Gewisse politische Kreise sehen in den alpenquerenden Rollenden Autobahnen (Rola) die alleinige Lösung für die angestrebte Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene. Engagierte Verfechter des Unbegleiteten Kombinierten Verkehrs (UKV) erachten sie dagegen als wenig effizient und zu kostspielig. Die Realität befindet sich irgendwo zwischen den Extrempositionen, schliesslich entsprechen die gut verlagerten 80000 Sendungen des letzten Jahres rund 10% des gesamten alpenquerenden Kombinierten Verkehrs. «Wir erbringen mit einem Schweizer Produkt für die europäischen Strassentransporteure eine Leistung im Dienste der Entlastung unserer sensiblen alpinen Umwelt», hält RAlpin-Geschäftsführer René Dancet fest. Daher fährt die erst seit Juni 2001 operativ tätige und im Besitz von BLS, Hupac, SBB Cargo und Trenitalia stehende RAlpin AG mit Sitz in Olten beharrlich und erfolgreich einen stetigen Wachstumskurs.

Eingeschränktes Angebot 2007

Mit einer Auslastung der angebotenen Stellplätze von deutlich über 90% beförderte jede Rola auf ihren Tragwagen im Durchschnitt 16 Strassensendungen, bestehend aus einem Lastenzug mit Anhänger, einem Lastwagen oder einem Sattelauflieger. 2007 verkehrten täglich 18–20 Züge zwischen den Terminals von Novara und Freiburg im Breisgau. Die Nachfrage seitens der Strassentransporteure boomt: «An Spitzentagen müssen wir leider bis zu 50 Sendungen zurückweisen», bedauert Dancet, «und einige Unternehmen fragen gar nicht mehr an, weil wir nahezu immer ausgebucht sind.» In mehreren Schritten fuhr RAlpin die Zahl der Züge hoch und erreicht nun seit Mitte Januar 2008 elf Paare. Weiteres Potenzial ergibt sich durch die laufend verlängerten Kompositionen. Da im letzten Jahr die Instandhaltung der speziellen Niederflur-Tragwagen mit ihren kleinen Rädern und acht Achsen ins Stocken geriet, lag die durchschnittliche Zuglänge nur bei 16 Fahrzeugen.

Mittlerweile ist der Wartungsrückstand aufgeholt und die Züge bestehen aus bis zu 20 Tragwagen plus den Begleitwagen für die mitreisenden Chauffeure. Eng wird es nun auf dem Abschnitt Domodossola – Novara, der teilweise nur einspurig ist. Auch die Terminalkapazität im Norden genügt kaum mehr. Dancet ist daher seit einiger Zeit auf der Suche nach zusätzlichen Kapazitäten aus der oberrheinischen Tiefebene nach Norditalien. Entscheidend bei der Wahl einer neuen Verbindung ist die ausreichend lange Dis- tanz, damit die Lenker die Fahrt im Zug voll als Ruhezeit nützen können.

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Massvolle Steigerungen

RAlpin strebt eine schrittweise Erhöhung der Rola-Kapazitäten durch die Schweizer Alpen an, von rund 100000 Strassensendungen im laufenden Jahr auf 160000 im 2011 und 250000 im Jahr 2015 (wovon 50000 durch den Gotthard). Das setzt das Führen von Zügen mit 25 Tragwagen voraus, was ein Aufstocken der 320 Wagen umfassenden Rollmaterialflotte bedingt. Zurzeit werden die 20 Begleitwagen umfassend revidiert und erhalten bei der Gelegenheit auch ein neues Erscheinungsbild. Angedacht sind die Begleitung und ein Catering an Bord, um den Komfort und die Sicherheit für die Lastwagenfahrer zu steigern sowie den Vandalismus zu vermeiden.

Lange als Einstieg- und Umsteigehilfe von der Strasse auf die Schiene propagiert, visiert RAlpin heute den Transport von Gütern an, die sich nicht für den konventionellen Wagenladungsverkehr oder den Unbegleiteten Kombinierten Verkehr (UKV) mittels Container und Wechselbrücken eignen. Einerseits, weil die Strassenfahrzeuge nicht kranbar sind und somit nicht auf UKV-Züge geladen werden können, anderseits wegen ihrer Wertigkeit (Luftfracht und Hightech-Produkte), oder wenn es sich um temperaturgeführte Güter handelt. «Die Zahl der sinnvollen Transporte auf der Rollenden Autobahn ist zwar hoch, aber nicht unendlich», ist RAlpin- Geschäftsführer Dancet überzeugt. «Die angestrebte Viertelmillion verlagerter Strassensendungen Mitte des nächsten Jahrzehnts erachten wir als realistisch, bezogen auf die Nachfrage kurz vor Eröffnung des Gotthard-Basistunnels.»