Von Friedrich Dürrenmatt stammt das ironische Bonmot, dass Gott den Schweizern, als er sie strafen wollte, Schweizer Wein gab. Inzwischen sind einige Jahre ins Land gegangen, und mit Sicherheit würde heute der Weinliebhaber Dürrenmatt nicht mehr die helvetischen Weine pauschal als «besonders grausames Gottesgeschenk» verspotten. Auch wenn nicht jeder Tropfen helvetischer Provenienz zu überzeugen vermag und - wie in anderen Weinbaugebieten - grosse Qualitätsunterschiede aus-zumachen sind, so sind die Zeiten, wo belanglose Massenweine das nicht eben gute Ansehen des Schweizer Weinbaus prägten, definitiv vorbei.

Einem Flickenteppich ähnlich

Mit rund 15000 ha Rebfläche ist die Schweiz ein zwar kleines, aber durch eine faszinierende Vielfalt geprägtes Weinland. Die unterschiedlichen topographischen und klimatischen Rahmenbedingungen sowie die eigenständigen kulturellen Traditionen prägen bis heute den Weinbau der verschiedenen Landesteile. In beinahe allen Kantonen werden Weintrauben kultiviert, selbst in den Bergkantonen Uri oder Glarus.

Neben den zusammenhängenden Rebflächen am Genfersee sowie am Neuenburger-, Bieler- und Murtensee (3-Seen-Land) sowie im Wallis existieren landauf, landab - einem Flickenteppich gleich - unzählige kleine und kleinste Rebparzellen. Nicht weniger als knapp 190, darunter auch etliche autochthone Traubensorten werden hierzulande angebaut. Zwar sind drei Viertel der Gesamtrebfläche mit den vier Leitsorten Pinot noir, Chasselas, Gamay und Merlot bestockt, doch gibt es kaum einen Winzer, der nicht auch noch einige Spezialitäten abfüllt.

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2008 verteilte sich die Jahresproduktion von 1,07 Mio hl praktisch je zur Hälfte auf rote und weisse Kreszenzen, wobei Letztere in den vergangenen Jahren deutlich an Terrain eingebüsst haben und weiterhin einzubüssen scheinen.

Markanter Qualitätsanstieg

Neben dem Überproduktionsschock der 1980er-Jahre, der Einführung von AOC-Richtlinien zu Ertrag und Alkoholgradation und der völligen Liberalisierung der Weinimporte per 1. Januar 2001 hat der hohe Professionalisierungs- und Ausbildungsgrad der neuen Winzergenerationen insgesamt zu einem markanten Qualitätsanstieg der hierzulande gekelterten Weine geführt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine stetig wachsende Gruppe von eher kleinen Produzenten, die mit ihren kompromisslosen Qualitätsbestrebungen bei der Bewirtschaftung ihrer Rebparzellen und bei der Kellerarbeit den Takt angeben. Ihre Weine ragen aus der Masse heraus und können sich problemlos mit internationalen Spitzengewächsen messen.