1. Home
  2. Unternehmen
  3. Ein Lob der gehobenen Langeweile

Banking
Ein Lob der gehobenen Langeweile

Paradeplatz
Zürich Paradeplatz: Das Herz des Finanzplatzes.Quelle: Keystone

Weniger Risiko, stabile Erträge: Die beiden Grossbanken präsentieren solide Ergebnisse. Ein Wermutstropfen bleibt.

Kommentar  
Von Stefan Barmettler
am 31.07.2018

Die beiden Grossbanken UBS und CS haben sich neu aufgestellt und sind in einer vorzüglichen Verfassung. Die UBS, Flaggschiff der Branche, segelt bereits seit drei Jahren in ruhigeren Gewässern, die CS ist seit einem Jahr auf Kurs.

Sergio Ermotti hat geliefert, die Erträge sind stabil und positiv, die Neugeldzuflüsse in den letzten Quartalen – mit dem Ausreisser im zweiten Quartal 2018 – ansprechend. CS-Chef Tidjane Thiam hat all seinen Kritikern gezeigt, dass sein 3-Jahres-Umbauplan funktioniert und Mehrwert bringt.

Was beiden Bankern gleichwohl schwer zu denken geben muss: Auch wenn Ermotti und Thiam Quartal für Quartal liefern, werden ihre Firmen von den Anlegern links liegengelassen. Gute Quartalsergebnisse, so what?

Anzeige

Profitabel in der neuen AIA-Welt

Das mag partiell der sich hartnäckig haltenden Einschätzung geschuldet sein, globales Banking sei volatil und bediene zuvorderst den Bonuspool der Topkader. In Zeiten drohender Handelskriege mag ein Mass an Vorsicht  halbwegs begründet sein. Allerdings ist festzuhalten, dass sich das Risikoprofil des Geschäftsmodells UBSs und verspätet auch jenes der CS radikal verändert hat. Und: Die anziehenden Zinsen verheissen dem Banking neuen Schub. 

Fazit: Heute sind die Grossbanken langweiliger als vor ein paar Jahren. Das ist gut so, dafür funktioniert das Geschäftsmodell in der neuen AIA-Welt, wo Informationen locker über Landesgrenzen hinaus ausgetauscht werden und die Schweiz kein verschwiegenes Bollwerk mehr ist. Das hat das zweite Quartal 2018 klar bewiesen.

Nur die Anleger zögern und haben sich noch nicht überzeugen lassen. Vielleicht hilft ja dieses Argument: Belastet mit einem Sektormalus entwickeln sich die beiden Grossbanken zunehmend zum Dividendentitel.