Die Ziele der allgemeinverbindlich erklärten Berufsbildungsfonds wurden gemäss einer Wirkungsanalyse, die der «Handelszeitung» vorliegt, grösstenteils erreicht. Seit Firmen in die Berufsbildungsfonds von inzwischen 13 Branchenverbänden mit Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) einzahlen müssen - auch solche, die keine Lehrlinge ausbilden -, steht den Verbänden mehr Geld für bessere Ausbildungsleistungen zur Verfügung.

Im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung (BBT) wurden 7326 von über 50000 betroffenen Betrieben plus die 13 involvierten Branchenverbände befragt. Finanziell werden die Berufsbildungsfonds der Verbände, welche seit 2004 möglich sind, dank AVE inzwischen zu rund 40% von Nichtverbandsmitgliedern gespeist. Die Einnahmen bewegen sich zwischen 140000 und 3,2 Mio Fr.

Von allen Betrieben (Verbandsmitglieder und Nichtverbandsmitglieder) sagten rund 65%, sie seien mit den Leistungen der Fonds zufrieden. 23% sind unzufrieden und 12% gaben keine Auskunft. Rund 26% der interviewten Unternehmensvertreter erkennen eine quantitative oder qualitative Verbesserung der Fondsleistungen in der Berufsbildung. 42% sehen keinen Unterschied zu vorher. Gegen 14% der Betriebe geben an, dass sie mehr Leistungen des Fonds nutzen als früher.

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Beim Amag-Konzern, der dem Branchenfonds des Automobil Gewerbe Verbands Schweiz (AGVS) angeschlossen ist, hat der 2007 eingerichtete Fonds noch keine spürbaren Auswirkungen auf die Lehrlingsausbildung. Der Branchenleader bilde konstant rund 750 Lernende aus, sagt Silvio Patriarca, Personalleiter von Amag Retail. «Die AVE ist noch jung, und es zeigen sich durch die Einführung bis heute noch keine feststellbaren Qualitätsverbesserungen», sagt er. Damit ein bemerkbarer Erfolg festgestellt werden könne, brauche es ein ausgewiesenes Konzept und einen klaren, aber zeitlich engen Fahrplan. Die Verbandsfirmen müssten konzeptionell eingebunden werden.

Solidaritätsbeitrag sinnvoll

Auch für die Ernst Schweizer AG hat die AVE des Fonds der Schweizerischen Metall-Union (SMU) keinen Einfluss auf die Anzahl angebotener Ausbildungsplätze, dennoch wird die AVE grundsätzlich befürwortet. «Ein Solidaritätsbeitrag von Firmen, die nicht ausbilden - obwohl sie dafür die Voraussetzungen erfüllten -, selber aber auch ausgebildete Fachleute rekrutieren, erscheint uns sinnvoll», sagt Nelly Fankhauser, Leiterin Berufsbildung bei der Ernst Schweizer AG. Die zwei Firmen sind jedoch grösser als die Mehrheit der Befragten. 73% der Umfrageteilnehmer haben weniger als zehn Beschäftigte.

Aus Sicht der 13 Berufsverbände sind die Veränderungen erheblich. Mehr als die Hälfte gibt an, sie habe ihre Tätigkeiten in der Berufsbildung ausgebaut, auch habe sich die Qualität der Leistungen merklich verbessert. Ausserdem konnte eine Mehrheit die Mitgliederbeiträge entweder senken oder stabil halten. Die SMU beispielsweise konnte die Mitgliederbeiträge um 20% senken, wie SMU-Direktor Gregor Saladin auf Anfrage erklärt.

Unter dem Strich haben die Fonds die Zahl der angebotenen Lehrstellen nur leicht erhöht. Drei Berufsverbände geben an, dass in ihrer Branche mehr Lehrstellen angeboten würden. Der SMU hat die Zahl der Lehrverhältnisse von 3822 im Jahr 2004 kontinuierlich auf 4529 im Jahr 2008 steigern können. Der SMU-Direktor führt den Anstieg unter anderem auf die stark verbesserte Nachwuchswerbung zurück, welche dank den Fondsmitteln möglich war. Die Autoren der Analyse betonen, es sei gar nicht in allen Branchen das Ziel, mehr Lehrverhältnisse zu schaffen, «sondern die Betriebe zu unterstützen, die bestehenden Lehrstellen optimal zu besetzen».

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Kritik an Administrativaufwand

Als weitere Vorteile der AVE werden von den Befragten insbesondere die Solidarität zwischen Verbandsmitglieder und Nicht-Verbandsmitgliedern, aber auch zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben erwähnt. Die Nachteile sehen sie im administrativen Aufwand der Verbandsverantwortlichen (Adressbeschaffung) und im Abgrenzungsproblem mit ähnlichen Einrichtungen.

Wenig Begeisterung zeigen die Unternehmen für die Zunahme bei kantonalen Berufsbildungsfonds - der Zürcher Kantonsfonds wird 2010 aktiv. Bei der Ernst Schweizer AG heisst es, nationale Verbandslösungen in der Berufsbildung seien sinnvoller als die Errichtung neuer kantonaler Berufsbildungsfonds.