Wer mit einer Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA) liebäugelt, dem rät Stefan Mühlemann (37), Advisory Board Member der Swiss Association of MBAs, kurz SAMBA (siehe Kasten), Folgendes: «Erstens ein Vollzeitprogramm, zweitens mit globaler Studentenschaft.» In der Schweiz bieten dies ihm zufolge nur die beiden Top-Adressen IMD in Lausanne und HSG in St. Gallen, die auch als einzige nationale Anbieter bei SAMBA angeschlossen sind, die restlichen 24 der insgesamt 26 Mitgliedschulen verteilen sich über Europa (7) und Amerika (17).

Ein globales Netzwerk knüpfen

Seiner Meinung nach drängt es sich fast schon auf, für einen Fulltime-MBA ins Ausland zu gehen. «Dadurch lässt sich der Horizont in geschäftlicher und persönlicher Hinsicht erweitern», sagt Mühlemann. Ein solches Programm dauere idealerweise zwei Jahre. Die gleiche Intensität sowie Qualität könnten berufsbegleitende Lehrgänge wie solche mit mehrwöchi-gen Modulen im Ausland, die sogenannten Global Executive MBA, nicht bieten. «Diese Modeerscheinung hat für mich mehr mit ‹glatten Schulreisli› zu tun, bei denen sich weder lebenslange Kontakte knüpfen, noch akademische Höchstleistungen erbringen lassen - ein guter Lehrgang muss wehtun. Und dies nicht nur im Geldbeutel, sondern vor allem durch enorme intellektuelle Last.» Mühlemann fügt aber auch an, dass nicht jeder die Möglichkeit habe, sich zwei Jahre Auszeit für einen Fulltime-MBA zu nehmen. Je nach Lebenssituation mache ein Parttime-MBA im eigenen Land durchaus Sinn. Hierbei empfiehlt er, sich an die etablierten Anbieter zu halten.

Mühlemann weiter: «Das wichtigste an einem Fulltime-MBA im Ausland ist das weltweite Alumni-Netzwerk, auf das man danach zurückgreifen kann.» Für jedes Problem oder jede Aufgabe irgendwo in der Welt habe man später mit Sicherheit jeman-den, den man fragen könne. Unter Ehemaligen sei es Ehrensache, dass man sich immer schnell sowie direkt helfe. «Leute, welche die Wahl haben, sollten nicht freiwillig auf solche Netzwerke verzichten und sich für den Fulltime-MBA entscheiden.»

Anzeige

Vor der Selektion des Instituts gelte es, sich für ein Land zu entscheiden, in dem man einen Fulltime-MBA machen wolle. Wenn man weniger weit reisen könne, empfehle sich eine der führenden europäischen Kaderschmieden, so etwa das ESADE in Barcelona, das INSEAD bei Paris oder die London Business School. Wenn man weiter weg reisen könne, solle man sich am ehesten für die USA, das Ursprungsland der MBA-Ausbildung, entscheiden - hier habe man jedoch die Qual der Wahl.

Diese Tipps hat der SAMBA- Berater: «Man muss im Vorfeld unbedingt umfangreiche Recherchen anstellen. Schliesslich geht es um eine sehr grosse Investition monetärer und zeitlicher Art.» Hierzu solle man nicht nur die gängigen Rankings studieren. Viel mehr bringe der Austausch mit Ab- solventen und Dozenten der jeweiligen Schulen. Zudem soll man sich erkundigen, was etwa Personalverantwortliche von den im Ausland zu erwerbenden Titeln halten. Aussagekräftige Indikatoren der Anbieter selbst seien die Zulassungsraten für die Bewerber sowie die Gehaltsaussichten infolge des Abschlusses.

Nach all diesen Abklärungen könne man eine Shortlist mit denjenigen Schulen erstellen, für die man sich wirklich interessiere. «Wichtig ist, dass man sich danach die Zeit nimmt und alle Kandidaten vor Ort anschaut und einen Tag auf jedem Campus verbringt, schliesslich will man hier bald zwei Jahre leben und studieren», ergänzt Mühlemann. «Ein Anbieter, der eine Stippvisite ablehnt, gehört nicht zu den Top-Adressen unter den Ausbildungsstätten.» Sein wichtigster Tipp: «Nicht nur der Ruf einer Schule ist entscheidend, auch das eigene Bauchgefühl.»

Professoren fordern Studenten

Mühlemann selbst hatte sich für die renommierte Tuck School of Business at Dartmouth in Han-over (New Hampshire) entschieden, wo er von 2002 bis 2004 den Fulltime-MBA absolviert hat. «In den USA setzt man sich nicht nur in die Klasse und lässt sich von den Professoren berieseln, sondern das Fleisch am Knochen im Unterricht kommt von den Studenten - die Dozenten funktionieren mehr als Moderatoren und vermitteln Frameworks. Wir haben bei uns nicht die gleiche MBA-Kultur wie im angelsächsischen Raum.»

Besonders lehrreich fand Mühlemann die «cold calls», bei denen der Lehrer ein Team von Schülern nach vorne ruft, um seine Lösung für eine Aufgabe ad hoc zu präsentieren. «Man muss diese dabei gegen die Kommilitonen verteidigen. Sie sind oft die schärferen Kritiker als die Professoren. Deshalb will man sich auch keine Blösse geben und arbeitet Tag und Nacht an möglichen Lösungen.» Im ersten Jahr an der Tuck habe er selten vor Sonntagnachmittag noch schnell Wochenende gemacht. Im zweiten Jahr werde es besser, weil man gelernt habe, «eine extrem hohe Effizienz» zu entwickeln. «Die Gedankengänge spielen sich im Kopf ein. So kommt man rasch mit 20% Aufwand zu 80% des Resultats.»

Dazwischen, sprich während den langen Semesterferien, habe er sich wie die meisten seiner Kollegen nicht ausgeruht, sondern ein Praktikum gemacht. «Ich empfehle seither allen, einen temporären Arbeitgeber zu suchen, mit dessen Produkten oder Projekten man im früheren Berufsalltag nichts zu tun hatte.» Mühlemann war für Peri, den Weltmarktführer von Schalungen und Gerüsten mit Sitz in Deutschland, tätig. «Vom Bau hatte ich keine Ahnung», gesteht er.

Vor seinem Einstieg ins Familienunternehmen war Mühlemann während 17 Jahren für Banken im In- und Ausland tätig. Seit drei Jahren ist er Partner bei Pro Ressource, einer Finanzdienstleistungsgesellschaft in Riehen BS und Zürich.