Jahr für Jahr ein wenig mächtiger: 47 662 664 Aktien besitzen die Familien Schindler und Bonnard am Liftbauer – 1105 Aktien mehr als im Jahr zuvor. 71,1 Prozent sind das, eine klare Mehrheit. Und doch noch nicht genug, wenn es nach Patron Alfred Schindler geht, der die Firma rund 40 Jahre lang geführt hat. Ein intimer Firmenkenner verriet BILANZ vor Jahren den Langfristplan des Patrons. Sein Ziel sei es, allein – also ohne die Aktien anderer Familienmitglieder – über 50 Prozent der Stimmrechte zu sammeln. Ob er schon so weit ist, ist nicht bekannt: Zum Verhältnis der Aktien­anteile der beiden Familienzweige gibt er keine Auskunft.

Die Frage ist nur: Was will Schindler mit der absoluten Mehrheit für seinen Zweig? Denn seinen Kindern Caroline und Paul Schindler wird nicht zugetraut, das Zepter zu übernehmen. Bezeichnen­der­weise ist es der Bonnard-Zweig, der mit Carole Vischer und ­Tobias Staehelin zwei Vertreter im Board hat. Alfred Schindler wollte auf Anfrage von ­BILANZ keine Stellung nehmen.

Alfred Schindler

Alfred Schindler: Der Patron sammelt weiter Aktien für seinen Familienzweig.

Quelle: Luzerner Zeitung AG

Zeichen stehen auf Abwehr

Kein Wunder, dass es angesichts der unklaren Lösung immer wieder zu Spekulationen kommt. Jüngst etwa durch die italienische Zeitung «Il Sole 24 Ore», die schrieb, Konkurrent Otis wolle Schindler übernehmen. Die Schweizer dementierten vehement: «Völlig unbegründet.»

Die Nachfolge zu lösen, indem man sich verkauft, entspricht in der Tat wenig dem Schindler-Denken. Im Gegenteil: Alle Zeichen stehen auf Abwehr. Seit Jahren kritisiert wird etwa die Zweiklassengesellschaft mit stimmberechtigten Namenaktien und stimmrechtslosen Partizipationsscheinen.

Auch wenn der Patron das Präsidium inzwischen an Silvio Napoli weitergegeben hat, ist er im Rat weiter dominant. Spätestens 2022 muss er aber raus, denn dann ist die Alterslimite von 73 Jahren erreicht. Auf die Antwort, was danach kommen wird, wartet der Markt weiter.

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Silvio Napoli, CEO der Schindler Holding, spricht an der Medienbilanzkonferenz der Schindler Holding vom Freitag, 12. Februar 2016 im Hotel Palace in Luzern. .(KEYSTONE/Urs Flueeler)

Silvio Napoli: Der ehemalige CEO hat Alfred Schindler 2017 auf dem Präsidentensessel abgelöst.

Quelle: Keystone