Schnapp den Dollar!» nennt sich das Spiel auf der Internetseite eines Zuger Devisenhändlers, sagenhafte Jahresrenditen von 10 bis 15% und Handel mit dem Mehrfachen des eingesetzten Kapitals verspricht ein anderer. Mit dem Ruf: «Mit mir vervielfachen Sie Ihr Geld Jahr für Jahr – unabhängig von der Börse», lockt ein weiterer Anbieter Anleger, die auf der Suche nach schnellen Gewinnen sind.

Wo mit derart grosser Kelle angerichtet wird, sind in der Regel zwielichtige Figuren nicht fern. Meldungen, dass rund 1800 Kunden vor wenigen Jahren beim Konkurs der Devisenhandelsfirmen World Financial Services und PP Finanz zwischen 80 und 100 Mio Fr. verloren haben sollen, sind zwar nicht an der Tagesordnung. Doch beklagten sich in jüngster Zeit bei der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) immer mehr Kleinanleger über das Geschäftsgebaren von sogenannten Kunden-Devisenhändlern und über hohe Verluste, fehlende Transparenz und die mangelnde Risikoaufklärung, wie EBK-Sprecher Alain Bichsel gegenüber der «Handelszeitung» erklärt.

Bankenlizenz nötig

Die gestiegene Zahl von Klagen war für das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) und die EBK Grund genug, ein langwieriges Kapitel endlich abzuschliessen – die Regulierung des Devisenhandels. Seit dem 1. April 2008 untersteht der Devisenhandel vollständig der Aufsicht der EBK. Wer als Kunden-Devisenhändler sein Geschäft weiterführen will, muss innert Jahresfrist ein Gesuch um eine Bankenlizenz einreichen.

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Das Bankengesetz verbietet seit 1994 Nichtbanken, gewerbsmässig von Kunden Geld entgegenzunehmen. Der Gesetzgeber machte jedoch eine Ausnahme für den selbstständigen Devisenhandel, weil dieser zu jener Zeit «aufsichtsrechtlich unbedeutend» war.

Das änderte sich jedoch mit dem Internet, das die Möglichkeit bot, mit verhältnismässig geringem finanziellem Aufwand die notwendigen Handelsplattformen zu erwerben und zu betreiben. Trotz dieser Entwicklung überlebte der unregulierte Devisenhandel die generelle Verstärkung der prudentiellen Aufsicht, welche in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt in der Schweizer Finanzmarktpolitik darstellte (Geldwäschereigesetz, Revisionsaufsichtsgesetz, Finanzmarktaufsichtsgesetz).

Mit dem Eigenleben ist nun Schluss. Die EBK rechnet damit, «dass die Unterstellung der Devisenhändler unter das Bankengesetz zu Gewichtsverlagerungen und Umstrukturierungen führen wird, die jedoch die Attraktivität und Reputation des Finanzplatzes Schweiz stärken».

Verunsicherte Devisenhändler

Bei den Betroffenen sorgt die Neuerung vorerst mal für Verunsicherung. Viele selbstständige Devisenhändler klären derzeit ihren Status ab, «meistens durch ihre Revisionsstellen», wie EBK-Sprecher Bichsel sagt. Adrian Spörri, Präsident des Devisenhandels-Verbandes und Inhaber der FX-Consulting in Zürich, hat bei der EBK die notwendigen Unterlagen eingereicht, um zu prüfen, ob er sein Geschäft in der heutigen Form weiterführen könne. «Ich weiss es nicht», sagt er, obwohl sein Unternehmen keine Kundengelder entgegennehme, sondern das kommerzielle Devisengeschäft betreibe.

Wegen der Kosten (Aktivkapital von 10 Mio Fr.) und des administrativen Aufwands kommt für Spörri eine Banklizenz nicht in Frage. Die EBK rechnet «nur mit einer Handvoll Devisenhändlern, welche willens und fähig sein werden, die Bewilligungsvoraussetzungen als Bank zu erfüllen». Derzeit gibt es in der Schweiz etwa 30 Kunden-Devisenhändler bei ingesamt rund 150 im Devisenhandel tätigen Finanzintermediären.

Gerade weil die Neuregelung dazu führe, dass auch viele selbstständige Devisenhändler, denen man keine Missbräuche und keine Vernachlässigung von Kundeninteressen vorwerfen könne, ihre Tätigkeit aufgeben müssten, hält die Schweizerische Bankiervereinigung diese für unverhältnismässig. Sie plädierte deshalb in der Anhörung für eine «massvolle und massgeschneiderte Lösung». Vergeblich.