kann, darüber wird der Markt sein Verdikt fällen.

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