Nach 25 Jahren bei der Post hat Jürg Bucher den obersten Posten beim gelben Riesen erklommen: Er wurde Mitte Dezember überraschend CEO (siehe auch Artikel links). Seine bisherige Aufgabe, die Leitung der PostFinance, wird der 62-Jährige neben der Konzernleitung weiterführen. Während die PostFinance floriert, muss sich Konzernchef Bucher nun im Kerngeschäft - die klassische Briefpost - mit dem Schrumpfungsprozess befassen. Hier sinkt das Volumen jedes Jahr um rund 5%. Noch können andere, neue Geschäftsfelder diesen Rückgang nicht kompensieren. Ergo wird Bucher trotz den hehren Wachstumszielen sparen müssen. Das Kunststück, das er bei den Übungen bewältigen muss, ist, diese so sozialverträglich wie möglich zu vollziehen.

Doch an vielen liebgewonnen Gewohnheiten möchten gerade die privaten Postkunden schlicht und einfach festhalten - mitunter gegen jegliche ökonomische Vernunft: Dass es gleich um die Ecke eine Poststelle gibt etwa, dass man dort Bargeld einzahlen kann oder dass die Briefe schon vor dem Mittag im Briefkasten liegen. Schraubt Bucher in diesen Bereichen an den Leistungen, ist ihm ein Sturm der Entrüstung sicher. So wie kurz vor Weihnachten, als der Konzern bekanntgab, von 100 überprüften Poststellen würden nur 30 in ihrer heutigen Form überleben.

Alle 14 Tage Sitzung mit Béglé

Wie Bucher den Spagat zwischen Wachstum im Ausland und Sparübungen im Inland vollziehen wird, darüber tauscht er sich künftig alle zwei Wochen mit Béglé in einer halbtägigen Sitzung aus. Bei seinem Amtsantritt im Dezember sprach Bucher bezüglich seiner neuen Aufgabe von einem «magischen Viereck», dessen Prinzipien es auszubalancieren gelte: Dienstleistungsunternehmen, neue Wachstumsquellen, Kostensenkung und konkurrenzfähige Preise.

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Daneben steht für Bucher aber auch bei seinem angestammten Geschäft, der PostFinance, in diesem Jahr einiges an. PostFinance soll in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft ausgegliedert werden, an der die Post die Mehrheit halten muss. PostFinance soll zudem, wie Banken und Versicherungen, der Finanzmarktaufsicht unterstellt werden.

Kredite kann PostFinance bis anhin jedoch nur in Zusammenarbeit mit einer Bank (derzeit Valiant) gewähren; selber verfügt sie über keine Banklizenz. Einmal mehr zeigte die Politik für Buchers alte Forderung kein Gehör. Es ist unwahrscheinlich, dass er bis zu seiner Pensionierung in drei Jahren hier noch einen Meinungsumschwung bewirken kann.

Eins aber will Bucher erreichen: Der Post eine neue Organisationsstruktur geben. Um sie dann, in einem möglichst guten Zustand, seinem Nachfolger übergeben zu können.