SICAV .

Seit Beginn dieses Jahres hat der Schweizer Fondsstandort für die hiesige Fondsbranche an Attraktivität gewonnen. Möglich wurde dies durch das Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG). Dieses Gesetz erlaubt es nun, Anlagefonds in der rechtlichen Form einer SICAV (Société dInvestissement à Capital Variable), also einer Investmentgesesllschaft mit variablem Kapital, zu gründen. In Luxemburg ist diese Rechtsform schon seit Jahren etabliert und hat zur grossen Verbreitung der Fonds mit Luxemburger Domizil beigetragen. Nun sollen Schweizer SICAV ihren Teil dazu beitragen, die Konkurrenzfähigkeit des hiesigen Fondsstandorts zu stärken. Die SICAV ist eine im Handelsregister eingetragene Aktiengesellschaft, deren ausschliesslicher Zweck die kollektive Kapitalanlage ist und deren Aktienkapital dem gesamten Fondsvermögen entspricht. Wer in einen SICAV-Fonds investiert, wird dadurch Aktionär dieser Gesellschaft.

Gemäss KAG kann die SICAV fremdverwaltet oder selbstverwaltet sein. Bei der fremdverwalteten Form müssen die Gründeraktionäre die SICAV mit einem «Startkapital» von mindestens 250000 Fr. ausstatten. Als Anleger-Aktionäre werden die übrigen Investoren der SICAV bezeichnet, die Gelder in sogenannte Anlegerteilvermögen (Teilfonds) platzieren (siehe Grafik). Insgesamt muss in einem SICAV-Teilfonds spätestens ein Jahr nach seiner Lancierung ein Nettovermögen von mindestens 5 Mio Fr. durch Anleger-Aktionäre investiert sein. Verschiedene Anlagekategorien (Aktien, Bond, Money Market, Mixed Assets etc.) lassen sich mit einem solchen Teilfonds abdecken. Dabei können auch liquide derivative Finanzinstrumente zu Anlagezwecken verwendet werden. Für Anlagen nicht in Frage kommen Edelmetalle, Edelmetallzertifikate, Waren und Warenpapiere. Ebenfalls nicht zulässig sind bei den SICAV-Teilfonds Leerverkäufe. Hingegen kann beispielsweise durch die Aufnahme von Krediten die zu investierende Summe vergrössert werden, um dadurch mit den Anlagen einen Hebeleffekt zu erzielen.

Verpönte Anlagefelder

Zu den Eigenheiten einer SICAV gehört es auch, dass die Aktionäre mittels der Generalversammlung direkten Einfluss auf die Anlagepolitik nehmen können. Als erster Anbieter hat Swisscanto in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) einen fremdverwalteten Schweizer SICAV-Fonds lanciert und die gesetzlichen Möglichkeiten für eine Produktinnovation genutzt. Der Verwaltungsrat dieser Fondsgesellschaft besteht aus drei Personen: Prof. René Rhinow, Präsident des SRK, Max Cotting, Mitglied des Rotkreuzrates und CEO der Aquila Investments AG, sowie Gérard Fischer, CEO der Swisscanto-Gruppe. Das Rote Kreuz stellt somit die Mehrheit im Verwaltungsrat und kann dadurch – neben den Aktionären – bewusst und gezielt auf die Strategien und Anlageziele dieses Fonds einwirken. Innerhalb der SICAV ist der erste Teilfonds «Swisscanto Swiss Red Cross Charity Fund» als Obligationenfonds ausgestaltet. Dieser ist auf Kapitalerhalt und die Generierung regelmässiger Ausschüttungen ausgerichtet. Investiert wird ausschliesslich in Schuldner mit hoher Bonität. In Frage kommen für diesen Fonds nur Titel von Emittenten, welche den Anlage- und Ausschlusskriterien des SRK entsprechen. Nicht investiert werden darf somit in Unternehmen, die sich im Kerngeschäft mit der Produktion oder dem Handel von Waffen, Tabak oder Alkohol beschäftigen oder deren Tätigkeiten anderweitig mit den Grundwerten des Roten Kreuzes unvereinbar sind. Durch die SRK-Verwaltungsratsmitglieder ist gewährleistet, dass die strengen Ausschlusskriterien jederzeit direkt eingehalten und überwacht werden.

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Neues Spendenmodell

Eine Neuigkeit ist das Spendenmodell, das bei diesem Fonds zur Anwendung kommt. Wer in den Fonds investiert, verzichtet zugunsten des SRK bewusst auf die Hälfte der jeweils ausgeschütteten Jahresnettoerträge. Dies hat den willkommenen Nebeneffekt, dass sich der für die Einkommenssteuer massgebende Ertragsteil seiner Anteile um die Hälfte reduziert. Hinzu kommt, dass Swisscanto als von der SICAV beauftragte Fondsleitung die 24 Kantonalbanken als Vertriebsträger sowie die Waadtländer Kantonalbank in ihrer Funktion als Depotbank lediglich die Hälfte der jährlich erhobenen pauschalen Verwaltungskommission beanspruchen und die andere Hälfte direkt dem SRK gespendet wird. Die dadurch dem SRK zufliessenden Gelder werden für verschiedene Projekte des Roten Kreuzes verwendet. Die Möglichkeit, in der Schweiz SICAV-Fonds zu lancieren, kann auch für institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen interessant sein. Für deren Bedürfnisse liessen sich spezielle Produkte kreieren, deren Ausgestaltung ein im Verwaltungsrat vertretener Investor direkt beeinflussen kann.