Ob in Bern, Basel oder Zürich, überall gibt es Strom aus dem Grimselgebiet. Erneuerbare Energie ist in aller Mund - und das liefern die Kraftwerke Oberhasli dank den reichlich sprudelnden Wasserquellen im Herzen der Alpen. Der Elektrizitätserzeuger im Besitz dieser drei Städte und Regionen betreibt nicht nur das Stromgeschäft, er ist auch für die Bahnen und Hotels zwischen Grimsel und Susten zuständig. Die Stauseen prägen diese Landschaft inmitten von Gletschern und Passübergängen.

Was noch wenig bekannt ist: Unter einer eigenen Markenstrategie Grimselwelt wurde in den vergangenen fünf Jahren das eher zufällige Geschäft mit Tagungen und Events gezielt erweitert. Der Erfolg liess im imposanten Naturabschnitt nicht auf sich warten. «Diese Aktivitäten haben sich anfänglich von Jahr zu Jahr verdoppelt», sagt Mark von Weissenfluh, Leiter der Grimselhotels. Selbst die Wirtschaftskrise konnte das Wachstum nicht bremsen. Auch 2009 lag man 10% über dem Vorjahr.

Die Umsatzträger sind die Betriebe Grimsel Hospiz und das etwas weiter unten im Haslital gelegene Hotel Handeck. Gemeinsam bieten diese Dreisternhäuser gut 70 Zimmer und sieben Veranstaltungsräume. Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat dafür gesorgt, dass die Nachfrage auch in den härteren Zeiten nicht eingebrochen ist.

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Neuer Glanz in alten Mauern

Das auf einem Felskopf gelegene Hospiz ist unter den Tagungsveranstaltern bereits ein Geheimtipp. Erst recht gilt dies, wenn das komplett erneuerte und erweiterte Berghotel am 3. Juni 2010 wieder öffnet. Der bekannte Architekt Andrin Schweizer hat das Traditionshaus mit der Denkmalpflege auf den neuesten Stand gebracht. Nun will es Gastgeber von Weissenfluh mit seiner Equipe «als historisches Hotel in die Zukunft führen».

Der Grimselpass war schon immer ein neuralgischer Punkt auf dem Weg vom Bernbiet ins Wallis. Bereits ab dem 12. Jahrhundert machten die Säumer Halt im Berggasthof unterhalb der Wasserscheide. Als 1925 die Staumauer für den Grimselsee errichtet wurde, versank diese Herberge im Wasser. Neu entstand sieben Jahre später der markante Steinbau mit der abgestuften Fassade, die noch heute das Landschaftsbild prägt.

Die Nutzung hat sich allerdings verändert. Früher waren es nebst den Touristen vor allem Bauarbeiter und Militärs, die im Hospiz logierten, jetzt sind es Kadermitglieder von Unternehmen oder Spitzenvertreter von Verbänden, die in der abgeschiedenen Bergwelt ihre Klausurtagungen und Strategieseminare durchführen. «Das sind Leute, die nicht den Glamour und das Aufgesetzte suchen», umschreibt von Weissenfluh seine Kundschaft. Vielmehr würden sie eine echte Swissness erwarten, dazu gehörten auch das Preisbewusstsein und die Diskretion. In den illustren Sälen der alten Hostellerie kommen sich Durchgangsreisende und Tagungsteilnehmer nicht in die Quere.

Als es zu Beginn der Neuinvestition von 12 Mio Fr. galt, zwischen einem Luxushotel und dem Dreisternhaus zu entscheiden, wurde das Augenmerk bewusst auf die gesamte Klientel gerichtet. «Wer mit dem Velo kommt, soll nicht ausgegrenzt werden», sagt Mark von Weissenfluh. Auch ein ultramodernes Designhotel innerhalb der alten Mauern wurde verworfen. Stattdessen sind die 28 Zimmer im schnörkellosen Stil gehalten; mit den Farbtönen, die sich in der umliegenden Natur finden. Kein Zweifel: Das Architektenteam hat den höchsten Stand in Sachen Ausstattung und Technik realisiert, gleichzeitig aber möglichst viel Authentizität erhalten.

Das Rahmenprogramm bietet sich in der Grimselwelt reichhaltig an. Gleich unterhalb des Hospiz kann man ins reale Wasserschloss mit Tunnels, Schächten, Turbinen und Generatoren eintauchen, und dabei noch Einblick in die weltweit einzigartige Kristallkluft nehmen. Für ein besonderes Spektakel sorgt das Trassee der Gelmerbahn, das fast senkrecht zum gleichnamigen See hinauf verläuft. Wer es nebst der geistigen Seminararbeit auch sportlich will, dem stehen Klettersteige und Hängebrücken zur Verfügung, die etwas Mut erfordern.

Dem gastronomischen Aspekt kommt im neu gestalteten Hospiz eine spezielle Bedeutung zu. Gekocht wird mit saisonalen Produkten aus der Region, ergänzt um ein grosses Sortiment an Weinen aus dem eigenen Felsenkeller.

Bald auch im Winter geöffnet

Die Kundschaft rekrutiert sich beim Seminar- und Tagungsgeschäft zu über 90% aus der Schweiz. Haupteinzugsgebiet sind das Mittelland bis hin zur Zentral- und Nordostschweiz, die über den Brünigpass in weniger als zwei Autostunden zu erreichen sind. Die Mund-zu-Mund-Propaganda von Touristen und Seminargästen ist bereits im süddeutschen Raum und dem benachbarten Österreich angekommen. Das sind Märkte, die es mit gezieltem Marketing erst noch zu bearbeiten gilt.

Die erneuerbare Energie bleibt das Stichwort für die Zukunft. In der Grimselwelt ist sie in Form von natürlicher Wasserkraft reichlich vorhanden. Mit einer Erhöhung der Staumauer am Grimselsee soll das Speichervolumen massiv gesteigert werden. Ebenso für das Berghotel Hospiz gibt es Pläne: Die Saisonverlängerung in den Winter könnte trotz geschlossenem Grimselpass über die existierende Seil- und Stollenbahn durch das Haslital hinauf bald Realität sein.