Es herrscht Betrieb wie in einer Bienenwabe bei der Amag Teile und Zubehör (T+Z) im zürcherischen Buchs. Ein stetes Kommen und Gehen. Mit Bahn und Lastwagen werden Teile angeliefert, im Innern der Hallen gelagert, kommissioniert und wieder ausgeliefert. Täglich werden 14 000 Artikel aus einem Sortiment von 150 000 Positionen kommissioniert. Das ist auch nötig, denn das grösste Automobil-Unternehmen der Schweiz liefert jährlich gut 65 000 Personenwagen über das Händlernetz aus. In der Schweiz sind rund 880 000 Fahrzeuge der Marken VW, Skoda, Audi, Seat und VW Nutzfahrzeuge immatrikuliert. Was aber, wenn dringend ein Ersatzteil benötigt wird?

Die Amag T+Z sorgt für die Lieferung von Originalteilen und Zubehör an Geschäftspartner und Kunden. Von der Bremse bis zum Lichtsystem. Von der Radschraube bis zum elektronischen Steuergerät. Laufend kommen neue Teile hinzu, denn die Modellvielfalt der Marken wächst und wächst. Teile, deren Produktion und Lieferung vom Fahrzeughersteller geleitet und kontrolliert und deren pünktliche Lieferung garantiert wird.

Kurze Reaktionszeit

«Die Bedeutung eines solchen zentralen Ersatzteillagers ist aus Kundensicht enorm», sagt Jürgen Rammerstorfer von der Ralog Engineering AG. «Die Garagisten, Händler und Werkstätten wollen schliesslich kein Ersatzteillager vor Ort, weil das Kapital bindet. Das heisst aber auch, dass sie auf einen Partner angewiesen sind, der eine hohe Verfügbarkeit und kürzeste Reaktionszeit garantiert», so der Fachbeirat in der Gruppe «Kommissioniertechnik» von GS1 Schweiz, deren Mitglieder von GS1 kürzlich zu einem «Kommissioniertag» bei der Amag eingeladen worden waren.

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1957 wurde das damals 8000 m² grosse Zentral-Ersatzteillager in Buchs eröffnet. Die Ansprüche an Kapazität, Dienstleistungen und Logistik der T+Z nahmen über die Jahre hinweg zu, was dazu führte, dass die Nutzfläche des achtstöckigen Bürogebäudes und des an das Eisenbahnnetz angebundenen Lagers Schritt für Schritt auf 40 000 m² erweitert werden mussten. Beat Jaeggi, Leiter T+Z der Amag: «Die letzte grosse Erweiterungsetappe folgte von 2005 bis 2008: Das Ersatzteillager wurde für über 40 Mio Fr. ausgebaut und erneuert. Entstanden ist das modernste Lager der Schweiz. Es setzt hinsichtlich Kapazität, Automatisierungsgrad, Brandschutz und Infrastruktur Massstäbe.»

Einfach zu erreichen war das aber nicht. «Es war eine eigentliche Operation am offenen Herzen», sagt Heinrich Maurer, Projektleiter Logistik der Amag. «Die Lagerkapazitäten mussten erhöht werden, weil die bestehende Infrastruktur aus allen Nähten zu platzen drohte.» Die Zielvorgaben waren klar: Ein zentralisiertes und modular aufgebautes Lager, um die Aussenläger zu reduzieren. Zugleich musste bei der Kommissionierung eine Effizienzsteigerung erzielt werden bei gleichzeitiger Reduktion der Fehlerquellen.

Optimierungsbedarf

Zentrale Elemente des Ersatzteillagers sind das Hochregallager, die Behälterförderanlage sowie das Kleinteilelager. Das automatisierte Hochregallager HRL ist mit 25 258 Palettenstellplätzen, modernster Regalbedienung und Palettenförderanlage mit 1440 Palettenbewegungen pro Tag ausgerüstet. Die Kommissionierleistung beträgt 120 Picks in der Stunde. «Die Komplexität der Systeme hatte bei den Prozessen des Lagerverwaltungssystems Optimierungsbedarf zur Folge», erklärt Projektleiter Maurer, «der Schulungsaufwand wurde zudem teilweise unterschätzt.»

In der automatischen Behälterförderanlage BFA werden die Systembehälter auf einer über 1,6 km langen Förderstrecke über Rollen und Förderbänder zwischen Wareneingang, Kleinteilelager, Kommissionierplätzen und den Bereitstellungszonen am Warenausgang transportiert. Im automatisierten Kleinteilelager AKL schliesslich stehen 43 605 mit Original- und Zubehörteilen gefüllte Behälter bereit. Heinrich Maurer: «Bei der Betriebsaufnahme war in der Folge von mechanischen Problemen sehr viel Feintuning nötig.» Eine weitere Herausforderung: All die-se Infrastrukturprojekte mussten erstellt werden, ohne das operative Tagesgeschäft negativ zu tangieren.

Express-Lieferdienste

Tempi passati. Heute sind Tag und Nacht gesamtschweizerisch über 100 Lieferfahrzeuge im Einsatz. «Die Teile werden nach Abfahrtszeiten der Lieferfahrzeuge in der Bereitstellungszone/Spedition angeliefert, nach Kunden aussortiert und auf die verschiedenen Routen bereitgestellt», erklärt Bruno Stillhart, Leiter Logistik der Amag. Von Buchs aus werden die Regionallager in Bern, Biel, Lausanne, Lugano und Luzern angefahren, nach Lugano teils auch mit dem Nachtzug.

In Attikon, Kreuzlingen, St. Gallen, Pfäffikon, Chur, Samedan, Castione, Sierre, Genf, Basel und Birrfeld bestehen zusätzlich Umschlagplätze. Ab all diesen Regionallagern und Umschlagplätzen werden zweimal täglich Express-Lieferdienste zu den Kunden durchgeführt. Einheitlicher sieht es bei der Beschaffung aus, wie Logistikleiter Bruno Stillhart bestätigt: «Die Anlieferung aus dem Ausland erfolgt zu 50% mit der Bahn. Das sind rund 1000 Eisenbahnwagen jedes Jahr.»

Es läuft also rund. Für GS1-Kommissionierungsspezialist Jürgen Rammerstorfer ist mit dem Ausbau der Amag Teile und Zubehör heute ein Standard des modernen Lagers entstanden, für ihn ist das T+Z ein ideales «Shoppingcenter rund ums Auto». T+Z- Leiter Beat Jaeggi kann also zufrieden sein. Sein Blick streift am Schluss seines Referates anlässlich des GS1-Kommissionierungstages über die Karte der gut ausgelasteten Industrieanlage in Buchs und bleibt auf dem firmeneigenen Fussballfeld hängen - «notfalls hätten wir ja noch etwas Landreserve».