Gerade mal 36 Jahre jung war Fritz Schiesser, als er 1990 vom Glarner Stimmvolk in den Ständerat gewählt wurde. Gut 17 Jahre später hat er Abschied vom Bundeshaus und der nationalen Politik genommen, um in Zürich sein Amt als Präsidenten des ETH-Rates anzutreten. Er wechselt mit einem weinenden und einem lachenden Auge: «In den Jahren sind unter der Bundeshauskuppe viele Freundschaften entstanden.» Handkehrum freue er sich auf die neuen Aufgaben inmitten eines faszinierenden Betriebes – eines Flaggschiffes im Bereich der Lehre und Forschung, wie Schiesser es nennt. «Und wer», fügt er an, «möchte auf solch einem Schiff schon nicht der Admiral sein?»

«Es kann nicht von Schaden sein, wenn an der Spitze der ETH jemand steht, der weiss, wie die Wege der Politik angelegt sind, gerade, wenn es um die Verteilung von Geldern geht», sagt der 53-jährige Bauernsohn, der einst wegen seines politischen Engagements eine akademische Laufbahn abbrach. Konkrete Ziele will Schiesser erst nach einer Phase des Einarbeitens öffentlich formulieren.

Schiesser ist lösungsorientiert

Es ruhen grosse Hoffnungen auf Schiessers Schultern. Sein Vorgänger, Alexander Zehnder, war wegen seiner Personalpolitik und der Geldmittelzuteilung in die Kritik geraten. Schiesser, der lösungsorientierte «Liberale» von ausserhalb, soll nun wieder für Ruhe im ETH-Betrieb sorgen – vor allem, was die Animositäten zwischen den Standorten Zürich und Lausanne anbelangt.

Anzeige

Der ETH-Rat ist das strategische Führungsorgan der Eidgenössischen Technischen Hochschulen Zürich und Lausanne sowie der Forschunsanstalten Paul Scherrer Institut (PSI), WSL, Empa, Eawag. Diese Institutionen erhalten jährlich rund 2 Mrd Fr. Bundesgelder. Schiesser sieht seine neue Aufgabe pragmatisch: «Ob in der Politik oder im Hochschulbetrieb, es sind immer Menschen, mit denen man zu tun hat.»