Die Division Logistik Transport des Migros-Genossenschafts-Bunds (MGB-LT), des grössten Detailhandelskonzerns der Schweiz, hat mit der Einführung der Applikation MTWeb einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Das von der Zürcher Ergon Informatik entwickelte IT-Tool kappt die Warenflusskosten der Migros um bis zu 20%. Der national gewichtige Transportlogistiker hält täglich über 400 Bahn-, 900 Lastwagen und 70 000 Paletten in Bewegung. Treibende Kraft hinter der Auftragsvergabe an Ergon war diese Erkenntnis: Wer seine interkontinentalen Güterströme lückenlos unter Kontrolle hat, verschafft sich Wettbewerbsvorteile im hart umkämpften Beschaffungs- und Distributionsmarkt. Schon 2007 hatte eine von MGB-LT initiierte Situationsanalyse den engeren Schulterschluss mit allen in die Supply Chain eingebundenen Partnern sowie die Minimierung zeitraubender manueller Eingriffe in die Wertschöpfungskette nahegelegt.

Webbasierte Lösung

So fiel der Beschluss, die existierende Eigenentwicklung zur Überwachung grenzquerender Transporte durch eine webbasierte Lösung zu ersetzen. Deren Architektur sollte flexibel und modular aufgebaut sein, Prozesse optimieren sowie die Transparenz entlang der Versorgungskette erhöhen. Das Projekt erforderte die Integration dreier Teilbereiche: Des internen Speditionsmoduls MTrans, des MTWeb und des beide mit den Schnittstellen anderer Migros-Systeme verbindenden MTConnector. Während der MTWeb-Auftrag an Ergon erging, entwickelte ein anderes Softwareunternehmen das MTrans sowie die Migros-eigene Informatikabteilung den MTConnector. «Wir hatten uns beim Evaluierungsprozess viel Zeit gelassen, um die geeignetsten Partner an Bord zu holen», rekapituliert Bernhard Metzger, Leiter Logistik Transport und Mitglied der MGB-Direktion. «Dies umso mehr, als das Leistungsspektrum zu Beginn der Umsetzungsphase noch nicht en détail definiert war.

Nach der finalen Feinabstimmung ging das Softwaregesamtpaket gegen Ende 2009 in Vollbetrieb. «MTWeb ist eine sehr stabile Applikation», urteilt Metzger. «Manuelle Interventionen sind passé. Zuvor gab es viele solcher Transaktionen. Inzwischen geht das an uns vorbei.» Jetzt konzentriere sich seine Division primär auf die Kontrolle der Datenqualität. «Einst wurden transportrelevante Daten per E-Mail, Fax und Telefon zwischen den Partnern ausgetauscht, also mehrmals erfasst», sekundiert Markus Helg, MGB-LT-Bereichsleiter Internationale Transporte. «Heute sind sie zentral im MTWeb hinterlegt. Darauf haben autorisierte Beteiligte via Internet-Schnittstelle Zugriff.» Auch die Pflege von Excel-Listen habe sich erübrigt, da die Informationen lediglich vom jeweiligen Transportpartner um den aktuellen Status des Warenflusses ergänzt werden müssten.

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Metzger und Helg bestätigen unisono, dass die Verzahnung des neuen Systems sehr gut funktioniert. MTWeb bietet komplette Übersicht über grenzquerende Güterbewegungen der Migros und ermöglicht die Rückverfolgung jedes Auftrags entlang des Transportprozesses. Dabei werden Termine und wichtige Etappen automatisch überwacht. Laut Softwareingenieur Keno Albrecht, der bei Ergon an der MTWeb-Entwicklung beteiligt war, «nahm das anspruchsvolle Projekt acht Monate lang ein vierköpfiges Team unseres Hauses in Beschlag. Der Migros-Auftrag bot Ergon, die im Rahmen der Ausschreibung zwar als teuerste, aber kompetenteste Anbieterin webbasierter Applikationen hervorging, den Einstieg in die Transportlogistik.

Proaktive Kontrolle

Die MTWeb-Komponenten waren stufenweise in einen Webserver transferiert worden. Zu den Kernelementen gehören das Verwaltungsmodul für Bestellungen, die proaktive Kontrolle des Transportverlaufs, das Kommunikations- und Überwachungsmodul sowie das Steuerungsmodul für die Stammdatenverwaltung. «Der Zugriff auf die per leistungsstarken Firewall gesicherte Internet-Schnittstelle ist von jedem Standort auf dem Globus aus möglich», betont Albrecht.