Passender hätte das Schwerpunktthema des «Swiss Innovation Guide 2010» nicht gewählt sein können: «Grüne Energie». Die 116-seitige Beilage der «Handelszeitung» erschien pünktlich zum vierten Swiss Innovation Forum vom 5. November 2009 in Basel, an dem das neue Modewort Clean Tech im Zentrum vieler Referate und Diskussionen stand.

Ebenso an der diesjährigen Innovationskonferenz, die parallel zum Swiss Innovation Forum zum zweiten Mal von Bundesrätin Doris Leuthard einberufen worden war. Als Sofortmassnahme des Gipfeltreffens von namhaften nationalen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft kündigte die Wirtschaftsministerin den «Masterplan Clean Tech Schweiz» an, der aber bis Ende des nächsten Jahres erst noch mit Inhalt gefüllt werden muss.

Schweiz soll Leuchtturm sein

«Clean Tech ist für unser Land eine Chance, um viele neue und tolle Arbeitsplätze zu schaffen», erklärte die Vorsteherin des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) an der eigens einberufenen Pressekonferenz in Basel, die am Tag ihres Arbeitsbesuchs in Rom auf ein eher geringes Medienecho stiess.

Anzeige

Trotzdem konnte Bundesrätin Leuthard zu verstehen geben, weshalb ihr Clean Tech auf einmal so wichtig ist: «Bei diesem Thema denken die meisten Leute in erster Linie an erneuerbare Energien sowie an Energieeffizienz. Wir verstehen es als wachsendes Wirtschaftssegment, das viel breiter gefasst ist und bis hin zur Energiewirtschaft reicht.» Wobei es darum gehe, Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

Die Ambition beziehungsweise Vision von Bundesrätin Doris Leuthard ist, dass die Schweiz im Clean-Tech-Bereich global als Leuchtturm wirken soll. Sie denke aber nicht, dass die Schweiz im weltweiten Vergleich generell den Anschluss verpasst habe, sondern nur vereinzelte Lücken geschlossen werden müssten - wie man dies im Solarbereich bereits getan habe.

Aus diesem Grund sei der «Masterplan Clean Tech Schweiz» verabschiedet worden. Darin sollen Massnahmen von Bund, Kantonen und Privaten im Clean-Tech-Bereich übersichtlich dargestellt werden. Der zu erarbeitende «Masterplan Clean Tech Schweiz» wird vier Schwerpunkte ausleuchten:

Erstens soll im Nachschlagewerk gebündelt werden, wer wo was unternimmt, welche Lücken noch zu schliessen sind und wo sich Partnerschaften anbieten.

Zweitens muss die Aus- und Weiterbildung derjenigen, die Innovationen im Clean-Tech-Bereich umsetzen, angepasst werden. Es gilt abzuklären, wo qualifizierte Clean-Tech-Fachkräfte nötig sind und wo existierende Bildungsgänge ergänzt werden müssen.

Drittens können im Clean-Tech-Bereich tätige KMU bei der Förderagentur für Innovation (KTI) bald den Innovationscheck Clean Tech beantragen. Dieser berechtigt zu Leistungen in Forschung und Entwicklung (F&E) im Wert von jeweils 7500 Fr. bei Hochschulen oder öffentlichen Forschungseinrichtungen. Für diese Massnahme steht 1 Mio Fr. zur Verfügung.

Viertens schliesslich wird von der Osec eine Exportplattform Clean Tech eingerichtet, die Jungunternehmen den Zugang zu Exportmärkten erleichtert. Die Plattform wird im Rahmen der mit der dritten Phase der Stabilisierungsmassnahmen des Bundes angekündigten Exportförderung realisiert.

Swisscleantech mahnt bereits

Der neue Wirtschaftsverband Swisscleantech (siehe Kasten links) hat bereits eine Meinung: «Die vorgestellten Massnahmen zielen in eine gute Richtung», teilt er mit. Er fügt aber hinzu: «Swisscleantech erachtet zwei nicht erwähnte Empfehlungen als wichtig. Damit sich Produkte und Dienste durchsetzen können, muss der Binnenmarkt für Clean-Tech-Lösungen gestärkt werden. Zudem ist zu beachten, dass eine grosse Stärke der Schweiz bei systemorientierten Lösungen zu finden ist», so der Verband.



Neuer Wirtschaftsverband geht mit Piccard an den Start

Bertrand Piccard, Initiant sowie Patron von Solar Impulse, machte während seines engagierten Referats am Swiss Innovation Forum vom 5. November 2009 in Basel einen interessanten Nebensatz: «Ich werde Pate der Swisscleantech Association.» Genauer gesagt ist er der Präsident des Patronatskomitees des im Aufbau befindlichen Wirtschaftsverbands. Ihm zur Seite steht als erstes und noch einziges Mitglied dieses Gremiums Patrick Aebischer, Präsident der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL).

Der Wirtschaftsverband, der sich als Sprachrohr der Schweizer Clean-Tech-Unternehmen jeder Grösse und jeder Branche sieht, wird offiziell am 7. Dezember 2009 lanciert - dem letzten Montag der Wintersession des Schweizer Parlaments und dem ersten Montag des Weltklimagipfels in Kopenhagen. Die angeschlossenen Mitgliederfirmen der ersten Stunde, die ebenfalls am 7. Dezember 2009 publik gemacht werden, planen, sich mit einem offenen Brief an die Parlamentarier zu outen.

Der neue Wirtschaftsverband definiert seine Kernaufgaben wie folgt: «Swisscleantech setzt sich als Mitgliederorganisation für eine führende Rolle der Schweizer Clean-Tech-Wirtschaft und für die parallele internationale Anerkennung der Schweiz als Land der Nachhaltigkeit ein. Die Rolle des Wirtschaftsverbands liegt hauptsächlich bei der politischen Interessenvertretung.»

Treibende Kraft und Vorstandsvorsitzender von Swisscleantech ist Nick Beglinger, CEO der Foundation For Global Sustainability (FFGS) in Zürich. Zu seinem neuen Engagement sagt er: «Die Zeit für eine neue, nachhaltige Stimme der Schweizer Wirtschaft ist mehr als reif.» Ähnlich sieht es der Pate Bertrand Piccard: «Nach Tunnels und Staudämmen oder Banken und Versicherungen, die uns reich gemacht haben, braucht die Schweiz eine neue Nische, die sie besetzen kann - diese heisst Clean Tech.»(ncb)