Der Bundesrat geht bei der Kampfjet-Beschaffung ans zeitliche Limit: Im kommenden August will er definitiv darüber entscheiden, ob die Schweiz neue Flugzeuge kauft. Sagt der Bundesrat dann Ja, schafft es das Geschäft gerade noch ins Rüstungsprogramm 2011. Das muss es auch, denn die Kaufofferten der drei Flugzeughersteller sind nur bis am 31. Dezember 2011 gültig.

Was aber, wenn die Regierung im August zum Schluss kommt, dass die Jets erst später gekauft werden? Dann wird es für den Bund teuer.

Hersteller mit aufwendiger Show

Die drei Hersteller, die mit ihren Flugzeugen Gripen, Rafale und Eurofighter um den Schweizer Auftrag buhlen, haben sich die Show vor den Entscheidungsträgern einiges kosten lassen. Insidern zufolge investierte jeder der Hersteller rund 20 Mio Fr. - die Jets waren für die Tests wochenlang mit einem stattlichem Tross an Begleitpersonal in der Schweiz zu Gast. Wird der Kaufentscheid verschoben, treffen die neuen Jets später ein - verfügen dann aber über neue Technologien. Denn während der Bundesrat nachdenkt, entwickeln die Hersteller ihre Produkte stetig weiter. Deshalb auch sind die Offerten der Anbieter nur bis Ende 2011 gültig und verfallen anschliessend.

Der Gripen und der Eurofighter etwa werden mit neuen Radaranlagen ausgerüstet sein. Rafale plant umfangreiche Software-Upgrades. Die Konsequenz: Neue Testflüge sind nötig, der Preis muss neu verhandelt werden. «Man kann nicht einfach in paar Jahren den Ordner aus dem Gestell nehmen und bestellen», bestätigt ein Kenner des Geschäfts.

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Die Anbieter, die an der aktuellen Ausschreibung teilnehmen, wollen in einer zweiten Runde wohl nicht mehr gratis testen lassen. Das ist aus dem Verteidigungsdepartment zu hören. Ein Hersteller redet Klartext: «Wir kommen nur für neue Tests in die Schweiz, wenn der Bund 50% der Kosten trägt.» In diesem Fall wären das 10 Mio Fr. - für nur einen Anbieter.

In den Medien war bereits darüber spekuliert worden, dass Verteidigungsminister Ueli Maurer das Kampfjet-Geschäft auf später verschieben will. Am 14. April hiess es, dass die Jets dem Sparprogramm zum Opfer gefallen seien. Der Bundesrat habe den Kaufentscheid auf die lange Bank geschoben. Maurer korrigierte umgehend («Ich will neue Flugzeuge») und bekräftigte, dass der definitive Entscheid im August falle.

Läuft der Beschaffungsprozess nach Plan, wird das erste Flugzeug 2015 eintreffen. Die weiteren Jets dürften im Abstand von jeweils ein oder zwei Monaten folgen. 2016/17 wäre der Beschaffungsprozess sodann abgeschlossen.

Folgen für Industrie

Käme es hingegen zu einem Beschaffungsstopp, hätte das auch Folgen für die Industrie. 2008 organisierten Swissmem und die welsche Schwesterorganisation GRPM sechs Anlässe, um Hersteller und die Schweizer Industrie zusammenzubringen. Die Firmen trafen zahlreiche Vorvereinbarungen, unterschriftsreife Verträge liegen vor. Wird der Jet-Kauf hinausgeschoben, sind auch die Offerten für die Kompensationsgeschäfte im Gesamtwert von bis 2,2 Mrd Fr. hinfällig.

Der Technologiekonzern Ruag, dem ebenfalls Kompensationsgeschäfte winken, gibt sich gelassen: «Zwar tangiert uns ein Überdenken des Entscheides heute nicht. Man muss aber beachten, dass der Unterhalt älterer Modelle immer teuerer wird, weil die Ersatzteile rarer werden», sagt CEO Lukas Braunschweiler. «Wir sind der Meinung, dass die Schweiz weiterhin moderne Flieger braucht.»