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Arbeitgeber
Ein Klassiker muss sich neu erfinden

Armin Meier ist aufgestanden und geduscht. (Bild: Peter Frommenwiler)

Schweizer Konzerne äussern sich kritisch zum MBA, etwa CS, Nationale, Siemens, Rieter, ABB, Roche, Accenture oder KPMG.

Von Helga Wienröder
am 18.09.2013

Die Finanzkrise hat auch bei den Business Schools und damit bei den wichtigsten MBA-Anbietern Spuren hinterlassen. Die Zahl der Stellen im Finanz- und Dienstleistungssektor ist zurückgegangen. Das ist nicht der einzige Grund für eine stärkere Überprüfung seitens der Unternehmen, wenn von Mitarbeitern der Wunsch nach einem MBA geäussert wird. Hinzu kommt, dass der einst elitäre Nimbus der Meisterökonomen mit der wachsenden Zahl der Titelträger gelitten hat. Das macht die Entscheidung der MBA-Interessenten und ihrer Arbeitgeber, die letzten Endes ihre Unterschrift unter eine solche Mitbeteiligungsvereinbarung setzen, nicht einfach.

Konkret auf den aktuellen Wert eines berufsbegleitenden MBA befragt, äussern die Arbeitgeber nebst Zustimmung vereinzelt kritischere Töne. Generell sagen die von der «Handelszeitung» befragten Unternehmen, dass sie den MBA vor ­allem dann schätzen, wenn dieser neben der klassischen Kernausbildung General Management die wichtigsten aktuellen Themen abdeckt, die eine globale Wirtschaft mehr denn je antreibt, und daher globales Handeln in einem verstärkten internationalen Wettbewerb fordert. Dazu gehört das Wissen über die ökonomische und politische Bedeutung der Märkte und Partner, kulturelle Unterschiede, ethisches Verhalten oder unterschiedliches Geschäftsgebaren. Doch sollen die Lehrpläne nicht, wie es fälschlicherweise oft der Fall ist, von einer bereits globalisierten Welt ausgehen und den Bedarf an interkulturellen Ansätzen unterschätzen.

Klarer Nutzen muss erkennbar sein

Nicht immer erfüllen MBA-Programme die Ansprüche der Unternehmen. So stimmen die Erwartungen der Studenten oft nicht mit dem Personalauswahlprozess ihrer Arbeitgeber überein.

  • Credit Suisse: Für die Grossbank ist klar, dass Weiterbildung als eine Investition in die Entwicklung ihrer Mitarbeiter betrachtet wird und sie daher berufsbegleitende Weiterbildungen unterstützt. Allerdings muss, wie bei allen finanziellen Beteiligungen beispielsweise für einen MBA, ein betriebliches Bedürfnis erkennbar sein – und es müssen interne Kriterien erfüllt sein, etwa Vorbildung, Potenzial des Kandidaten und Anwendungsmöglichkeit in der Praxis. CS-Pressesprecherin Valeria Ancarani unterstreicht, dass die Grossbank für ­einen Executive MBA primär schweize­rische Angebote an Universitäten oder Fachhochschulen unterstützt. «Es können aber auch Angebote von renommierten Anbietern in Europa und den USA berücksichtigt werden», ergänzt sie.
  • Nationale Suisse: Christina Hartmann, Head of Group Corporate Communications der Versicherung, versteht die Kritik einzelner Unternehmen, weil der internationale Weiterbildungsmarkt inzwischen zu viele MBA-Angebote hat, die nicht alle die gleiche Qualität bieten und die Auswahl entsprechend schwierig machen. Dazu komme, dass MBA-Weiterbildungen sehr teuer und zeitaufwendig seien, so Hartmann. Ihr Fazit: «Unternehmen tendieren auch vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Weltlage verstärkt dazu, talentierte Mitarbeitende im eigenen Haus und on-the-job auszubilden.» Was allerdings nicht heissen soll, dass ­Anfragen von Mitarbeitern, die einen MBA machen möchten, nicht weiterhin einen grossen Stellenwert hätten, betont sie.
  • Siemens Schweiz: Pressesprecher Eray Müller übermittelt ebenfalls eine grundsätzlich kritische Stellungnahme: «Zu ­viele Anbieter von MBA mit unterschied­lichem Qualitätsstandard bewirken eine Verwässerung des Titels.» Aufnahmekriterien für solche Programme sind seiner Meinung nach zu wenig definiert. Daher hat für das Technologieunternehmen der Stellenwert des MBA abgenommen.
  • Rieter: Auch bei der global tätigen Maschinen­fabrik herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber dem Titel. Cornelia Schreier, Head of Corporate Communications, sagt: «Wir legen grossen Wert auf gut aus- und weitergebildete Mitarbeiter. Von MBAs haben wir uns noch nie blenden lassen. Im Gegenteil begegnen wir ihnen schon immer eher kritisch.» Eine solche Weiterbildung werde von Rieter nur dann unterstützt, wenn ein klarer Nutzen erkennbar sei. Im Übrigen habe man einen so guten Ruf, dass die Firma «problemlos an MBA-Schulen rekrutieren kann». Dieser Weg werde übrigens bevorzugt.
  • ABB Schweiz: Fragt man hier nach, wie es um die Akzeptanz von MBA-Programmen steht, hat das eigene «grosse und ­systematisch aufgebaute Portfolio an ­Management-Development-Programmen Priorität, das voll in unser Talent Management integriert ist», so die Auskunft von Melanie Nyfeler von der Medienstelle. Aufgrund dieses Angebots halte sich der zusätzliche Bedarf an externen MBA-­Angeboten in Grenzen. Dennoch gebe es Ausnahmen, wenn gewisse Kriterien berücksichtigt würden: Welche Fachrichtung bietet das Institut in Bezug auf die ­angestrebte Weiterbildung an? Wie ist das Renommee der Business School? Wie international ist der MBA? «Ob ein Mitarbeiter bei ABB Schweiz Karriere macht, hängt von seinem gesamten Leistungsausweis ab und weniger davon, ob er einen MBA hat oder nicht» – ein klares Statement.
  • Roche: Beim Pharmakonzern erfährt man, dass man dort weiterhin MBA-Weiterbildungen in bestimmten Bereichen schätzt, zum Beispiel für Finanzen und Marketing. «Diese stellen jedoch nur ­einen Baustein des Angebots dar», sagt Pressesprecherin Silvia Dobry. Für Naturwissenschafter etwa wurde das Roche Fellowship Programme etabliert, das sich speziell an Post Docs richtet. Was den MBA betrifft, begrüsst Roche dieses Programm, wenn es unter anderem auf Healthcare beziehungsweise Pharma ausgerichtet ist. Grundsätzlich sei der Konzern interessiert an der Einstellung von MBA-Absolventen, trotzdem sei die mehrmalige jährliche Teilnahme an Rekrutierungsanlässen Pflicht. Roche ist auch mit unterschiedlichen Aktivitäten an Universitäten und Fachhochschulen weltweit präsent. Im Fokus stehen MINT-Studiengänge (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), aber auch Wirtschaft, Informatik und Finanzen – alles Themen, für die Studenten Roche nicht immer automatisch als potenziellen ­Arbeitgeber in Betracht ziehen, aber sehr spannend sind, erinnert Silvia Dobry.

Verbindliche Karriereplanung

  • Accenture: In Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen ist ein MBA gern gesehen und wird meist unterstützt. Bei Accenture ist für einen Grossteil der Positionen ein Hochschulabschluss erforderlich, ein MBA jedoch keine Grundvoraussetzung, auch nicht für den Aufstieg in eine Führungsposition. Ausschlaggebend seien die Leistung und die soziale Kompetenz, so Myriam Krauer, Head of HR Switzerland. Trotzdem unterstützt der Konzern ausgewählte Leute sowohl finanziell als auch mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. MBA-Interessenten haben prinzipiell freie Wahl, an welchem Institut sie ihre MBA-Weiterbildung machen möchten. Bei Accenture – wie bei allen anderen Befragten – wird betont, dass ein finanziell gefördertes MBA-Programm eine Investition des Arbeitgebers in den Mitarbeiter darstellt. Daher ist eine Rückzahlungsvereinbarung sehr häufig Bestandteil des Weiterbildungsprogramms.
  •  KPMG: Accenture wird von KPMG bestätigt, wo alle Anfragen von Mitarbeitenden betreffend einen MBA individuell überprüft und ­situativ unterstützt werden, falls dies mit der Zukunftsplanung des entsprechenden Talents bei KPMG übereinstimmt. Diese Weiterbildungsvereinbarung enthält eine Rückzahlungsverpflichtung im Falle eines Austritts. «So federn wir die finanziellen Risiken einer solchen Massnahme ab und schützen unsere Interessen», heisst es von der Medienstelle.

Die beste Massnahme, um Kaderleute langfristig zu halten, ist und bleibt eine verbindliche Karriereplanung mit dem betreffenden Angestellten, darin sind sich alle Personalverantwortlichen einig. Da ein MBA immer nur einen Teil der Weiterbildung darstellt, erinnern sie daran, dass zusätzlich hausgemachte Programme bestehen. So hat Accenture letztes Jahr nach eigenen Angaben rund 850 Millionen Dollar in Schulungen und professionelle Weiterbildungsangebote investiert und ­allen Mitarbeitern rund 12,7 Millionen Trainingsstunden ermöglicht.

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