Hedge-Fonds geraten mit Fehlspekulationen und undurchsichtigen Rollenspielen bei Firmenfusionen immer wieder negativ in die Schlagzeilen. Trotzdem, dieser junge Wirtschaftszweig blüht. Das zeigt eine erste umfassende Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu den Single-Manager-Hedge-Fonds in der Schweiz.

Studienleiter Professor Peter Meier bestätigt den Befund aus früheren Erhebungen: «Bei den Single-Manager-Hedge-Fonds hinkt die Schweiz dem grossen europäischen Zentrum London hintennach, aber die Wachstumschancen sind intakt.» Das ist auch kaum erstaunlich. Der weltweit gewichtigste Platz für die Vermögensverwaltung drängt sich für das Alternativinvestment Hedge-Fonds geradezu auf. Allerdings: Die tendenziell konservativ ausgerichteten Schweizer Privatbankiers haben in der Vergangenheit vor allem die risikoärmeren Dachfonds (Funds of Hedge Funds) forciert, die ihr Geld auf verschiedene Single-Manager- Hedge-Fonds verteilen. Das hat die Schweiz mit einem Marktanteil von 30% in diesem Segment zum globalen Leader gemacht.

Druck auf Dachfonds

Die Zukunft gehört jedoch nach Meinung der Studienteilnehmer den Einzelfonds, die sich zu zwei Dritteln auf traditionelle Arbitrage- und Trading-Techniken abstützen. Demgegenüber wird den Dachfonds ein äusserst kompetitives Umfeld prophezeit. Die Funds of Hedge Funds von minderer Qualität würden zu wenig Wert generieren, und die Gebühren seien zu hoch, weil der Investor praktisch zweimal eine Abgabe zu entrichten habe. Je transparenter sich das Reporting für die Dachfonds gestalte, umso mehr würden die heute komfortablen Einnahmequellen für die Manager unter Druck geraten.

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Anders sieht es bei den Single-Manager-Hedge-Fonds aus, die vom Trend zu einer starken Diversifikation in der Asset Allocation profitieren. Die Befragten erwarten, dass sich das Wachstum in diesem Markt über die nächsten drei Jahre trotz der aktuellen Finanzkrise beschleunigen wird. Bei diesen Einzelfonds hat sich die Schweiz als Nummer drei auf dem Alten Kontinent eine verheissungsvolle Position aufgebaut (siehe Kasten). Sie liegt mit einem Marktanteil von 2,7% knapp hinter Frankreich (4,7%), aber meilenweit vom dominanten London entfernt, das vier Fünftel dieser Geschäftssparte beherrscht. Roman Aschwanden, Head of Portfolio Management bei GAM (Schweiz), gibt sich überzeugt, dass Expansionsmöglichkeiten bestehen, wenn sich das Umfeld verändert: «Die Steuern und Regulierungen sind freundlicher zu gestalten.»

Bei den europäischen Fondsauflegungen wurden im letzten Jahr 10% durch Schweizer Fondsmanager getätigt. Das stimmt GAM-Anlagechef Aschwanden optimistisch: «Eine erfolgreiche Entwicklung wird für mehr Arbeitsplätze in diesem Sektor sorgen.» Es gilt aber nicht nur die Steuernachteile gegenüber London abzubauen, auch bei der Nachwuchsförderung ist anzusetzen. Die Befragten beklagen einen Mangel an talentierten Bankern. Rund die Hälfte der Fondsmanager stammt aus dem Ausland. Insider verweisen darauf, dass sich häufig einzelne Manager von Fondsgesellschaften in London trennen, um in der Schweiz einen eigenen Single-Manager-Hedge- Fonds aufzubauen. Die Eintrittsgebühren sind bei uns im Vergleich zur Themsestadt relativ niedrig.

Steuererleichterungen

Im Bereich der Steuern und Abgaben sind es verschiedene Komponenten, die als Mix günstiger zu gestalten sind. Das beginnt mit den Einkommenssteuern, geht über die Mehrwertsteuer bei der Management Fee und endet bei der Verrechnungssteuer für die Dividenden. Eine erste Erleichterung gibt es ab 2009: Dank der Unternehmenssteuerreform kommt ein niedriger Satz zur Anwendung, wenn der Vermögensanteil 10% oder mehr beträgt. Damit der Finanzplatz Schweiz für die Single- Manager-Hedge-Fonds noch attraktiver wird, müssen die Einkommenssteuern insgesamt auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau kommen, sagen die Studienteilnehmer.

Die Finanzplatz-Initiative, angestossen von der Bankiervereinigung, dem Versicherungsverband und dem Anlagefondverband, bemüht sich derzeit intensiv um bessere Rahmenbedingungen. Mit der Steuerverwaltung konnte jüngst eine wettbewerbsfähige Lösung gefunden werden. Das vor knapp zwei Jahren in Kraft getretene Kollektivanlagengesetz (KAG) bietet Raum für verschiedene neue Anlagevehikel. Das allein jedoch genügt nicht. «Wir haben interessante Instrumente, aber wir sollten noch mehr tun», sagt Matthäus Den Otter vom Fondsverband.