Zweistellige Coupons, mitunter sogar zwischen 15 und 20% - solche Coupons sind mit Reverse Convertibles aktuell möglich. Wie kann das sein, wo doch die Zinssätze zuletzt einem deutlichen Trend nach unten folgten? Die wichtigen Notenbanken haben mehrfach die Leitzinsen auf ein historisches Tief gesenkt und auch die Renditen von Unternehmensanleihen sind jüngst gefallen, nachdem die Credit Spreads zusehends enger geworden sind.

Mehr Coupon für mehr Risiko

Der Grund, warum der Coupon eines Reverse Convertible häufig höher ist als bei einer Obligation mit ähnlicher Laufzeit, liegt in der Struktur dieser Produkte. Anleger erhalten den höheren Coupon durch die Aufnahme zusätzlicher Risikokomponenten, meist in Form eines Aktienrisikos. Während eine Obligation am Laufzeitende für gewöhnlich zum Nominalwert zurückbezahlt wird, kann es bei Reverse Convertibles zu einer Tilgung mit einer im Voraus bestimmten Anzahl von Aktien kommen. Die Art der Rückzahlung hängt von der Kursentwicklung des oder der Basiswerte ab.

Klassiker und Variationen

Der Klassiker ist ein Single Reverse Convertible ohne Barriere. Hier ist der Kurs bei Fälligkeit relevant. Notiert der Basiswert über seinem Niveau zum Emissionszeitpunkt, erhält der Investor den Nominalbetrag - wenn nicht, eine bestimmte Anzahl Aktien, gegebenenfalls plus Cash-Komponente. Den Coupon gibt es in beiden Fällen. Etwas mehr Sicherheit bieten Barrier Reverse Convertibles. Denn hier kann der Inhaber bei Fälligkeit auch dann den Nominalwert erhalten, wenn der Basiswert unter seinem Ausgangsniveau notiert. Voraussetzung: Er darf während der Laufzeit nie auf oder unter die Absicherungsbarriere gefallen sein. Dieses Plus an Sicherheit geht in der Regel mit einem etwas niedrigeren Coupon einher.Die ursprüngliche Form des Reverse Convertible wurde also einerseits durch das Hinzufügen einer Barriere weiterentwickelt. Eine zweite Innovation war die Einführung von Multi-Produkten, die sich gleich auf mehrere Basiswerte beziehen. Durch Kombination aus beiden entstanden Multi Barrier Reverse Convertibles (MBRC), die vermutlich am weitesten verbreitete Variante im Schweizer Markt. Diese Produkte bieten häufig besonders attraktive Konditionen. Doch gilt es auch, mehrere Dinge zu beachten und die damit verbundenen Risiken zu kennen.

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Risiko der Korrelation

Das Marktrisiko besteht bei dieser Spielart des Reverse Convertible darin, dass einer der Basiswerte während der Laufzeit auf oder unter die Barriere fällt und sich bis Verfall nicht wieder alle Basiswerte über das jeweilige Einstiegsniveau erholen. Tritt dieser Fall ein, erhält der Anleger anstatt des vollen Nominalbetrags eine physische Lieferung von Aktien eines der Basiswerte. Dabei kommt das sogenannte Worst-of-Prinzip zur Anwendung. Das heisst: Die Aktie mit der schlechtesten Performance ist für die Rückzahlung entscheidend. Den hohen Risikopuffern, die mitunter Kursverluste von 50% und mehr abfedern, steht also ein Korrelationsrisiko gegenüber. Denn ein «Ausreisser» nach unten reicht mitunter bereits, um die gesamte Performance zunichte zu machen. Produkte mit Barriere(n) bieten Anlegern also einen Teilschutz, der allerdings nur wirkt, wenn sich der oder die Basiswerte während der gesamten Laufzeit über den jeweiligen Barrieren halten oder sich bis zum Verfall wieder über die Einstiegspreise erholen. Kommt es an der Börse zu einer Berg- und Talfahrt, kann sich diese Produktstruktur als nachteilig erweisen. Denn ein schlechter Tag kann bereits ausreichen, um die Barriere zu verletzen.