Bei der Cablecom gibt sich das neue Führungsteam um CEO Eric Tveter geläutert. Man werde das schlechte Image abstreifen und durch technische Innovationen Kunden gewinnen, verspricht Tveter. «Wir liefern, was wir versprechen», heisst die Devise des 50-jährigen Amerikaners.

Der Neuanfang soll mit den bestehenden Mitarbeitern gelingen - oder mit weniger. In den letzten Monaten wurden weitere 50 Stellen im Backoffice-Bereich ausgelagert, wie Tveter der «Handelszeitung» bestätigt. Diese Stellen standen schon im Dezember 2008 zur Debatte. Damals kündigte das Unternehmen an, bis zu 150 Kündigungen auszusprechen. In einem ersten Schritt wurden dann aber nach einem Konsultativverfahren mit den Gewerkschaften «nur» 53 Mitarbeiter entlassen. Weitere 50 Mitarbeiter könnten im Zuge der Umsetzung des Sparprogramms ihre Stelle noch im Verlaufe des Jahres verlieren, hiess es damals. Nun ist dieser Abbau vollzogen worden - «im Wesentlichen über natürliche Fluktuationen», wie Tveter betont.

13000 offene Fälle

Auch im Kundendienst, der in der Vergangenheit wiederholt durch mangelnden Service auffiel, müssen es die Bisherigen richten. Gemäss Tveter sei das aber kein Problem, denn die Anzahl der Kundentelefonate sei stark rückläufig. «Im August 2009 meldeten sich mit 250000 Anrufern nur noch halb so viele Kunden wie in der gleichen Periode des Vorjahres. Das ist auf die bereits eingeleiteten Verbesserungen zur Verhinderung von neuen Kundenfällen zurückzuführen.» Die Kinderkrankheiten als Folge der Umstellung der Informatik beim neuen Kundenverwaltungssystems habe man nun im Griff. Die Kundenzufriedenheit messe man, so Tveter, mit Hilfe des sogenannten Net Promoter Score, einem Faktor, der zeigt, wie viele Kunden ein Unternehmen weiterempfehlen. Und auch die Wartezeiten der Kunden am Telefon habe man um den Faktor 5 verkürzt , was einer durchschnittlichen Wartezeit von unter 1 Minute entspreche. Die Anzahl offener Reklamationen sei ebenfall stark gesunken, auf 13000, «aber jeder dieser Fälle ist natürlich einer zu viel». Man sei auf dem richtigen Weg, und all diese Indikatoren würden es zulassen, dass Cablecom im Frühling 2010 den alten Namen abstreife und sich neu UPC nennen werde. Die Marke UPC des Cablecom-Mutterhauses ist in der Schweiz derzeit zwar noch gänzlich unbekannt. Mit einer Werbekampagne werde man das im nächsten Jahr ändern und die neue Marke mit Inhalten füllen, sagt Tveter.

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Mit dem neuen Brand will Cablecom auch technologisch ein neues Zeitalter einläuten. Zwar baut die Kabelnetzbetreiberin im Gegensatz zur Konkurrentin Swisscom keine Glasfaserleitungen, sondern setzt auf die Weiterentwicklung ihres bestehenden Netzes (siehe Kasten). Mit dem neuen Übertragungsstandard, dem sogenannten Docsis 3.0, das Internet-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s ermöglicht, vermarket Cablecom die neuen Dienste unter dem Namen Fiber Power. Das ermöglicht beispielsweise das schnelle Streaming von Filmen. Gemäss Cablecom sind die Fiber- Power-Dienste ideal, wenn über mehrere PC im Haushalt gleichzeitig im Internet gesurft wird.

1 Milliarde ins Netz investiert

Vorerst sind die neuen Angebote in den Regionen Zürich, Bern und Winterthur verfügbar. Neukunden bekommen bei der Bestellung ein neues Modem mit mehr Leistung, bestehende Kunden erhalten dieses kostenfrei zugestellt.

Im Bereich des digitalen Fernsehen hat das Unternehmen im Grossraum Zürich zudem den neuen Dienst «Video on demand» eingeführt. Für 8 Fr. können Kunden die neuesten Filme per Knopfdruck während 24 Stunden ansehen. Ein schweizweiter Ausbau soll bis 2010 abgeschlossen sein.

Um Fiber Power zu ermöglichen, hat Cablecom gemäss Tveter in den letzten vier Jahren «über 1 Mrd Fr. in den Netzausbau investiert». Das Ergebnis sei ein «zukunftssicheres Netz, das bereits heute zu über 95% aus Glasfaser besteht und flexibel der steigenden Nachfrage angepasst werden kann».

Tveter wehrt sich dagegen, dass Cablecom in der Öffentlichkeit gerne als Milchkuh ihrer amerikanischen Besitzer dargestellt wird - dies, weil die Margen je nach Bereich höher sind als jene der Mitbewerber. Tveter: «Wir investieren jedes Jahr 25% unseres Umsatzes in die Infrastruktur.» Und er schiebt nach: «Das ist prozentual gesehen 10% mehr als die Swisscom investiert.»

Nachgefragt

«Infrastruktur mit Steuergeldern»
Der neue Cablecom-Chef Eric Tveter über Fiber Power und Glasfasertechnologie.

Wie viele Kunden wollen Sie innerhalb eines Jahres für die neu lancierten Fiber-Power-Dienste gewinnen?

Eric Tveter: Wir geben keine Zielgrösse bekannt. Aber im Gegensatz zu unseren Konkurrenten, die für die Glasfasertechnologie aufwendige Arbeiten vor Ort an ihrem Netz durchführen müssen, können wir schon jetzt Fiber-Power-Dienste in 70000 Gebäuden und 300000 Haushaltungen anbieten. Bis Ende 2010 wird es in der ganzen Schweiz verfügbar sein. Der Faktor Zeit steht also ganz klar auf unserer Seite.

Schweizweit können nur etwas mehr als zwei von drei Haushalten auf das Cablecom-Netzwerk zugreifen. Planen Sie in jenen Gegenden, in denen Sie nicht selbst präsent sind, Kooperationen im Bereich Glasfaser?

Tveter: In den wichtigen Agglomerationen der Schweiz sind wir selbst oder über Partnernetze präsent. Es ist denkbar, dass wir in Zukunft mit weiteren Kabelnetzbetreibern zusammenarbeiten. Hingegen ist eine Kooperation mit Anbietern von Glasfasertechnologie für uns derzeit kein Thema. Ich glaube nicht daran, dass sich die Glasfasertechnologie in abgelegenen Gebieten für Privatkunden durchsetzen wird.

Was halten Sie von der Zusammenarbeit zwischen regionalen Elektrizitätswerken und der Swisscom im Bereich Glasfasern?

Tveter: Ich bin etwas überrascht, dass einige Elektrizitätswerke mit Steuergelder 50% an eine neue Infrastruktur zahlen wollen, die aus heutiger Sicht vor allem von der Swisscom genutzt werden wird. Und für die Kunden ist heute noch sehr unklar, was sie bei Glasfasern konkret für eine Leistung bekommen werden.