«BAD PRODUCT AWARD». Bei Coca-Cola weiss man, wie sich aus Wasser Geld herstellen lässt. Der weltgrösste Getränkekonzern ersann ein Getränk mit dem wohlklingenden Namen Dasani – ein Produkt, das Edelmarken wie Vittel oder Evian Konkurrenz machen soll. Nur ist Dasani nichts anderes als Leitungswasser, das Coca-Cola clever bewirbt und umgerechnet knapp 2 Fr. kostet.

Doch der Coup ging in Europa nicht auf. Verbraucherschützer entlarvten den PR-Schwindel, und im Jahr 2004 verbannten die britischen Behörden Dasani vom Markt. In die Schweiz, nach Deutschland und Frankreich gelangte das stille Wasser gar nicht erst. Anders in den USA, Brasilien, Argentinien oder Mexiko: Dort ist das hübsch verpackte Hahnenwasser heute ein Kassenschlager.Für ihre clevere Marketingstrategie heimste Coca-Cola nun einen Preis ein, den niemand haben will. Der Welt-Verbraucherverband Consumers International (CI), dem auch die Stiftung Warentest und der Verbraucherzentrale Bundesverband angehören, vergab den «International Bad Product Award» an Coca-Cola und mehrere andere Unternehmen. Mit der Spott-Trophäe, die in Sydney während des Weltkongresses der Verbraucherverbände erstmals verliehen wurde, kritisiert CI «verantwortungsloses Konzernhandeln». Und es traf nicht nur Coca-Cola, sondern auch das Frühstücksflocken-Imperium Kellogg’s und den Spielzeuggiganten Mattel.«Wir haben es hier mit Multimilliarden-Dollar-Unternehmen zu tun, die globale Marken darstellen und dazu verpflichtet sind, ehrlich, zurechnungsfähig und verantwortungsbewusst zu handeln», sagt CI-Generaldirektor Richard Lloyd. Zwischen Pflicht und Realität aber klafft eine Lücke. Die Liste der Nominierungen für den «Bad Product Award» zu lesen, ist für den Normalverbraucher ein Albtraum, die Begründungen für die Nominierung legen nahe, hier werde im grossen Stil getrickst und gemogelt, zum Nachteil der Kunden: Riskante Medikamente werden als Stresspille für Schüler vertrieben, Kinder führt man per Marketing subtil an kalorienreiche Dickmacher heran, Supermarktregale werden mit giftigem Spielzeug bestückt.

Mattel: «Besonders fahrlässig»

Als besonders fahrlässig brandmarkten die Verbraucherschützer Barbie-Hersteller Mattel, der hochgradig bleiverseuchtes Kinderspielzeug aus China in Umlauf brachte. Die Schuld für die Rückrufe aber schob Mattel seinen chinesischen Produzenten zu. Erst Wochen später gab er eigene Fehler zu. «Ein klassischer Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen», bilanziert CI. Kellogg’s hat recht vergräzt auf die Bad-Product-Nominierung reagiert. Die Konsumentenverbände werfen Kelloggs vor, stark gezuckerte Frühstücksflocken mit «hartnäckigster und überredender» Werbung bei Kindern beliebt zu machen und damit Übergewicht zu fördern. «Die Kampagne beruht auf veralteten Informationen», entgegnete eine Konzernsprecherin. «Kellogg’s hat bereits im Juni eine neue Kinder-Marketingstrategie angekündigt.» Weltweit wolle Kellogg’s jetzt ihre Standards für Werbung bei unter Zwölfjährigen überdenken.

Anzeige