«Manchmal stehe ich verwundert in der Lobby und frage mich, wo unsere Gäste geblieben sind.» Rolf Brönnimann, erst seit Anfang März Direktor des Zürcher Luxushotels Savoy Baur en Ville, ist ein Hotelier (fast) ohne Gäste. Im 5-Sterne-Haus am Paradeplatz sind derzeit nur 5 von 104 Zimmern belegt.

«Nein, so habe ich mir das tatsächlich nicht vorgestellt», sagt Brönnimann. Doch schliessen will er das Haus nicht. Lieber bemüht er sich um eine Spur Normalität – auch wenn nur wenige Gäste zum Frühstück oder zum Abendessen im für die Öffentlichkeit geschlossenen Restaurant «Baur's» erscheinen. Brönimann setzt auf Durchhaltewillen, Sparen und Promotion. Er sagt: «Ich habe in meiner Karriere schon einige Schwierigkeiten erlebt, beispielsweise nach 9/11 oder während der Bankenkrise, und ich weiss, dass es weitergehen wird. Darauf bereite ich mich schon heute vor.»

Der 63-jährige Brönnimann, der in der Schweiz bereits im Zürcher Dolder, im Hotel Suvretta in St. Moritz und im Victoria Jungfrau in Interlaken arbeitete, wechselte vom Budersand Golf- und Spa-Hotel auf Sylt nach Zürich. Hier wollte er eigentlich seine zwei erfolgreichen Jahre auf der norddeutschen Ferieninsel wiederholen. Dass die neue Aufgabe so dramatisch beginnen wird, hätte er niemals erwartet.

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Savoy Baur en Ville

Das Hotel Savoy am Paradeplatz in Zürich: Im Besitz der Credit Suisse.

Quelle: Keystone

Das von ihm geführte Haus ist ein spezielles Hotel. Es feierte 2018 den 180. Geburtstag, hat also viel Tradition und bedient langjährige Stammkunden. Zudem profitiert das Hotel von der Nähe zur Schweizer Grossbank Credit Suisse. Sie ist die Hauptaktionärin der Betreiberfirma.

In Ansprache mit dem CS-Chef Thomas Gottstein hat Brönnimann entschieden, das Haus nicht zu schliessen. «Aber wir sind ein unabhängiges Unternehmen und müssen selbst schauen, wie wir durch die Zeit der Pandemie kommen», betont Brönnimann. Dank der «guten Arbeit» des Vorgängers Werner Knechtli gebe es «gewisse Reserven», sagt er. Doch auch er führte Kurzarbeit ein und spart, wo er kann. «Die erste Verpflichtung gilt aber unseren Gästen im Haus. Sie können weiterhin, auch mit Berücksichtigung der neuen Hygienevorschriften, auf unseren exzellenten Service zählen.»

Die Sitzungsräume des Savoy können weiterhin gebucht werden – und werden es auch. Die Nachfrage komme dabei nicht nur von der Credit Suisse, sondern auch von anderen Firmen, die im Stadtzentrum tagen wollen. Und dann gibt es auch private Gäste, Privatkunden, die für eine Nacht ihrem privaten Homeoffice entfliehen, sich ein schönes Zimmer und abends ein elegantes Nachtessen gönnen wollen.

Die Edel-Alternative zum Homeoffice

Jetzt geht es um die Marktbetreuung, um die Kunden der Gegenwart und vor allem um diejenigen, die in Zukunft wiederkommen werden. Aktuell offeriert Brönnimann deshalb unter dem Namen «Downtown Office» einwöchige Pauschalen – als Arbeitsplatzalternative oder als ungewöhnliche Auszeit mit der Familie. Brönnimann sieht dieses Angebot zwar als «spielerische Aktion». Aber er hofft natürlich, dass genau diese Gäste nach einem zufriedenen Aufenthalt während der Krise später als vollzahlende Kunden zurückkommen werden.

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Brönnimann weiss: «Dem Heimmarkt steht die Rolle zu, das Geschäft nach Corona wieder anzukurbeln. Dazu muss Branche und Politik aber den Schweizerinnen und Schweizern noch deutlicher machen, dass der Tourismus ein nicht unwesentlicher Teil des Bruttoinlandprodukt ausmacht und sehr viele Arbeitsplätze schafft.» Auch dazu möchte er mit «Downtown Office» beitragen.

Der Neustart wird Ferienhotels leichter fallen als Stadthotels

Einen wahren Tourismus-Boom erwartet er auch dann nicht, wenn Wirtschaft und Gesellschaft wieder normal funktionieren. «Die Ferienhotellerie dürfte besser neu starten. Die Stadthotels aber hängen vom Geschäftstourismus und dem Tagungssegment ab, und davon dürfte einiges an Aufträgen in der digitalen Welt bleiben.» Die aktuell würden auch analoge Geschäftsleute lernen, «wie einfach es ist, Dinge auch über Distanz zum Laufen zu bringen».

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Brönnimann hält fest: «Im Tourismus müssen alle ganz grundsätzlich akzeptieren, dass 2020 ein miserables Geschäftsjahr wird. Aber als durchaus positiv denkender Mensch wage ich trotz allem die Prognose, dass 2021 ein gutes Jahr wird.»