Griechenland ist als Destination für Schweizer Touristen wieder «in». Während sich die Besucherzahlen zu Beginn dieses Jahrzehnts zurückbildeten, hat sich der Einreisestrom in den vergangenen zwei Jahren um rund ein Viertel auf gegen 300000 Gäste erhöht. Paul Koller, Schweizer Botschafter in Athen, führt die gute Entwicklung auf die erhöhte Reisefreudigkeit und eine intensivierte Promotionstätigkeit zurück. Der Diplomat und studierte Geisteswissenschafter äussert sich anerkennend zu den jüngsten Anstrengungen, die im Bereich der Kultur ganz allgemein unternommen wurden. Er sieht das neue Akropolis-Museum, entworfen durch den Schweizer Architekten Bernard Tschumi, als wichtigen Anziehungspunkt speziell auch für den Städtetourismus. Zudem gibt es ein Projekt für eine neue Oper im Athener Vorort Faliron, am Meer bei Piräus.

Immobilienbesitz

Das Festland und die Ionischen und Ägäischen Inseln sind nicht nur eine beliebte Reisedestination, viele Schweizer tragen sich auch mit dem Gedanken, in dieser klimatisch milden Zone eine Zweitwohnung zu erwerben. «Die Nachfrage nach Immobilienbesitz hat markant zugenommen», registriert Botschafter Koller. Begünstigt werde dies durch neue Resorts, bei denen die Bewilligungen schon vorhanden seien. Den ungezügelten Bauboom, wie er an Spaniens Mittelmeerstränden zu beobachten war, gibt es in Griechenland nicht. Riesige Retortenstädte sind kaum anzutreffen. Auf den griechischen Inseln, dem Peloponnes und auf Halkidiki werden integrierte Projekte umgesetzt, die Umweltaspekte mit berücksichtigen.

Schweizer Investoren zeigen in Griechenland auch Interesse an Golfplatzprojekten, die jedoch nur schleppend vorankommen, weil unter anderem noch Raumplanungsgesetzgebungen zu verabschieden sind. Auch wird derzeit das griechische Grundbuchwesen den neuen Erfordernissen angepasst, um ausländischen Investoren mehr Rechtssicherheit zu gewähren. Von staatlicher Seite werden die neuen Golfanlagen grosszügig gefördert. Das Entwicklungsförderungsgesetz erlaubt Zuschüsse bis zu 50% der gesamten Investitionssumme, je nach Standort und Projekt.

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Enge Wirtschaftsbeziehungen

Die Schweiz pflegt traditionell sehr enge Wirtschaftsbeziehungen mit Griechenland. Die starke Präsenz im Bereich Pharma- und Nahrungsmittelindustrie hat unserem Land einen der vordersten Plätze bei den Direktinvestitionen eingetragen. Der Handelsaustausch hat sich in den ersten elf Monaten 2007 nochmals deutlich ausgeweitet (siehe Tabelle). Die griechischen Ausfuhren sind um 39,9% auf 208,4 Mio Fr. angestiegen, während sich die Schweizer Exporte um 23,3% auf 1,5 Mrd Fr. erhöhten.

Interessant ist dabei, dass Griechenland nebst den traditionellen Landwirtschaftsgütern vermehrt auch Industrieprodukte (Fahrzeuge, Maschinen) in die Schweiz exportiert. Das dokumentiert den wirtschaftlichen Entwicklungsprozess, weg von einem ausgeprägten Agrarangebot. Bei den landwirtschaftlichen Produkten kommt der Ausfuhr von griechischem Olivenöl eine besondere Bedeutung zu. Ein starker Zuwachs hat die Schweiz auf Platz sieben bei den wichtigsten Abnehmerländern gebracht. Insgesamt dürfte sich das Handelsvolumen für 2007 auf rund 1,7 Mrd Fr. belaufen, wobei aus schweizerischer Sicht unverändert ein hoher Exportüberschuss besteht.

Euro 08 für die Imagepflege

Mit rund 3300 eingeschriebenen Schweizern verfügt unser Land über eine gewichtige Kolonie in Griechenland. Die engen Verbindungen zwischen den beiden Nationen sorgen auch dafür, dass im letzten Jahr gegen 50000 Griechen in die Alpenrepublik gereist sind. Die Fussball-Europameisterschaft Euro 08 dürfte im Juni dafür sorgen, dass die Zahl der griechischen Touristen überdurchschnittlich ansteigt. Weil die Gruppenspiele des amtierenden Europameisters jedoch in Österreich stattfinden, dürfte vorab unser Nachbarland vom Ansturm der Hellenen profitieren. Um den sportlichen Grossanlass auch für die Beziehungspflege zu nutzen, werden Österreich und die Schweiz in Athen gemeinsam ein Public-Viewing organisieren. Beide Länder wollen dabei mit eigenen kulinarischen Spezialitäten eine gezielte Imagewerbung betreiben.

Zum sportlichen Highlight gesellen sich im laufenden Jahr kulturelle Veranstaltungen mit schweizerischer Beteiligung. Im Mai findet im Benaki-Museum eine Ausstellung zur Tessiner Architektur statt, und geplant ist auch die Fortsetzung des Dürrenmatt-Zyklus, der im letzten Jahr mit einer erfolgreichen Ausstellung von Zeichnungen des Schriftstellers zu den griechischen Mythen eröffnet wurde. Daneben ist die Schweiz am Frankophonie-Festival in Athen und Thessaloniki sowie an weiteren kulturellen Anlässen vertreten.