Mit 86 ist man zwar betagt, aber dieses ansehnliche Alter ist in der Uhrenbranche beileibe kein Nachteil. Vor allem dann, wenn man, wie Carl F. Bucherer (CFB), auf eine bewegte und reiche Vergangenheit im Dienste präziser Zeitmessung zurückblicken kann.

2005 traf das Management des Luzerner Traditionsunternehmens im Alleinbesitz von Jörg G. Bucherer die weitreichende Entscheidung, der damals 86-jährigen Geschichte eigener Zeitmesser durch das erste selbst entwickelte und gefertigte Kaliber eine adäquate Krone aufzusetzen. Reine Generika existenter Uhrwerke standen dabei von Anbeginn niemals zur Debatte. Im Zentrum des neuen Kapitels der ohnehin schon prall gefüllten Annalen sollte etwas völlig Aussergewöhnliches stehen - ein Automatikwerk, gespickt mit einzigartigen Konstruktionsmerkmalen.

Partner wurde zur Tochterfirma

Bei dessen Konstruktion konnte Carl F. Bucherer auf den breiten Erfahrungsschatz des langjährigen Kooperationspartners Techniques Horlogèrs Appliquées SA (THA) in Ste. Croix bauen, der im Zuge dieses Projekts am 1. Juli 2007 unter das Luzerner Firmendach schlüpfte und seitdem als Carl F. Bucherer Technologies firmiert.

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Zum Aufgabenspektrum des Newcomers im Unternehmensverbund gehört unter anderem auch die Entwicklung interessanter Technikmodule mit herausragenden Funktionsmerkmalen. Einige davon werden künftig mit dem exklusiven, 2008 als Prototyp vorgestellten Kaliber CFB A 1000 zusammenspielen. Das essenzielle Wesensmerkmal des nun serienreifen Automatikkalibers besteht in einer inhärenten Synthese aus konventionellen Elementen, wie beispielsweise klassische Schweizer Ankerhemmung und traditionelles Räderwerk, und innovativen Faktoren, wie ein progressives Kaliberdesign, welches die Brücken, die Kloben und das Schwingsystem trotz Rotoraufzug zeigt.

Ein innovativer «Aussenläufer»

Das Konzept umfasst eine nicht ganz neu-, aber dennoch andersartige Ausgestaltung des Selbstaufzugs. Die Techniker und Uhrmacher haben sich konsequent von Zentral- und Mikrorotor abgewandt und dem CFB A 1000 eine technisch ungemein anspruchsvolle und daher rare Schwungmasse beschert, welche das gesamte Uhrwerk an seiner Peripherie umrundet. Beim «Aussenläufer» mussten die CFB-Tüftler vieles, wenn nicht gar alles mit anderen Augen betrachten und realisieren.

Die Lagerung des patentierten Rotors erfolgt mit Hilfe von DLC (diamond like carbon)-beschichteten Rollen. Ausgeklügelte Federarme bewirken ihre exakte Positionierung. Hinzu gesellt sich ferner eine dynamische Stosssicherung, die in allen Lebenslagen wirkt. Radiale Auslenkungen der Schwungmasse fangen die Brückenwände ab. Spezialschrauben begrenzen das axiale Spiel.

Die kinetische Energie der Schwungmasse reicht ein stossgesichertes Übertragungsrad an den für 55 Stunden Gangautonomie ausgelegten Federspeicher weiter. Zwei intelligent konstruierte Kupplungsräder polarisieren die Rotorbewegungen.

Das Schwing- und Hemmungssystem, Frequenz 3 Hertz, besticht durch eine ausgeklügelte Feinregulierung mit zentralem Steuerelement, das nur einer einmaligen Justage bedarf.

Die dekorative Seite des CFB A 1000 bewegt sich beinahe selbstverständlich auf gleich hohem Niveau wie die technische.

Die passende Uhr zum Kaliber

Als es darum ging, dem neuen Uhrwerk einen passenden Rahmen zu verpassen, gab es für Thomas Morf, den CEO, nur eine Entscheidung. Und die lautete: «Patravi». Der unangefochtene Markenleader bietet sich gleich aus mehreren Gründen an: Das Gehäuse mit schwungvollen Bandanstössen und augenfälligem Flankenschutz für die Krone verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert. Und es eignet sich zur Deklination in unterschiedliche Formen. Das belegen die runde wie die tonneauförmige Patravi.

Die CFB A 1000 Automatik war den Produktgestaltern eine neue, weil kissenförmige Variante wert. Das Ensemble mit Kleinem Sekundenzeiger bei der 6, Wochentagsanzeige bei der 9 und halb springend ausgeführtem Grossdatum im linken oberen Zifferblatt-Quadranten nennt sich Patravi Evotec.

Für die beiden kalendarischen Zusatzfunktionen ist ein Modul unter dem Zifferblatt zuständig. Damit die Zeiger für Stunden und Minuten das Ablesen möglichst wenig stören, wurden sie bestmöglich durchbrochen. Der breite, kautschukbezogene Rand des Saphirglases zeigt sich gegen Kratzer weitgehend resistent. Die Rückseite des Edelstahlgehäuses verfügt ebenfalls über ein Saphirglas, denn das neue CFB-A-1000-Uhrwerk darf unter keinen Umständen im Verborgenen blühen.

 

 

NACHGEFRAGT


«Unsicherheit ist ein schlechter Ratgeber»

Thomas Morf ist CEO der C. F. Bucherer, Luzern.

Sie sind vor wenigen Tagen aus Asien zurückgekehrt. Wie ist in dieser für unsere Uhrenindustrie absatzstarken Region die Stimmung im Handel?

Thomas Morf: Die Stimmung ist von Unsicherheit geprägt. Unsicherheit ist grundsätzlich immer ein schlechter Ratgeber. Man weiss nicht, wie lange die Krise dauern wird. Dies sind alles Faktoren, die eine Stimmung wesentlich beeinflussen. Zudem haben Asiaten im Gegensatz zu uns Europäern ihr privates Vermögen viel stärker in Aktien und Liegenschaften investiert.

Was bringt 2009 der schweizerischen Uhrenindustrie?

Morf: Es wird ein Jahr der Konsolidierung und Bereinigung sein. «The sky is the limit» hat sich wieder einmal als unrealistisch herausgestellt. Viele Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell nicht auf Substanz und Nachhaltigkeit ausgelegt haben, werden Probleme bekommen.