Die Überraschung war gross, als Walter Berchtold, lange Private-Banking-Chef der CS, im September die Führung der Falcon Private Bank übernahm. Umso mehr, als sich unmittelbar danach die Ereignisse überstürzten: Die Bank wurde von den Behörden in Singapur und der Schweiz wegen ihrer Verwicklung in den Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB abgestraft. Nun muss der neue CEO aufräumen: ein Knochenjob für den 54-Jährigen, der nach seinem Abgang 2012 bei der CS als Investor und VR bei der Beteiligungsgesellschaft ­Alpine Select ein ruhiges Leben führte.

Warum tut er sich das an? «Das haben mich viele gefragt», sagt er. Er habe nochmals eine operative Aufgabe übernehmen wollen, als CEO. Er habe zugesagt im Wissen, dass die Bank in den 1MDB-Skandal verwickelt sei, war dann aber «vom Ausmass doch überrascht». Er habe im Sommer vor der Frage gestanden, seine Zusage rückgängig zu machen: «Doch wer A sagt, muss auch B sagen.»

Berchtold wurde dringend benötigt

Das Problem zu diesem Zeitpunkt war aber auch, dass es kaum Alternativen gab – Vorgänger Eduardo Leemann stand unter Druck: Der langjährige Chef hatte wenig Rückgrat gezeigt und zugelassen, dass zwei Verwaltungsräte aus dem Kreis des Mehrheitsbesitzers, des Staatsfonds aus Abu Dhabi, die Bank als Durchlauferhitzer für Geschäfte mit 1MDB missbrauchten. Berchtold, seit 2015 im Verwaltungsrat von Falcon, jedoch unbelastet von den Vorkommnissen, wurde dringend benötigt.

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Nun will Berchtold auch die positiven Aspekte seines Engagements nutzen. Es wird auch aus unternehmerischer Sicht ein Neustart für ihn, der am Erfolg der Bank teilhaben will. Er will langfristigen Mehrwert generieren. «Wir sind an der Ausarbeitung einer Lösung, die alle Beteiligten am zukünftigen Erfolg der Bank teilhaben lassen soll», bestätigt er. Details sind noch nicht bekannt.

Viel Upside-Potenzial

Aus früheren Erfolgsprogrammen hat er gute Erfahrungen: Mit den umstrittenen PIP-Optionen der CS erhielt er 2010 rund 34 Millionen Franken. Auch wenn ein Programm in der Form heute kaum noch möglich ist, ist der Zeitpunkt – ähnlich wie damals bei der CS – angesichts der widrigen Umstände günstig: Der Mehrheits­besitzer, vertreten durch Präsident Murtadha Al Hashmi, ist unter Druck, waren doch eigene Leute für den Skandal verantwortlich. Als Folge davon sind die Kennwerte der Bank momentan auf einem tiefen Niveau – viel Upside-Potenzial also.

 

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