Nicole Loeb Furrer, Delegierte des Verwaltungsrates, äussert sich beinahe wie ein Immobilienprofi, wenn sie ein erstes Geheimnis der Erfolgsgeschichte der Berner Warenhausfamilie Loeb benennt: «Den Standort und die Lage.» Wer im Bahnhof Richtung Bundeshaus oder zur Einkaufsstrasse Spitalgasse geht, stösst neu schon unterirdisch auf einen Loeb-Eingang. Oben befindet sich der bekannte «Loeb-Egge» - nicht nur vom Berner Chansonnier Mani Matter in Verse verpackt. Auch wenn diese Ecke nach dem Umbau nicht mehr so prominent daherkommt, bleibt sie ein zentraler Treffpunkt in Bern.

Ein weiteres Aushängeschild sind die mit Kreativität gestalteten Schaufenster. «Schau» leitet sich dabei von Schauen ab, denn immer wieder werden mit Aktionen in den Fenstern oder besonderen Dekorationen weit mehr als nur Waren aller Art zur Schau gestellt. «Als Erlebnishaus wollen wir dort auch immer wieder Geschichten erzählen.» Das gelte vor Weihnachten ganz besonders.

Aber auch sonst werde nicht aus Kostengründen auf die aufwendigen Schaufenster verzichtet, so Loeb Furrer. Einkaufen im Warenhaus bleibt ein saisonal stark schwankendes Geschäft. Das vermag Loeb mit dem Ausbau des Textilbereiches nur teilweise aufzufangen. Es ist auch nicht geplant, in den Filialen eigene Lebensmittelabteilungen aufzubauen.

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Leute immer wieder überraschen

Wohl zu Recht, denn Loeb bewegt sich mit insgesamt 16 000 m2 Fläche als kleine Gruppe in einem hart umkämpften Markt. Mit der Konzentration auf die Region Bern (Hauptsitz, Filialen in Bethlehem, und Schönbühl sowie das Musikhaus Krompholz) plus Biel und Thun mit Vollsortiment sowie Solothurn als «Outlet» wurde die Kostenstruktur verbessert.

«Als kleiner Anbieter arbeiten wir manchmal flexibler und können neue lokale Entwicklungen rascher erkennen.» Das erlaube auch von kleineren Lieferanten zu beziehen, die andernorts gar nicht berücksichtigt würden. «So können wir die Leute immer wieder mit Neuerungen überraschen.» Zur Erlebnispflege gehören neu Themenabende, die unter Loeb-Leitung ausgeschrieben werden: Essen wie auf dem Schiff - nur ohne Schaukeln - oder Kochabend eines CEO sind erste Beispiele.

Die hohen Frequenzen überzeugen bekannte Marken im Textilbereich, aber auch Spezialisten für Käse oder Bücher, einen Berner Standort im Loeb aufzubauen. Inzwischen tragen die Mieter einen grossen Anteil zum Gesamtumsatz bei - Tendenz steigend. «Da lässt sich nicht vermeiden, dass sich das Image von Loeb und den Einmietern manchmal vermischt», meint Nicole Loeb Furrer. Um den hohen Standard zu halten, kümmere sich seit kurzem eine Person gezielt um die Partner und ihren Verkaufsauftritt. Das ist wichtig, denn Loeb pflegt Beratungsqualität sowie freundliches Auftreten der oft langjährigen Mitarbeiterinnen sehr.

Die Vielfalt unter einem Dach teilt Loeb mit Einkaufszentren auf der grünen Wiese oder dem vor gut einem Jahr eröffneten Westside im Berner Aussenquartier Bümpliz. «Darauf spricht die Kundschaft überall an. Aber bei Loeb beginnt gleich die ganze Innenstadt mit ihren Lauben», fasst sie den Charme und Vorteil des in Sandstein gebauten Weltkulturerbes Bern aus Kauffrausicht zusammen. Das bringe Loeb eine grosse Stammkundschaft. Seit dem Umbau, der bewusst den Rahmen für eine jüngere Kundschaft geschaffen hat, vermeldet Loeb steigende Umsätze. Die Warenhausfamilie - seit vier Jahren steht Nicole Loeb Furrer an der Spitze - investierte allein seit 2006 über 60 Mio Fr. in die Erneuerung des Haupthauses und in die übrigen Filialen.

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Partizipanten weiterhin pflegen

Auch wenn Loeb bald als Rarität mit Partizipationsscheinen (PS) am Kapitalmarkt auftritt, steht gemäss Loeb Furrer eine Dekotierung nicht zur Diskussion. 1987 eingeführt, trage das PS-Kapital von 1,6 Mio Fr. zum hohen Eigenkapitalanteil bei. «Noch wichtiger ist der Austausch mit den vielen in der Region Bern ansässigen Partizipanten.» So fiel nach dem Verlust in der letzten Jahresrechnung per 31. Januar 2009 die Dividende aus, nicht aber 3 Fr. Nennwertrückzahlung und die Jahresversammlung: Eine exklusive Vorstellung für die Partizipanten im Zirkus Knie.

Trotz Umbau blieb die anerkannte Galerie erhalten. «Die Gelegenheit, ein Treppenhaus zu gestalten und Werke einer grossen Zahl von Leuten zu zeigen und zu verkaufen, begeistert immer wieder junge Künstler.» Loeb als Unternehmen kauft jeweils ein oder zwei Werke. Das fast unbezahlbare Aktivum der Familie ist das Warenhaus an bester Lage in Bern. Dennoch bleibt Nicole Loeb Furrer eine Warenhaus-Unternehmerin: «Jetzt haben wir radikal umgebaut, modern aus Kundensicht und zugleich für die nächsten 50 Jahre aus der Optik Immobilienanlage. Das erneuerte Gebäude bietet uns wieder den Platz, um uns den Veränderungen des Marktes anzupassen und um attraktiv zu bleiben.»

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