Die Globalisierung und die damit verbundene weltweite Güterverflechtung zählen zu den Megatrends der heutigen Zeit. Arbeitsteiliges Wirtschaften führt zu einer wachsenden Vernetzung und stellt somit immer grössere Herausforderungen an die Logistik. Transitländer wie die Schweiz als europäische Drehscheibe sind von der rasanten Zunahme der Gütertransportleistung besonders betroffen. Die Logistik stellt deshalb einen entscheidenden Faktor für die schweizerische Volkswirtschaft dar.

Trotz der hohen Relevanz für Wirtschaft und Politik galt der Schweizer Logistikmarkt bis vor wenigen Jahren im Vergleich zu anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, als eher intransparent. Deshalb wurde im Jahr 2007 ein Konsortium aus Wirtschaftspartnern und Förderern gebildet, welches in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen (LOG-HSG) unter der Leitung von Professor Wolfgang Stölzle und GS1 Schweiz die 1. Auflage der Logistikmarkt-Studie erstellte.

Die soeben erschienene 4. Auflage der Studie quantifiziert, wie auch ihre Vorgängerinnen, unter anderem die Entwicklung des schweizerischen Logistikmarktes anhand eines Gesamtmarktvolumens und anderer Kennzahlen wie den Mitarbeiterbestand in logistikrelevanten Berufen.

Das Logistikmarktvolumen war in den Jahren von stetigem Wachstum gekennzeichnet und stieg in den Jahren 2006 bis 2008 um zirka 13 Prozent auf einen Höchstwert von 35,7 Milliarden Franken im Jahr 2008. Im Jahr 2009 sank das Volumen um 3,4 Prozent auf aktuell 34,5 Milliarden Franken. Auch die Mitarbeiterzahlen stiegen über die Jahre 2006-2008 stetig an und erreichten 2008 einen Höchststand von 168 900. Zwar fällt der Rückgang der Beschäftigten in logistikrelevanten Berufen auf 165 850 prozentual gesehen geringer aus (1,9 Prozent), er zeigt aber auch deutlich den Einfluss der Wirtschafts- und Finanzkrise. Auch der Schweizer Logistikmarkt wurde hart getroffen. Derzeit allerdings blickt die Branche wieder verhalten optimistisch in die Zukunft.

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Die wichtigsten Player

Einen weiteren Schwerpunkt der Logistikmarkt-Studie stellt seit der 3. Auflage die Befragung von Schweizer Unternehmen zur Identifikation der 100 umsatzstärksten Logistikdienstleister der Schweiz dar. Darüber hinaus ist die Logistikmarkt-Studie 2011 um weitere wichtige Themen erweitert worden. So wurde auch die aktuell stark im Medienfokus stehende Luftfracht erstmalig einer kapazitätsorientierten Betrachtung unterzogen, um Auslastungen und zukünftige Potenziale des Verkehrsträgers Flugzeug abzuschätzen und Vergleiche mit den Verkehrsträgern Strasse und Schiene zu ziehen. Auch die ausführliche Analyse des Kombinierten Verkehrs (KV) Strasse/Schiene hält zum ersten Mal Einzug in der Logistikmarkt-Studie. Eine Übersicht über die im Zuge dieser Studie betrachteten KV-Terminals der Schweiz sowie den Verlauf des EMRTS-Korridors zeigt, dass die KV-Infrastruktur in den Grossregionen oftmals stark unterschiedlich entwickelt ist. Entscheidend für die Standortwahl von Terminals ist dabei unter anderem die Grenznähe, da zu einem grossen Teil Transitverkehre über den Kombiverkehr abgewickelt werden, welche die Schweiz auf der Schiene durchqueren. Eine funktionierende, leistungsstarke KV-Infrastruktur stellt vor allem im Hinblick auf das steigende gesamteuropäische Nord-Süd-Güteraufkommen in Zukunft ein entscheidendes Asset für ein Wachstum des Logistikmarktes Schweiz dar.

Logistik-Geographie

Neu in dieser Auflage ist auch die Betrachtung der geographischen Verteilung verschiedener Branchen in der Schweiz aus Sicht der Logistik. Der Fokus liegt dabei auf der Abbildung der aktuellen Verteilung sowie der erwarteten zukünftigen Entwicklung der Industriezweige, um so indirekt eine Antwort auf die Frage zu finden, in welchen Teilen der Schweiz die für die jeweilige Branche charakteristischen Logistikleistungen jetzt und in Zukunft nachgefragt werden.

Einen weiteren Schwerpunkt der 4. Auflage stellt die Analyse der Logistikkosten bei verladenden Industrie- und Handelsunternehmen sowie der Umsätze bei den Logistikdienstleistern dar. So ist beispielsweise in den vergangenen Jahrzehnten der Kostendruck bei Verladern extrem gestiegen. Das hat zur Konsequenz, dass kontinuierlich nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, zusätzliche Effizienzsteigerungspotenziale zu identifizieren und auszuschöpfen. Aus diesem Grund sind neben den traditionellen Bereichen wie Einkauf, Produktion und Vertrieb immer mehr die zur Abwicklung der betrieblichen Abläufe durchgeführten Logistikleistungen wie Transport, Umschlag und Lagerung in den Fokus geraten. Gerade in Zeiten zunehmender Globalisierung und damit räumlich verteilter Wertschöpfungsketten und -netzwerke sind derartige Logistikaktivitäten oftmals als erhebliche Kostentreiber anzusehen und bergen dementsprechend hohe Optimierungspotenziale. Dieses zunehmende Effizienzstreben der Industrie- und Handelsunternehmen hat dabei direkte Auswirkungen auf die Branche der Logistikdienstleister, da der Kostendruck an diese weiter-gegeben wird.

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