Um zu unterstreichen, dass einerseits mit dem Modell S60 eine völlig neue Volvo-Generation auf die Strassen rollt, anderseits dazu parallel ein neuer Zeitabschnitt für den schwedischen Autohersteller beginnt, wählten die Designer für die neue Mittelklass-Limousine eine für die Skandinavier ungewohnte Linie. Das Design fällt erstens durch eine etwas flachere Fahrzeug-Silhouette auf, zweitens konnten die Verantwortlichen nicht widerstehen, die Karosserie coupéförmig auszubilden, wie das heute immer stärker in Mode kommt.

Der S60 ist ein flottes, vielleicht sogar ein etwas zu schönes Auto, wie selbst die Präsidentin des Schweizer Volvo-Importeurs, Anouk Poelmann, einräumt. Auf eine entsprechende Bemerkung meint sie, dass am neuen Modell die typischen Volvo-Bügelfalten aus früheren Zeiten fehlten, die der Marke zahlreiche Liebhaber eingebracht hatten.

Gene von der Ex-Mutter Ford

Volvo baute nie Allerweltsautos, schon gar nicht, was die technische Ausrüstung betraf. Aber die Zeiten ändern sich. Immerhin haben sich die Designer bemüht, einen Wagen auf die Räder zu stellen, der trotz Mainstream-Tendenzen nicht mit irgendeinem x-beliebigen Konkurrenten zu verwechseln ist. Dennoch bleibt am S60 in dieser Beziehung einige Kritik hängen. Böse Zungen spotten, Bezug nehmend auf die ehemaligen Besitzverhältnisse, über den «schönsten Ford aller Zeiten», was sowohl die Kollegen der früheren Muttergesellschaft in den USA wie auch das Volvo-Management selbst nicht wirklich «amusing» finden.

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Unangetastet geblieben ist jedoch, auch unter der Ägide Ford, jene Eigenheit, mit der Volvo berühmt geworden ist: Die Sicherheitstechnologie. Zu ihr gehören - neben den längst gängigen Airbag-Systemen - im S60 neu Bremskraftverteiler, kombiniert mit Verstärker oder ABS, ein Überschlagschutz sowie eine Kurventraktions-Kontrolle. Besonders erwähnenswert ist zudem der völlig neu entwickelte Kollisionsschutz für Fussgänger wie für Fahrzeuge (siehe Kasten).

Interessante Motorentechnologie

Auch in der Motorenkonstruktion haben die Schweden für den S60 neue Wege beschritten, von denen jetzt die Chinesen profitieren. Auch auf diesem Gebiet hat Ford - wie ähnlich beim Design - ebenfalls Schützenhilfe geleistet, entstand doch der S60 noch zu Zeiten, als die Amerikaner das Sagen hatten.

Hervorzuheben ist der neu entwickelte 2-l-Vierzylindermotor mit Benzindirekteinspritzung. Es handelt sich hier um eine Technologie, an der die neuen Besitzer aus China besonderes Interesse bekunden. Das Triebwerk leistet 203 PS; sein maximales Drehmoment beträgt 300 Nm bei bereits 1750 U/min. Der Verbrauch wird vom Werk mit 7,9 l für 100 km angegeben.

Zudem sind ein weiterer Benziner und drei Dieselmotoren verfügbar. Vorgesehen ist für später zudem ein 1,6-l-Dieselmotor mit einem Verbrauch von lediglich 4,3 l und einem CO2-Ausstoss von 115 g/km, was unter der geplanten EU-Limite liegt. Als Leistung erbringt der Selbstzünder respektable 115 PS. Am oberen Ende der Motorenpalette ist ein Hochleistungsaggregat mit Turbolader und einer Leistung von 304 PS vorgesehen. Einige Motoren sind mit einem Allradantrieb kombiniert.

Die Motorenpalette für die Schweiz:

• 2.0T FWT (GTDi): 4-Zylinder- Benzinmotor, 6-Gang-Getriebe manuell, Frontantrieb, 203 PS;

• 3Liter T6: 6-Zylinder-Benzinmotor, Geartronic (Allrad), 304 PS;

• 2 Liter D3: Diesel, 5-Zylinder- Dieselmotor, Frontantrieb, 163 PS;

• 2,4 Liter D5: 5-Zylinder-Dieselmotor, Frontantrieb, 205 PS;

• 2,4 Liter D5: 5-Zylinder-Dieselmotor, Geartronic (Allrad), 205 PS.

Preise bewusst tief gehalten

Angesprochen auf mögliche Sparmassnahmen der neuen Besitzer aus China, gibt Volvo-Schweiz-Direktorin Poelmann zu bedenken, dass die Asiaten Volvo gekauft hätten, um vom technischen Wissen der Schweden zu profitieren und nicht um ausgerechnet im Safety-Bereich den Rotstift anzusetzen. Bereits bekannt ist die Preisspanne für den S60 in der Schweiz. Diese bewegt sich zwischen 46 000 und 66 800 Fr.