Zum Wesen der Zeit gehört der Wandel. Selbiger ist in der Uhrenindustrie, die sich traditionsgemäss mit dem Messen eben jener Zeit beschäftigt, beinahe an der Tagesordnung.

Frage 1: Spielt Gesetz der Serie?

Gewiss, nach den grossen Übernahmeschlachten um die Jahrtausendwende wurde es einigermassen ruhig in der hiesigen Szene. Deshalb dürfte, ja müsste – den Gesetzen der Serie folgend – irgendwann wieder etwas passieren in der schweizerischen Uhrenbranche. Vor allem dann, wenn Aktionen schlichtweg Sinn machen. Gemeint ist damit das aktuelle Geschehen rund um die Genfer Marke Roger Dubuis.

Hier wurde von Seiten der Firmenleitung lange dementiert, dass überhaupt etwas im Busche sei. Im November 2007, die «Handelszeitung» berichtete darüber, veräusserte Roger Dubuis dann doch sein Manufaktur-Departement an den Richemont-Konzern. Mit im Paket waren neben dem Gebäude und dem hypermodernen Maschinenpark auch 200 qualifizierte Mitarbeiter, die seither auf der Richemont-Gehaltsliste stehen.

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Gewisse Unklarheiten bestanden dem Vernehmen nach bei den Rechten am Spektrum von insgesamt 28 Roger-Dubuis-Kalibern, das vom einfachen Handaufzugswerk bis hin zum komplexen Doppeltourbillon reicht. Zudem übernahm Richemont bei dieser Gelegenheit auch den Vertrieb der Roger-Dubuis-Uhren im Mittleren Osten und den USA.

Frage 2: Weshalb ist es so ruhig?

Schon damals stand die Frage zu lesen, wann Roger Dubuis ganz unter die Richemont-Fittiche schlüpft. Denn die Marke würde ausgesprochen gut ins dortige Portfolio passen, allein schon gestalterisch decke sie ein völlig anderes, von Richemont bislang noch nicht beackertes Marktsegment ab, wird immer wieder behauptet.

In besagter Angelegenheit zeigte und zeigt sich Richemont aber kommunikativ verschlossen wie eine Auster. Anderseits mehren sich nun doch die Anzeichen dafür, dass der Roger-Dubuis-Deal in Bälde zu einem guten und umfassenden Ende kommen wird. Will heissen: Marke und Manufaktur Roger Dubuis gelangen vollständig und damit zu 100% ins Richemont-Portfolio. Sollte es so kommen – dafür spricht in der Tat einiges – wäre das eine ausgesprochen sinnvolle Entscheidung.

Eines der Pro-Argumente, dass der Kauf vielleicht schon zum Genfer Uhrensalon SIHH publiziert wird, ist auch im beharrlichen Schweigen aus dem Roger-Dubuis-Headquarter zu sehen. Dort zeigte man sich gegenüber Anfragen nach Informationen zu neuen, während des SIHH debütierenden Uhrenmodellen bislang immer ungemein aufgeschlossen. 2008 blieben Anrufe und schriftliche Anfragen hingegen ohne Resonanz. Keine Antwort ist eben auch eine Antwort.

Frage 3: Was macht Carlos Dias?

Firmengründer und CEO Carlos Dias, auch das war gelegentlich hinter vorgehaltener Hand zu hören, würde seine unbändige Uhrenleidenschaft im Falle des Falles fortan in einer eigenen Marke stillen. «Uhren haben es mir schon immer angetan. Und ich bekam zum richtigen Zeitpunkt die richtige Gelegenheit», bekundete er Anfang 2007 gegenüber der «Handelszeitung». Sein diesbezügliches Engagement hat der gebürtige Portugiese keine Minute lang bereut. «Trotz gelegentlicher Enttäuschungen habe ich mich so sehr in die Schweiz verliebt, dass ich rückblickend alle beruflichen Herausforderungen in positivem Licht sehe.» Dias schwärmt gar: «Was ich hier tue, tue ich für meine drei Enkelsöhne. Ich bin kein Schweizer, aber meine Tochter und meine Enkel sind Schweizer wie der Gruyère.»

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Frage 4: Gibt es News am SIHH?

Somit darf man gespannt sein, was sich ab dem 7. April 2008 in den Genfer Messehallen rund um die Marke Roger Dubuis und die möglicherweise neuen Aktivitäten des Carlos Dias tun wird.

Im Zusammenhang mit diesen Geschehnissen stellt sich schliesslich auch die Frage, welchen Kurs Monsieur Roger Dubuis persönlich einschlagen wird. Findet er zurück zur Manufaktur, die seinen Namen trägt, oder bleibt er doch lieber Vartan Sirmakes verbunden?