Trotz der stark eingetrübten Aussichten für die Baukonjunktur erwarten Sie für das Gesamtjahr einen leicht höheren Gewinn als im Vorjahr, also über 56 Mio Fr. Woher kommt die Zuversicht?

Edgar Oehler: Das 1.Halbjahr läuft erfahrungsgemäss immer schlechter als das 2. Halbjahr. Zudem wissen wir sehr genau, was mit Blick auf die Verkäufe jetzt im restlichen Jahr noch alles laufen wird.

Alles ist nicht vorhersehbar. Wo sehen Sie die grössten Risiken, die Ihre bereits nach unten revidierten Ziele bedrohen?

Oehler: Die Rohmaterialpreise und auch die Zinsen dürfen nicht massiv steigen, und auch auf den Finanzmärkten wie in der Politik darf nichts Drastisches passieren.

Spätestens 2009 strebten Sie eine Ebit-Marge von 8% an, sagten Sie vor zwei Jahren der «Handelszeitung». Jetzt liegt sie bei 5%. Wie realistisch ist Ihre Vorgabe noch?

Oehler: In der mittelfristigen Planung bleiben wir bei diesem Margenziel. Wir waren auch bereits auf gutem Wege, es zu erreichen, doch die explodierenden Materialpreise und die nachlassende Investitionsbereitschaft wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Auch bezüglich Umsatzwachstum haben Sie klare Ziele formuliert: 2012 möchten Sie die Umsatzgrenze von 2 Mrd Fr. knacken. Bleiben Sie dabei?

Oehler: Klar beeinflusst das, was seit einem Jahr auf den Finanzmärkten geschieht, das Investitionsklima merklich. Trotzdem halten wir auch an diesem Ziel fest.

AFG erzielt 70% des Umsatzes in der Schweiz und Deutschland. Das Klumpenrisiko wollen Sie seit geraumer Zeit reduzieren. Auf wie viel Prozent und bis wann?

Oehler: Wir lagen mal bei 80% und sind jetzt bei 70%. In Zukunft werden Osteuropa, die östlichen Länder und Fernost wichtiger. Wir haben deshalb ein Werk in der Slowakei gekauft und in China ein regionales Headquarter eingerichtet.

Wie stark soll diese Region im Gesamtjahr umsatzmässig wachsen?

Oehler: Das Geschäft mit Küchen, Heiztechnik und Sanitär läuft dort jetzt schon über Erwarten gut. Im Moment bauen wir in China ein Werk für die Oberflächentechnologie. Wenn es die Produktion aufnimmt, erwarten wir einen kräftigen Schub. Ab 2010 können wir in der Region Asien-Pazifik zweistellig wachsen.

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Sie expandieren aggressiv. Wo liegen die Risiken?

Oehler: In der Unmöglichkeit, die weitere Entwicklung der Finanzmärkte genau abzuschätzen. Und natürlich gibt es die zyklischen Risiken. Das schnelle Wachstum hingegen können wir verkraften, dank unseren schlagkräftigen und rasch handlungsfähigen Divisionen.

Die Baukonjunktur in den Hauptmärkten Deutschland und Schweiz schwächelt. Welche Signale empfangen Sie von diesen Märkten für das Gesamtjahr?

Oehler: Obwohl in Deutschland nur noch geringes organisches Wachstum möglich ist, gewinnen wir dort in bestimmten Bereichen immer noch Marktanteile. In der Schweiz sieht es nach wie vor recht gut aus. Das Zinsniveau ist vergleichsweise immer noch tief, die Investitionsbereitschaft ? vor allem in energiesparende Produkte ? ist hoch. Hinzu kommen ein grosser Renovationsbedarf bei den Immobilien und eine nach wie vor rege Wohnungsnachfrage in den städtischen Gebieten.

Sie haben im Frühjahr ein Kostensparprogramm initiiert. Wie gut greifen die Massnahmen bereits?

Oehler: Das Programm ist am Laufen, und die getroffenen Massnahmen zeigen die gewünschte Wirkung. Unter anderem haben wir den Gesamteinkauf reorganisiert, und 150 Stellen werden wir nicht mehr besetzen, ohne deswegen aber grundsätzlich Leute zu entlassen. Von «low performern» muss man sich aber immer trennen.

Sie haben für 40 Mio Fr. ein neues Headquarter in Arbon errichten lassen. Angesichts der jetzt schwächelnden Märkte eine Investition zur Unzeit?

Oehler: Nein! Der Entscheid war richtig, und er ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Dazu gehört auch, dass wir hier in Arbon unsere Baulandreserven weiter aufgestockt haben, sodass wir auch am Hauptsitz weiter mit Fabriken wachsen können.