In Krisenzeiten sinkt die Halbwertszeit von Strategien besonders rasch. Jüngstes Beispiel ist die Zürcher Privatbank Julius Bär, die sich vor knapp vier Jahren nach einer lautstark inszenierten 6-Mrd-Fr.-Akquisition als «pure» Vermögensverwalterin vermarktete. Als Bär im September 2005 zum grossen Sprung ansetzte und von der UBS die Firma GAM und drei kleinere Privatbanken erwarb, stand Grösse im Zentrum. Über 300 Mrd Fr. Vermögen würde die dritte Kraft von Swiss Banking verwalten, hiess es.

Tempi passati. «2005 war das Argument der Grösse wichtiger für uns», sagt Kommunikationschef Jan Bielinski heute zum damaligen Anspruch. «Doch in der Finanzkrise hat dieses stark an Bedeutung verloren. ‹Big is not beautiful anymore›, könnte man sagen.»

Zugpferd gerät unter die Räder

Jetzt wird GAM, ein Assetmanager oder Fund of Hedge Funds, vom Bär-Konzern abgespalten. GAM ist in der Finanzkrise besonders stark unter die Räder geraten. Von Mitte 2007 bis Ende 2008 sind die von GAM verwalteten Vermögen von 93 Mrd auf 42 Mrd Fr. eingebrochen. Im Privatbankenteil hielt sich der Einbruch mit einem Minus von 154 Mrd auf 128 Mrd Fr. hingegen in Grenzen.

Die letzte Woche angekündigte Zweiteilung kommt an der Börse bisher gut an, der Bär-Kurs stieg von unter 44 auf über 46 Fr. Trotzdem kann Bankenanalyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank keinen grossen Wurf hinter der Zweiteilung von Bär erkennen. «Die Transaktion bringt einen gewissen Mehrwert, das schon», sagt er. «Aber für eine fundamentale Neubewertung von Julius Bär sehe ich keinen Grund.»

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Die Skepsis erstaunt nicht. Mit der Aufsplittung wird nämlich klar, dass die ab 2005 verfolgte Strategie gescheitert ist. Noch Mitte 2007 machte der damalige Gruppen-CEO Hans de Gier dem Personal von Julius Bär in einem Schreiben klar, wie wichtig die enge Kooperation zwischen Vermögensverwaltung und GAM sei. Die «Synergien zwischen GAM und Privatbank sind sehr beträchtlich und zunehmend», meinte de Gier damals.

Seither sind noch nicht einmal zwei Jahre vergangen, und alles klingt anders. Ein Grund ist, dass GAM nur etwa 10 statt der einst anvisierten 20% seiner Erträge mit Privatkunden von Julius Bär erzielt - weniger als mit Kunden der UBS, zu welcher GAM bis 2005 gehörte. Auf Besserung hoffte Bär zuletzt vergebens. «Wesentlich mehr Synergien», sagt Sprecher Bielinski, «wären nur noch bedingt möglich gewesen.»

Nun soll GAM als Stand-alone in der verwüsteten Hedge-Fondslandschaft zum neuen Ankerplatz werden. Das, so anerkennt Analyst Venditti, geht besser ohne Link zur Privatbank und damit zur ganzen Problematik des Bankgeheimnisses. «Ein allfälliger Ausbau von GAM in den USA kann neu ohne Rücksicht auf die Interessen der Privatbank stattfinden.»

Kommt eine klare Strategie?

Der steigende Kurs mag ein positives Signal sein. Doch die Frage bleibt, ob mit der Aufsplittung die lange Phase der Hüst-und-Hott-Politik bei Julius Bär beendet werden kann. Anfang 2008 baute der von Konkurrentin ClaridenLeu geholte Beat Wittmann das Fondsgeschäft innerhalb des Privatbankenbereichs auf. Zu diesem Zweck wurden die im Asset Management Europe zusammengefassten Fonds von GAM zur Privatbank verschoben. Als die «Produktefabrik» wenig später zu- und Wittmann von Bord ging, landete das Geschäft wieder bei GAM.

Ähnliches passierte mit einer Tochter namens Augustus Asset Managers. Sie entstand Anfang 2007 als Management Buyout von Julius-Bär-Leuten, die in London unter eigenem Namen Fonds ihrer Ex-Bank vertrieben. Das Abenteuer wurde teilweise mit Geld von Julius Bär lanciert, nur um es diesen Frühling abzubrechen. Seither werden die 8 Mrd Dollar Assets von Augustus durch GAM verwaltet.