Charles Vögele hat das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust von rund 14 Mio Fr. abgeschlossen - der Lagerabbau hat das Ergebnis belastet. Sind Sie die Altwaren jetzt endgültig los?

André Maeder: Ende März wird es so weit sein. Dann haben wir endlich die Situation, dass wir weder in den Geschäften noch im Lager Waren haben, die älter als 18 Monate sind. Mit einer modifizierten Abschriftensteuerung ist sichergestellt, dass kein neuerlicher Altwarenaufbau geschieht.

Wie ist der Verkauf der Altkleider vor sich gegangen?

Maeder: Ende März 2009 waren rund 12 Mio Teile beziehungsweise 30% des Warenbestands Altware. Manche von ihnen waren bereits drei- oder vierjährig. Wir haben mit deutlichen Preisnachlässen und Aktionen gearbeitet. In manchen Ländern haben wir Zelte oder ganze Turnhallen gemietet, um unsere Sonderverkäufe durchzuführen.

Hatten Sie keine Angst, dass die Preisnachlässe auf Altwaren die Verkäufe Ihrer neuen Kollektionen gefährden?

Maeder: Die Möglichkeit, dass die alten Produkte die neuen kannibalisieren, hat uns Sorgen bereitet. Wir sind froh, dass die Befürchtungen nicht eingetroffen sind. Im Gegenteil: Durch die Aktionen haben wir sogar neue Kunden gewonnen, die uns hoffentlich treu bleiben werden.

Für den Turnaround bei Vögele haben Sie sich drei Jahre Zeit gegeben. Liegen Sie im Zeitplan?

Maeder: Absolut. Das letzte Jahr haben wir zum Abbau der Altlasten gebraucht, was Voraussetzung war, um den Aufbruch einleiten zu können. In den kommenden Jahren werden wir Massnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette durchführen.

Im September werden Sie Wäsche und vermehrt Accessoires ins Sortiment aufnehmen. Was versprechen Sie sich davon?

Maeder: Ich verstehe nicht, wie Wäsche nicht im Sortiment gewesen sein konnte. Es ist ein absolutes Wachstumsfeld. In Zukunft wollen wir mit Wäsche und Accessoires 10 bis 15% unseres Umsatzes erzielen. Zurzeit sind es nur 4%.

Der Grossteil Ihrer Kunden ist über 40 Jahre alt. Planen Sie, vermehrt jüngere Kunden anzusprechen?

Maeder: Menschen fühlen sich heute jünger als früher. Wir müssen uns verjüngen, um unsere Stammkundschaft anzusprechen. Natürlich wollen wir auch jün- gere Käufer ansprechen. Aber ein Tally Weijl oder ein H&M werden wir nie.

Welches Potenzial bietet der Online-Verkauf, den Sie im Frühling 2011 lancieren möchten?

Maeder: Wir werden in unseren Kernmärkten Schweiz, Deutschland und Österreich mit E-Commerce an den Start gehen. Mit Prognosen halten wir uns heute noch zurück. Wir versprechen uns aber viel vom neuen Vertriebskanal.

Wo sehen Sie in Ihren Kernmärkten Wachstumsmöglichkeiten?

Maeder: Europäische Märkte sind gesättigt. Das Konsumklima etwa in Deutschland, wo wir ein Drittel unseres Umsatzes erzielen, ist nach wie vor schwierig. Dennoch wollen wir auch 2010 mit oder über dem Markt wachsen.

Und in Osteuropa?

Maeder: Mit Ausnahme Polens haben wir unsere Expansion in diesen Märkten vorerst eingefroren. Wir planen aber nicht, uns aus diesen Märkten zurückzuziehen.

Wie viele neue Geschäfte werden Sie eröffnen?

Maeder: Ich rechne damit, dass wir jedes Jahr zwischen 40 und 50 Geschäfte in unseren Kernmärkten eröffnen und genauso viele umbauen werden. Bis 2012 werden sich Neueröffnungen und Schliessungen unrentabler Filialen in etwa die Waage halten. Danach werden wir auch zahlenmässig wieder wachsen.

Welche Marge streben Sie an?

Maeder: Heute beträgt unsere Ebitda-Marge 5,4%. Mittelfristig wollen wir sie verdoppeln.

Migros hat ihre Beteiligung an Vögele erneut aufgestockt ...

Maeder: Migros ist unser grösster Aktionär. Eine weitere Zusammenarbeit besteht nicht.

Welche Prioritäten setzen Sie sich in Ihrem zweiten Jahr als CEO?

Maeder: Wir haben im letzten Jahr vieles angerissen. Nun müssen wir das Begonnene umsetzen.