Die Finanzmarktkrise an sich hat bisher in Griechenland nur geringe Spuren hinterlassen. Einheimische Banken hatten kaum faule Kreditpapiere in den Büchern und waren gut kapitalisiert. Nun ist aber immer mehr auch die reale Wirtschaft betroffen. Für Paul Koller, den Schweizer Botschafter in Athen, drohen sich jetzt gewisse strukturelle Schwächen, wie das Budgetdefizit und die relativ niedrige Wettbewerbsfähigkeit, negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auszuwirken.

Der Spielraum für Ankurbelungsmassnahmen ist eingeschränkt, aber die Regierung versucht mit einem 28-Mrd-Paket - insbesondere zur Stützung der Kreditwirtschaft - Gegensteuer zu geben. Auch hat die Mitgliedschaft in der Eurozone den Schock zweifelsohne abgedämpft. Dafür bekommt Griechenland das hohe Leistungsbilanzdefizit in Form von Zinsaufschlägen an den Kapitalmärkten unliebsam zu spüren.

Mehr Schweizer Touristen

Abzuwarten bleibt, wie das Ferienland am Mittelmeer von der globalen Wirtschaftsabkühlung betroffen wird. Seit den Olympischen Sommerspielen 2004 ist es in der Schlüsselbranche Tourismus ständig aufwärts gegangen. Das äussert sich auch in der Zahl der Schweizer Gäste, die im letzten Jahr bei über 300000 lag. Botschafter Koller führt dies auf die qualitativ gute Infrastruktur, sichere Ferienorte und eine geordnete, nicht überlastete Siedelungspolitik zurück. Bereits im vergangenen Halbjahr gab es insgesamt aber eine leichte Abschwächung bei der Zahl einreisender Touristen. Billigdestinationen, wie die Türkei oder Kroatien haben Griechenland teilweise das Wasser abgegraben. Will sich das EU-Mitglied in der Wirtschaftskrise gegenüber der Konkurrenz behaupten, sind nebst intensivierten Promotionsmassnahmen auch Konzessionen beim Preis zu erwarten.

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Begehrt sind für Schweizer weiterhin auch Altersresidenzen speziell auf den griechischen Inseln. Der Immobilienbesitz hat mit dem Entstehen von neuen Resorts deutlich zugenommen. Viele Projekte kommen wegen vielfältigen administrativen Vorschriften und Auflagen allerdings nur schleppend voran. Trotzdem ist die Mittelmeernation dank eines gesunden Wachstums für die Weltwirtschaft gesamthaft immer interessanter geworden. Zwischen 2004 bis 2007 haben sich die schweizerischen Direktinvestitionen von gut 100 Mio Fr. auf über 800 Mio Fr. jährlich erhöht. Der Kapitalbestand erreichte Ende 2007 somit über 4 Mrd Fr. Die pharmazeutische Industrie und andere Schweizer Traditionsfirmen werden sicher auch in der Krise ihr Engagement in Griechenland aufrechterhalten. Daneben hat jüngst ebenfalls die junge Schweizer Internetfirma Ricardo auf dem griechischen Markt einen Stützpunkt aufgebaut.

Die stärkere Verflechtung zwischen den beiden Ländern spiegelt sich auch in einer helvetischen Kolonie, die mit rund 3800 Schweizern und griechisch-schweizerischen Doppelbürgern auf dem ganzen Archipel verteilt ist.

Reger Güterverkehr

Der Handelsaustausch gestaltet sich jedoch ziemlich einseitig (siehe Tabelle). Der Schweizer Exportüberschuss ist erneut gestiegen. Auffällig sind vor allem die gesamthaft rückläufigen griechischen Ausfuhren, obwohl sich bei den landwirtschaftlichen Produkten, dem wichtigsten Exportgut, eine deutliche Steigerung ergab. Dafür waren die Textilienausfuhren aufgrund der verschärften globalen Konkurrenzsituation klar rückläufig. Die griechischen Importe aus der Schweiz entfallen zu knapp 60% auf pharmazeutische Erzeugnisse, die erneut einen Anstieg verzeichneten. Deutlich zugelegt haben nebst den Medikamenten auch die Uhrmacherwaren.

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Im «bilateralen» Bereich ist das Schengen-Abkommen mit der EU betreffend den Personenverkehr Anfang Dezember in Kraft getreten. Auf den Schweizer Flughäfen wird es ab Ende März 2009, mit Beginn des Sommer-Flugplans, konkret umgesetzt. Demgemäss werden ebenso für Griechenland vereinfachte Einreiseformalitäten gelten. Nochmals etwas verringern dürfte sich für die Schweizer Botschaft auch der administrative Aufwand bei der Visa-Erteilung, welche in Griechenland allerdings schon seit langem nur hier wohnhafte Personen aus gewissen Drittstaaten betrifft.

Imagewerbung

Die Fussball-Europameisterschaft Euro 08 in der Schweiz und Österreich hat die griechischen Sportfans massenweise in den Alpenraum gelockt. Die beiden Austragungsländer haben den Grossanlass für eine gezielte Imagekampagne in wichtigen Zielmärkten genutzt. Von der Schweizer Botschaft wurde in enger Zusammenarbeit mit den österreichischen Kollegen eine Public-Viewing Zone im Athener Olympiastadium organisiert, die auch als wichtige Anlaufstelle für wirtschaftliche Kontakte zwischen den zwei Ländern diente. Erfreulich war für Botschafter Koller, wie grosszügig sich die Sponsoren aus der Wirtschaft gegenüber diesem Event zeigten.

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Im laufenden Jahr geht es etwas ruhiger zu: Die Schweiz wird bei der «Fête de la Francophonie» am 20. März in Athen vertreten sein. Zudem laufen die Vorbereitungen für einen Henry-Dunant-Anlass im kommenden Herbst. Vorgehen ist die Präsentation eines Filmes über den Gründer des Roten Kreuzes, verknüpft mit einer Ausstellung und Konferenzen. Geplant sind ausserdem ein Besuch des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann, Beteiligungen an Ausstellungen (Thessaloniki) und eine Reihe kleinerer Veranstaltungen.