1. Home
  2. Unternehmen
  3. Eindimensionales Energie-Business ist passé

Eindimensionales Energie-Business ist passé

Wer diversifiziert, integrierte Lösungen anbietet und für die Umwelt aktiv ist, gewinnt Marktanteile.

Von Marc Gusewski
am 12.02.2008

Leicht hält man Hans Büttiker, den für ein neues Kernkraftwerk Gösgen II polternden Direktor der Baselbieter Energieversorgerin Elektra Birseck-Münchenstein (EBM), für einen schlichten, in linearen Kategorien denkenden Verkäufer. Aber da ist mehr; faktisch besorgt die EBM seit 30 Jahren ein Geschäft, in das sich die Überlandwerke wie die Axpo-Gruppe oder die BKW FMB Energie AG und viele andere teuer, weil zu spät, einkaufen.

Vom Kritisierten zum Vorbild

Büttiker wirkt richtig kreativ, um in neue Märkte einzudringen: Er macht aus Atmosphärendruck Strom per Gasentspannungsanlage; heizt und kühlt Bürokomplexe aus Abwasserkanälen; heizt mit Holzpellets die Thuner Siedlung, die von der Berner Oberländer Frutiger AG gebaut wurde, und bedient mehr als 100 über die ganze Schweiz verteilte sogenannte Wärmekraftkopplungsanlagen, die Strom und Wärme für hunderte Kunden erzeugen. Es ist keine 30 Jahre her, da kritisierte die Mehrheit der Strombranche den von Büttikers Vorgänger geprägten Begriff Energiedienstleisterin als unstandesgemäss – jetzt will jeder Dienstleister sein.

Im Geschäft um Anteile im – dank immer besserer Isolation – schrumpfenden Wärmemarkt, hält bessere Karten, wer mehrdimensional auf die Kunden zugeht: Etwa der Heizölverkäufer, der auch Holzschnitzel und Solarkollektoren liefert. Oder, wie Büttiker, der Stromer, der die Heizung gerne auch gleich übernimmt und Wärme und Licht verrechnet. Alles ökologisch.

Öl- und Gasindustrie paralysiert

In die gleiche Richtung zielt die Initiative des Kantonszürcher Stromversorgers EKZ, der mit viel Schwung 28,6 Mio Fr. für integrierte Energielösungen bereitstellte. Noch weiter ging die Solothurner AEK Energie AG, die die Vorteile von Holzpellets im Öko-Wärmemarkt erkannte und in Balsthal rechtzeitig vor dem Boom ihre Pelletsproduktion hochzog. Bei den durch die Strommarktliberalisierung frei gesetzten Kräften wirken die Vertreter von Öl und Gas wie paralysiert.

Anzeige