Seit der Einführung der ersten Pet-Flasche in der Schweiz im Jahr 1984 haben sich die Rahmenbedingungen stark verändert: Der Erdölpreis und damit auch der Preis für den aus Erdöl hergestellten Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) sind seitdem dramatisch angestiegen. Kostendruck, und daraus resultierend die Bemühungen, Energie sowie Material einzusparen bzw. die Nachhaltigkeit des Materials sicherzustellen, sind deshalb Themen, welche die Branche beschäftigen.

Immer leichter

Um den Materialverbrauch pro Flasche zu senken und damit die hohen Pet-Rohstoffpreise zu kompensieren, wurden die Pet-Flaschen in den letzten Jahren immer leichter. Diese so genannten «Light-Weighting-Bottels» wurden vor allem durch immer dünner werdende Flaschenwände realisiert.

Doch mittlerweile sind die Flaschen derart «abgespeckt», dass eine weitere Wandstärkenreduzierung nicht möglich ist: Noch dünnwandigere Flaschen würden nicht mehr genügend Stabilität aufweisen und damit auch den automatischen Abfüll- und Etikettierprozess und das gesamte Handling sowie die Präsentation im Regal negativ beeinträchtigen.

Es gibt jedoch noch Entwicklungen, mit denen sich Material und Kosten bei Pet-Getränkeflaschen sparen lassen. Eine davon kommt aus der Schweiz: Die Corvaglia Closures in Eschlikon hat ein neues Kurzgewinde für Pet-Flaschen und die dazu passenden Schraubverschlüsse entwickelt. Dadurch wird Material am Flaschenhals und am Gewinde eingespart. Zum Vergleich: Das normale, genormte Pet-Flaschengewinde hat ein Gewicht von rund 5,10 g, das neue Kurzgewinde mit der Bezeichnung PCO Corvaglia wiegt dagegen nur 3,62 g, wie Thomas Anderegg, CEO der Corvaglia Closures, im Rahmen des Kongresses «PETnology Europe» erklärte.

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Ein weiterer Vorteil, den diese Reduktion des Flaschenhalses mit sich bringt und der vor dem Hintergrund des hohen (und wahrscheinlich noch weiter steigenden) Erdölpreises besonders interessant ist, ist folgender: Die kurzen Gewinde erfordern auch neue Schraubverschlüsse, für deren Herstellung ebenfalls weniger Kunststoff verbraucht wird. «Vor allem über die gemeinsame Betrachtung von Flasche und Verschluss ist das beste Resultat bei der Gewichts- und somit Kostenreduktion zu erreichen», sagt Anderegg und stellt klar, dass durch das neue Kurzgewinde und die passenden Verschlüsse von Corvaglia keine Abstriche in der Leistungsfähigkeit des Systems gemacht werden müssen.

Dass die Entwicklungen des Schweizer Unternehmens nicht nur theoretisch funktionieren, sondern auch markttauglich sind, zeigt die Einführung eines Corvaglia-Leicht-Verschlusses auf dem amerikanischen Markt für Pet-Flaschen mit stillen Getränken.

Auch wenn die Materialeinsparungen auf den ersten Blick nach wenig aussehen, ist das Einsparungspotenzial immens, da es sich bei Pet-Flaschen und Verschlüssen um Massenprodukte handelt: Bei einem Output von 1 Mrd Pet-Flaschen und 1 Mrd Verschlüsse lassen sich pro Jahr mit dem neuen Kurzgewinde und der passenden Verschlusslösung rund 1480 t Pet sowie 700 t Kunststoff für die Verschlussproduktion einsparen.

Wie Thomas Anderegg erklärt, ergibt alleine diese Materialersparnis eine Kostensenkung von 2,8 Mio Euro pro Jahr. Mit diesen Einsparungen amortisieren sich die Investitionen, die nötig sind, um auf die neuen Kurzgewinde und Flaschenverschlüsse umzustellen, in weniger als einem Jahr.

Nachhaltig

Trotz der Fortschritte, die bei der Materialeinsparung gemacht wurden, ist Nachhaltigkeit bei Getränkeflaschen aus Pet ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Für John Galt, President und CEO der kanadischen Husky Injection Molding Systems, ist Nachhaltigkeit eine der grössten Herausforderungen, der sich die Pet-Branche weltweit in den nächsten Jahren stellen müsse.

Die in Bezug auf die Nachhaltigkeit wichtige Wiederverwertung leerer Pet-Flaschen funktioniert in der Schweiz im europaweiten Vergleich vorbildlich: Ein dicht ausgebautes Sammelnetz – im Jahr 2006 waren es 26000 Pet-Sammelstellen und permanent kommen noch weitere dazu – macht den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten das Sammeln und Zurückbringen der leeren Pet-Flaschen so einfach wie möglich.

Dieses unkomplizierte Rücknahmesystem führt dazu, dass jährlich 76% der leeren Pet-Flaschen zurückgebracht und zu 33000 t Pet-Regranulat rezykliert werden konnten, wie Patrik Geisselhardt von Pet Recycling Schweiz erklärt. Allein 60% Energie lassen sich sparen, wenn bei der Produktion von Pet-Flaschen statt Neuware Rezyklat eingesetzt wird. Eine neue Pet-Getränkeflasche kann einen Rezyklatanteil von bis zu 80% enthalten.