Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo Trucks entwickelte einen Lastwagen, der mit verflüssigtem Methangas betrieben werden kann. Dies kommt einem revolutionären Schritt bei der Entwicklung der Verwendung von Gas als Treibstoff für schwere Nutzfahrzeuge gleich, da mit der Methan-Diesel-Technologie ausgestattete gasbetriebene Nutzfahrzeuge eine bis zu vierfach höhere Reichweite besitzen als die meisten herkömmlichen Gas-Lastwagen.

«Die vermehrte Nutzung von Gas ist eine Brücke zu klimaneutralen Transporten. Die Produktion von Biogas kommt bereits in vielen Ländern in Schwung. Derzeit befinden wir uns in einer Übergangsperiode von einer jahrzehntelang vom Öl abhängigen zu einer auf erneuerbaren Treibstoffen basierenden Gesellschaft. Wenn Lastwagen zu 80 Prozent mit reinem Biogas und zu 20 Prozent mit reinem Biodiesel betrieben werden können, verringern sich die Kohlendioxidemissionen im Vergleich zu herkömmlicher Dieseltechnologie um 80 Prozent», erklärt Lars Mårtensson, Leiter Umweltschutz bei Volvo Trucks.

Diesel mit Gas kombinieren

Aktuell befinden sich drei Volvo-FM-Lastwagen mit 13-Liter-Motoren in der Praxiserprobung. Die Technologie basiert auf dem bewährten Volvo-Euro-5-Dieselmotor, der für den Gasbetrieb umgerüstet wurde. «Wir haben einen Weg gewählt, der die überlegene Effizienz des Dieselmotors mit den Vorzügen von Gas kombiniert. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das erheblich energieeffizienter ist als ein herkömmlicher Gas-Lastwagen», erklärt Mats Franzén, Manager von Engine Strategy und Planning bei Volvo Trucks. Die Fahrzeuge für den Feldversuch sind mit speziellen Tanks für das verflüssigte Methangas ausgerüstet. Flüssiggas ist der optimale Treibstoff für die Methan-Diesel-Technologie. Wenn verflüssigtes Methangas und Diesel in einem Verhältnis von 75:25 verwendet werden, hat ein Lastwagen im Fern- oder Mittelstreckenverkehr je nach Fahrbedingungen eine Reichweite von 500 bis 1000 Kilometer. Das ist der doppelte Aktionsradius im Vergleich zu Methan-Diesel-Fahrzeugen, die mit verdichtetem Gas betrieben werden und der vierfache Aktionsradius im Vergleich zu Fahrzeugen mit gasbetriebenem Ottomotor.

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Erste Methangas-Tankstelle

«Bis die Infrastruktur für verflüssigtes Methangas vollständig ausgebaut ist, haben Lastwagen mit Methan-Diesel-Motoren ausserdem den Vorteil, dass sie auch nur mit Dieseltreibstoff betrieben werden können», sagt Franzén. Die Fahrzeuge in der Praxiserprobung werden von Transportunternehmen wie DHL, Götene Kyltransporter und Renova betrieben. Der Beginn der Praxiserprobung fiel mit dem Datum der Einweihung der ers-ten öffentlichen Tankstelle für verflüssigtes Methangas in Göteborg zusammen. Die Tankstelle ist ein Gemeinschaftsprojekt von Volvo Trucks, Fordonsgas Sverige und Göteborg Energi. «Damit unsere Methangas-Diesel-Technologie allgemeine Verbreitung finden kann, muss das Versorgungsnetz für Methangas ausgebaut werden. Die neue Tankstelle ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung», so Mårtensson.Tankstellen gab es bisher nur für CNG (verdichtetes Erdgas). Wird Methangas auf minus 160 Grad Celsius gekühlt, anstatt verdichtet zu werden, wird es flüssig und sein Volumen reduziert sich auf die Hälfte. In diesem Fall trägt es die Bezeichnung LNG (Liquefied Natural Gas = verflüssigtes Erdgas) bzw. LBG (Liquefied Biogas = verflüssigtes Biogas), wenn es sich um Biogas handelt. Beide Gase werden auch als LMG (Liquefied Methane Gas = verflüssigtes Methangas) bezeichnet.«Die Konzentration von Volvo auf Flüssiggas eröffnet uns einen völlig neuen Markt», erklärt Bo Ramberg, CEO von Fordonsgas Sverige AB. «Gasbetrieb wird auch für schwere Fahrzeuge attraktiv. Wir erwarten einen rasch wachsenden Markt. Um diesen Trend zu beschleunigen, möchten wir zeigen, dass die Infrastruktur entsprechend ausgebaut wird.» Augenblicklich sind in Schweden drei Methangas-Tankstellen geplant. Neben der bereits in Göteborg eröffneten Tankstelle wird AGA eine Tankstelle in Stockholm und E.ON eine in Malmö eröffnen. Volvo Trucks ist bei allen Projekten Partner. Zudem existieren Pläne für weitere Tankstellen, wenn der Bedarf steigt.