Seit Jahrzehnten führt Hans Riegel den Süsswarenhersteller Haribo. Der Erfolg mit den Gummibärchen gilt als sein Werk. Auch in hohem Alter - er wird 90 - ist der Firmen-Patriarch noch am Ruder.

Das Wirken des Firmen-Patriarchen ist ebenso eigensinnig wie erfolgreich. An diesem Sonntag (10. März) feiert «Mr. Haribo» seinen 90. Geburtstag. Seit Jahrzehnten steht sein Chefsessel am Stammsitz in der Hans-Riegel-Str. 1 in Bonn-Kessenich, direkt am Dampf und Geruch aus der Produktion im alten Backsteinbau. «Ich bin fast täglich im Büro», sagt Riegel.

Hans Riegel gehört zu den seltenen Urgesteinen in Deutschland, die ein traditionelles Familienunternehmen auch in stürmischeren Zeiten auf Kurs zu halten wissen. Mit ihm am Steuer wurde der einstige väterliche Hinterhofbetrieb zu einem globalen Konzern. Die Gummibärchen sind weltweit ein Aushängeschild und Markenjuwel.

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Kein Mann der Auftritte

Tiefe Einblicke in das Unternehmen hat Riegel nie gewährt. Um Geschäftszahlen und Gewinn pflegte er stets ein Geheimnis, ebenso wie um sein Privatleben. Auch Interviews gab Riegel höchst selten. «Ich war nie ein Mensch, der den grossen Auftritt sucht», erklärt Riegel.

Dem knorrig wirkenden Seniorchef wird nachgesagt, er herrsche in seinem Imperium als eine Art «Firmenfürst». Nach dem Tod seines jüngeren Bruders und Firmen-Mitteilhabers Paul im August 2009 wurde ein halber Generationswechsel vollzogen. Damit ist auf dem Papier geregelt, was aus Haribo werden soll, wenn der kinderlose Hans Riegel einmal nicht mehr an Bord ist.

Zukunft gesichert

Der Vollblutunternehmer verständigte sich nach einigem Gezerre mit den Erben von Paul, der vier Kinder hinterliess, auf eine Machtteilung. Seit September 2010 führt er Haribo in einer neuen Eigentümer- und Holdingstruktur gemeinsam mit den zwei Neffen Hans Arndt Riegel und Hans Guido Riegel. «Somit ist auch die Zukunft von Haribo als Familienunternehmen gesichert», betont Hans Riegel.

Den eigenen Nachlass hat Hans Riegel geregelt. Sein hälftiger Anteil am Unternehmen geht in seine Privatstiftung, die für den Fortbestand des Konzerns wirken soll. Sie ist im steuerlich attraktiven Österreich angesiedelt, der Wahlheimat Riegels, wo der passionierte Jäger ein Landgut mit Jagd in Hieflau (Steiermark) hat. Bereits seit 1991 hat Riegel einen österreichischen Pass.

Geheimrezept

Der am 10. März 1923 geborene Riegel übernahm das Geschäft - mit dem Geheimrezept für die Gummibärchen - zusammen mit Bruder Paul kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 von seinem Vater Johann, genannt Hans.

Von diesem Namen und der Bonner Heimat (HA-RI-BO) leitete sich auch der Firmenname ab. Der promovierte Ökonom war der «Hansdampf» in der Doppelspitze und ein Marketing-Profi, der aus Zucker, Gelatine, Aroma und Farbstoff immer neue Leckereien produzierte.

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Inzwischen produziert Haribo an 15 Standorten in Europa und beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter. Bis nach Grönland oder auf die Falkland-Inseln werden Goldbärchen, Lakritz-Schnecken oder Maoam-Kaubonbons geliefert. Der Umsatz liegt nach Branchenangaben bei rund zwei Milliarden Euro im Jahr.

Das von Riegel immer wieder verlängerte Engagement von TV-Star Thomas Gottschalk als Werbegesicht erwies sich als Coup. Rund 22 Jahre ist Gottschalk schon dabei. Zu seinen Auftritten ertönt der jahrzehntealte Spruch: «Haribo macht Kinder froh - und Erwachsene ebenso.» Den zweiten Teil ersann Riegel selbst.

(chb/jev/sda)